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Mittelwellensender in Siofok, Balatonszabadi

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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19.Oct.19 10:01

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Im Jahre 1953 wird ein neues Senderareal an der Posta- Straße in der Nähe des Balatons erschlossen.Gebaut wurde ein 145 m hoher Stahlgittermast, für welchen Teile aus Lakihegy verwendet wurden.

Die Situation war damals ; das erste Programm "Kossuth- Radio ", konnte bereits landesweit empfangen werden. Der Standort des Senders war Lakihegy.

Das zweite ungarische Rundfunkprogramm "  Petöfi Radio"                                             Namensgeber für diese Station, die auch heute noch landesweit ein UKW- Sendernetz betreibt,  ist der ungarische Dichter und Nationalheld Sándor Petöfi.                                                                                  noch im Aufbau.  Petöfi-Radio sendete aus Szolnok und deckte nur den östlichen Teil Ungarns ab.

Im Jahre 1951 begannen die Arbeiten auf diesem Standort in Siofok.

Am 24.Oktober 1953 ist es soweit, das zweite Programm wird nun auch regional auf Mittelwelle 872 KHz ausgestrahlt und ist in ganz Ungarn nun zu empfangen.

Dazu wird ein Sender von der Firma Standard Budapest mit 135 KW Sendeleistung montiert.. 

Der Sender Kossuth Rádió ist heute landes- und europaweit als MR1 zu empfangen.

Später kam noch ein Ersatzsender dazu, zunächst mit 7 KW Leistung ( Luftkühlung) Inbetriebnahme Januar 1956, Hersteller ist  EMV  Budapest (ehemals Standard Budapest), später wurde die Leistung auf 15 KW erhöht.

Die Abstrahlung erfolgte über diesen 56 m hohen Mast , Zuleitung über Reusenleitung, auf 1594 KHz, aber es war eigentlich immer nur ein Reservesender.

Siofok, der 15 KW (Reserve-)sender     foto1

Dieser Sendemast steht nahe am Balaton und deswegen wird er wohl in nächster Zeit abgerissen, und das Grundstück dann als Bauland verkauft. Bauland am Balaton ist begehrt und teuer .

Hier ein historisches Foto, was die 135 kW Sendeanlage  in den 50iger Jahren zeigt.   foto2

Bedienpult des 135 KW-Senders

Der Kollege lächelt, also alles im "grünen" Bereich .   foto3

Abstimmarbeiten am Bedienpult 135 KW- sender    foto4

Damals wurde bei einem solchen Großsender viel Personal beschäftigt. Überliefert ist, das durchschnittllich 3o Arbeitskräfte dort tätig waren. Bleiben wir doch gleich mal bei den Erinnerungsfotos :

Die Sendeanlagen waren strategisch wichtig und auch in dem Sinne militärisches Sperrgebiet und natürlich rund um die Uhr bewacht. foto5

In diesem gemütlichen Häuschen, nur einen Katzensprung vom Balaton entfernt, war es sicher eine Freude, seinen militärischen Dienst  zu tun.

Auch die Mitarbeiter von Antenna Hungaria konnten im Sendergelände in Bungalows Urlaub machen, das war natürlich viel günstiger, als ein Quartier in Siofok zu suchen.

Beim Besuch im Sendergebäude finde ich noch diese hübsche Erinnerung, das 25 jährige Senderjubiläum wurde tüchtig gefeiert.

Die ungarischen Kollegen hatten ja den leistungsstarken Sender SOLT; damals schon mit 2000 KW Sendeleistung auf Mittelwelle und nun kam die Überlegung; was machen wir mit diesem 135 KW- Sender ? und da kam eine Anfrage von einem privaten Anbieter gerade recht ...wir wollen ein Ferienradio in erster Linie für die Urlauber am Balaton starten.

Am 29.April 1989 ging das erste ungarische Privatradio, gegründet 1988, von diesem Standort auf Sendung. Es war das erste Radio das mit computerautomatisierte play-out System arbeitete und auch das erste Radio in Ungarn, das amerikanische Programmpolitik machte.

Da geht was los, das sagten auch wir im Juli 1989, als wird den Urlaub am südlichen Balaton verbrachten und auf die Mittelwelle 810 KHz war fortan unser Kofferradio eingestellt. Sowohl in deutsch als auch in der Landessprache kamen freundliche Ansagen, aktuelle Informationen und heiße Musik bei Urlaubern und sicher auch den Einheimischen an.                                                         

                                              

Unter diesem Namen ist der Privatsender heute noch in Budapest auf UKW  95,8 MHz  aktiv.

Aber damals wußten wir natürlich noch nicht , daß es ein "Kellerradio" ist.

Unter dem Sendesaal, buchstäblich im Keller des Sendegebäudes, liefen die Moderatoren zur Höchstform auf....dies sicher auch dem Umstand geschuldet, daß es dort unten trotz größter Hitze immer ein angenehmes Klima gab.

Leider konnte ich bei meinem Besuch am 11.Oktober 2019 nur noch diese Studioreste fotografieren.

Darüber befindet sich der Sendesaal mit seinen Nebenräumen, wie es damals so war, Klimatisierung, Kühlung, Stromversorgung, Kantine, Büros, Übernachtungsmöglichkeiten im Gebäude, Lager, alles gut beieinander und im Garten hervorragende Äpfel ! 

Von diesem Standort sendete Radio JUVENTUS bis 1993 über die Mittelwelle. 

Dann gab es für den Sender eine große Sendepause , er blieb natürlich Reservesender. 

Im Jahre 2004 kommt neue Sendetechnik 2 TRAM / R100 werden eingebaut.

und auch die sonstige Technik wird auf den neuesten Stand gebracht.

Ein neuer Nutzer ist die Senderkette Magyar Katolikus Rádió .  Zugelassen ist auf dem Standort maximal 150 KW Sendeleistung, dies wird genutzt bis zum 15.Januar 2011. Dann beendet Magyar Katolikus sein Programm von diesem Standort. Es gibt zwar viele Proteste von Hörern damals, aber der Betreiber kann aus Kostengünden diesen Sender nicht weiter nutzen.

Genutzt wurde der Sender während der Modernisierungsarbeiten des Mittelwellesenders SOLT 540 KHz.

Ansonsten steht er in Reserve. Auch während meiner Besichtigung.

Nochmal ein Blick auf das Sendergelände:

Die Speiseleitung ist als Erdkabel verlegt.

In wenigen Sekunden kann im Havariefall der Sender ONLINE gehen.

Dieselhaus.

Sendergebäude mit Stromversorgung und Klimaanlagenbereich.

Einige Wohnungen im Sendergelände sind noch für Wohnzwecke vermietet.

Etwa 70 m vor der Einfahrt in das Senderareal befindet sich ein 50 m hoher Sendemast.

Hier mit dem Betriebsgebäude und der Mast als Ganzes:

Von diesem Standort wird aktuell Danko Radio auf 93,6 MHz mit ERP 3 KW abgestrahlt . Auch Mobilfunkanbieter nutzen diesen . 

 

Das war mein kleiner Ausflug nach SIOFOK, eigentlich wollte ich nochmal ein Bad im Balaton nehmen, aber bei + 12 Grad wäre das wohl nicht das richtige Vergnügen gewesen:

 

foto 1- foto 5 wurden freundlcherweise von Antenna Hungaria für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt. Alle anderen Fotos Wolfgang Lill

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Frau Éva Balla von Antenna Hungaria für die Möglichkeit der Besichtigung und die freundliche fachliche Unterstützung.

This article was edited 22.Oct.19 11:32 by Wolfgang Lill .

  
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