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philips: LD480AB; Annette. Reparaturbericht

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Gerhard Heigl
Gerhard Heigl
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19.Nov.06 16:19

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Das Hauptproblem bei der Annette ist der eingebaute DEAC-Akku. Nach ca. 50 Jahren hat sich die Kalilauge aus dem Akku verflüchtigt und dabei umfangreichen Schaden im Gerät angerichtet. Korrosionsschäden am Chassis, an Bauteilen, Verdrahtung und Lötstellen und sogar am Holzgehäuse sind keine Seltenheit. Dabei erfüllt dieser Akku eine wichtige Aufgabe: er stabilisiert und glättet die Heizspannung. Der Betrieb ohne Akku sollte tunlichst vermieden werden, die Heizspannung ist dann höher als 1,5V, die Lebensdauer der Röhren wird dadurch verkürzt. Nebenbei macht sich unangenehmer Brumm bemerkbar. Den Akku zu reanimieren hat wenig Sinn und gelingt auch selten. Ersatz durch eine moderne NiCd-Zelle wäre eine Möglichkeit, ist aber auf Dauer gesehen auch keine gute Lösung. Tiefentladung dieser Zellen verkürzt die Lebensdauer deutlich. Das Thema wurde schon einmal im Forum diskutiert und zwar hier. Eine einfache und dauerhafte Lösung sehen Sie hier:

Für die folgenden Arbeiten muss der Lautsprecher ausgebaut werden. Am Lautsprecher ist nur 1 Draht angeschlossen! Die 2. Lötfahne ist mit dem Lautsprecherchassis verbunden, die Verbindung erfolgt über die Befestigungsschrauben mit dem Chassis. Ist der Lautsprecher entfernt, kann auch der DEAC-Akku ausgebaut werden. Der Akku ist mit einem dünnen Stahlbügel befestigt. Oberhalb des Lautsprechers werden die beiden Dioden in Flussrichtung gegen Masse eingelötet, parallel dazu noch ein Elko 1000µF/16V. Platz ist für diese Bauteile genug und sie bleiben auch unsichtbar weil sie vom Lautsprecher verdeckt werden.
 Blick hinter den Lautsprecher

Der Elko C3 mit 600µF der am Gleichrichter befestigt ist, wird ausgebaut und durch einen Elko 4700µF/16V ersetzt. Der neue Elko C3 hat durch den nachgeschalteten Widerstand R1 eine wesentlich bessere Siebwirkung als der Elko parallel zu den Dioden. An jeder der beiden Dioden steht eine Spannung von ca. 0,6 bis 0,7V. Die Dioden wirken wie Zenerdioden. Ein Nachteil dieser Schaltung soll noch erwähnt werden: Bei eingesetzter neuer Monozelle* erfolgt eine Entladung über die beiden Dioden auf ca. 1,4V. Dieser Nachteil bestand allerdings auch bei der Originalschaltung, die Entladung erfolgte hier über den DEAC-Akku.

* Die Monozelle ist nur bei Batteriebetrieb notwendig!

 

DEAC-Akku Type D3,5: der ausgebaute Akku wird gründlich gereinigt. Die Papierhülle ist meist aufgequollen und unleserlich, sie wird eventuell entfernt und kann durch eine Replik ersetzt werden. Hüllenkopien für verschiedene Batterien sind bei mir erhältlich. Der Akku wird wieder eingebaut aber nicht mehr angeschlossen.

Der Lautsprecher ist mit Schaumstoffstreifen gegen die Schallwand abgedichtet. Dieser Schaumstoff  ist oft bröselig und muss ersetzt werden. Ohne Schaumstoff entsteht ein akustischer Kurzschluss, die Tonqualität leidet darunter.

Lassen sich bei eingebautem Chassis die Drucktasten nicht mehr ordnungsgemäss betätigen, müssen die 3 Befestigungswinkel im Gehäuse justiert werden, dies ist durch Langlöcher möglich.
Der Ferritstab ist mit Gummiringe in den beiden Halter befestigt. Die Gummiringe können durch Alterung brechen, dann fällt der Ferritstab heraus und kann die dünnen Anschlussdrähte der Spulen abreissen. Der Plan ist hilfreich beim Anschluss der Spulen:

Noch ein Tipp zur Messung einiger Spannungen am Chassis in eingebautem Zustand:


+A: Anodenspannung  90V, bei UKW 85V

-Ur: negative Regelspannung ca. -0,1 bis -0,4V, je nach Senderstärke, bei UKW 0V.

-Ug: negative Gittervorspannung der DL96 -5,2V

Alle Messungen mit DMM gegen Masse (Chassis)

Weitere Messpunkte:


1: ungeregelte Heizspannung an C3 ca. 8V

2 rot, 3 grün: Anodenspannung

4 braun: negative Gittervorspannung an R38 oben, ca. -5,8V

8 blau: Heizspannung 1,3 bis 1,5V

 

Ein Grossteil der Kondensatoren besteht aus den unverwüstlichen Röhrchenkondensatoren. Aber einige ERO bzw. WIMA-Kondensatoren haben meist niedrigen Isolationswiderstand, man merkt es bei zu geringer Lautstärke bzw. Verzerrungen, diese sollten getauscht werden:

C45 = 47nF

C69 = 5µF Elko, Achtung auf Polarität, Plus liegt an Masse!

C77 = 47nF

C78 = 10nF = Koppelkondensator

Die Chassisunterseite ist sehr schlecht zugänglich. Wenn der Lautsprecher (4 Schrauben und Lautsprecheranschluss ablöten) und anschliessend das Netzteil (3 Schrauben) demontiert wird, tut man sich wesentlich leichter. Die Verkabelung kann verbleiben, das Netzteil wird seitlich weggeschwenkt.

 

Eine andere unangenehme Fehlerquelle ist das Tastenaggregat. Die AUS-Taste funktioniert oft nicht. Für die Reparatur, wenn überhaupt möglich, muss jedoch die Mechanik des Tastenaggregats ausgebaut werden. Wie dies zu bewerkstelligen ist, ohne sämtliche Anschlussdrähte abzulöten, muss ich erst erforschen – Fortsetzung folgt.

This article was edited 24.Nov.06 11:12 by Gerhard Heigl .

Gerhard Heigl
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22.Nov.06 18:29

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Gleich vorweg, wenn es sich vermeiden lässt, bitte die Tasten nicht zerlegen. Zerlegt sind sie relativ schnell, aber der Zusammenbau ist ein Horror.
Fehler bei meinem Gerät: Die AUS-Taste funktioniert nicht, sie lässt sich drücken, aber sie löst die anderen Tasten nicht aus. Ursache ist meist der verharzte Schieber (Bild 7).
Bei der Fehlerbehebung sollte man versuchen mit Fettlösemittel den Schieber wieder leichtgängig zu machen. Wenn dies gelingt, sollte die Tastenmechanik mit einem harzfreien Öl sparsam geschmiert werden.
Sollte aus irgend welchen Gründen ein Ausbau notwendig sein, hier eine Anleitung:

Das Tastenaggregat ist mit einem Blechbügel mit 4 Schrauben am Chassis befestigt, diese Schrauben werden gelöst, ebenso die beiden Schrauben am Tastenaggregat (TA). Nun kann das TA vorsichtig nach vorne gezogen werden, damit die Schränk-lappen (SL) (Bild 1) besser zugängig sind. Alle SL, das sind jeweils 5 Stück oben und unten, werden mit einer Spitzzange gerade gebogen, damit die Tastenmechanik abgezogen werden kann. Der Filzstreifen (Bild 2) wird entfernt.

 

Das Abziehen der Mechanik muss wechselweise in kleinen Schritten oben und unten erfolgen, damit sich die Laschen nicht verkanten.


Auf Bild 3 sind die rechten 3 Tasten schon etwas abgehoben.


Bild 4 zeigt die ausgebaute Tastenmechanik.


Die Kontaktstreifen herausnehmen und kennzeichnen, sie dürfen nicht verwechselt werden.


Das Bild zeigt die Kontaktstreifen (Messer) die im Gerät verblieben sind.

Das zerlegte TA wird gründlich gereinigt, anschliessend die Mechanik leicht geschmiert.
Zusammenbau: Pertinaxabdeckung einlegen (Bild 7), die Kontaktstreifen in der richtigen Reihenfolge einlegen und die Feder mit wenig Kleber (Bild 5, gelber Punkt) fixieren, sie fällt sonst beim Zusammenbau immerwieder heraus. Nun wird dieser Teil wieder vorsichtig auf die Kontaktstreifen im Gerät (Bild 6) aufgesetzt. Dies ist die heikelste Arbeit! Die Kontaktmesser müssen in die Kontaktfedern richtig eingreifen, immer kontrollieren. Bevor die SL wieder verschränkt werden, kontrollieren ob das TA richtig schaltet, alle Tasten probieren.
Der Filzstreifen (Bild 2) wird aufgeklebt, dann kann das TA mit dem Blechbügel am Chassis befestigt werden. Wenn die Annette jetzt noch spielt, können Sie sich glücklich schätzen.

  
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