quelle: Reparaturbericht des Zwischenrades

ID: 168679
Dieser Artikel betrifft das Modell: Unbekannt (QUELLE GmbH (Universum); Fürth und Nürnberg)

quelle: Reparaturbericht des Zwischenrades 
06.Aug.08 22:35
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Albrecht Schwaderer (D)
Beiträge: 134
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Im ersten Bericht hier wurde geschildert wie das Antriebsrad auf der Motorwelle repariert werden konnte. Leider war auch das Zwischenrad völlig unbrauchbar geworden. Der Gummi war trotz des Alters nicht hart, sondern weich und klebrig geworden. Ein Phänomen, (ab Post # 6) über das auch im Radiomuseum schon im Zusammenhang mit TB-Geräten berichtet wurde. Der weiche, klebrige Gummi hatte sich über die Kontaktflächen des Reibradgetriebes über das gesamte Laufwerk verteilt. Zuerst war also erst mal saubermachen angesagt. Mit Waschbenzin konnte ich dann die letzten Gummireste aus dem Laufwerk und den Rädern entfernen.

Die Wiederherstellung des Zwischenrad gestaltete sich viel schwieriger, als die Reparatur des Antriebsrades, denn hier musste eine Lösung gefunden werden, wie ein Rad mit Gummiauflage repariert werden kann. Alternativ hätte auch die Möglichkeit bestanden das Rad komplett neu zu fertigen. So etwas ist prinzipiell immer möglich, aber mit hohem Aufwand verbunden. Zuerst wurden die Gummireste entfernt, damit das, was vom Rad übrig ist, genauer untersucht werden kann.

  Unter der alten Gummischicht ist ein Lochkranz, in dem der Gummi einvulkanisiert war. Von diesem Rad konnte also nur noch die Nabe benutzt werden. So konstruierte ich ein Drehteil, einen O-Ringträger, weil ich beabsichtigte die Gummischicht durch einen O-Ring zu ersetzen. Dieses Bauteil, dessen Innendurchmesser auf die bearbeitete Nabe passt, erhält am Außendurchmesser eine Nut in die ein weicher
O-Ring passender Größe eingelegt werden kann.

Das fertige Außenmaß mit O-Ring habe ich aus dem Gerät mit Hilfe einer Pappschablone mit etwa 66mm herausgemessen. Ganz genau war das nicht mehr zu ermitteln. Genauer muss das in dem Fall auch nicht sein, denn der Motor ist in Langlöchern schwenkbar und kann so auf den Durchmesser eingestellt werden. Der O-Ring hat die Größe 60x3mm, also Innenmaß x Durchmesser. Der Durchmesser am Nutgrund liegt also bei 60,2mm, etwas größer also, dadurch ist sichergestellt, dass der O-Ring auf der Nabe gut anliegt und nicht durchrutscht.

Ablauf der eigentlichen Reparatur:

Zuerst wurde das Rad auf einen Dorn gespannt, damit es in der Drehmaschine eingespannt in der Spannzange Rund läuft, dann wurde der Lochkranz abgedreht. Zur Herstellung des O-Ringträgers wurde ein Aluminium Vollmaterial innen auf leichtes Untermaß von 0,01mm zur Nabe ausgedreht, damit das Teil nachher auf die Nabe aufgeschrumpft werden kann. Damit der O-Ringträger nach dem Aufpressen nicht taumelt muss ein Innenanschlag angedreht werden. Anschließend wurde mit einem speziellem Radiusmeißel die Nut für den O-Ring eingestochen. Beim letzten Arbeitsschritt auf der Drehmaschine wird das fertige Teil mit einem Abstechmeißel von dem Vollmaterial abgetrennt. Hierbei ist zu beachten dass die Breite des Drehteils nachher nicht mehr, oder nur auf einer Flachschleifmaschine korrigierbar ist.

O-Ringträger

Der O-Ringträger konnte nun auf die Nabe aufgeschrumpft werden. Rundlauf hier 0,04mm. Mit Aufgezogenem O-Ring nicht schlechter, aber auch nicht besser. Nach dem Auflegen des O Ringes ist auch das Zwischenrad fertig repariert. In die Nabe wurde etwas harzfreiem Öl eingebracht und das Rad eingebaut. Nun stellte sich heraus, dass der Durchmesser etwas zu groß gewählt war, dies konnte durch Schwenken des Motors in den Langlöchern korrigiert werden, so dass der Freigang der Räder gewährleistet ist. Eine andere Lösung wäre die Verwendung eines etwas kleineren O-Ring Stärke, z.B 60x2,5 gewesen. Das verringert den Durchmesser um einen mm.

Fertiges Rad

Nach dem Zusammenbau und der Inbetriebnahme wurde ich durch eine nie gekannte Laufruhe des Gerätes belohnt. Schon viele Stunden sind seit der Reparatur vergangen und die Lösung scheint sich zu bewähren. Vor allem wenn der O-Ring, ein Normteil, irgendwann einmal wieder abgenutzt sein sollte, ist dieser mit wenigen Handgriffen ersetzbar. Dazu muss dann nicht einmal mehr  das Rad ausgebaut werden. Ob sich der Aufwand an so einem billigen Gerät lohnt muss natürlich jeder für sich entscheiden.

Montiertes Rad 

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07.Aug.08 07:52

Georg Beckmann (D)
Redakteur
Beiträge: 440
Anzahl Danke: 8
Georg Beckmann

Hallo Herr Schwaderer,

eine schöne Arbeit, die Idee gefällt mir. Gerade habe ich ein ähnliches Problem mit einem Plattenspieler - Reibrad. Das könnte man in ähnlicher Weise herstellen.

Bleibt noch zu klären, ob man die Sinterbüchsen als Normteile kaufen kann, dann müßte man das Originalteil nicht zerstören.

Jetzt müßte ich nur noch jemanden haben, den ich damit 'plagen' kann, weil ich nicht über eine mechanische Bearbeitung verfüge.

Schöne Grüße aus dem sonnigen Remstal

Georg Beckmann

 

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Buchsen und Lager 
07.Aug.08 19:54

Albrecht Schwaderer (D)
Beiträge: 134
Anzahl Danke: 6

Hallo Herr Beckmann,

Buchsen und Lager gibt es als Normteile zu kaufen, aber- ob bei den alten Geräten schon Norm-Sinterbuchsen verbaut wurden, wage ich zu bezweifeln. Es ist aber kein Problem so eine Buchse selber herzustellen. Als Material gibt es entsprechende Stangenware zu kaufen, die man dann auf der Drehmaschine so bearbeitet, wie man sie braucht, und dann eingepresst.

Ich habe das alte Rad hier modifiziert, damit wenigstens ein "Rest" vom Original erhalten bleibt. Und auch keine Lagerung hergestellt werden musste.
Komplett neu machen wäre hier aber auch kein Problem gewesen.
Und so schleimig und schmierig, wie das Rad beim Ausbau war, wollte ich es auch nicht aufheben. Ich denke eine gute Reparatur darf man immer sehen.

Grüße

Albrecht Schwaderer

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