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RE084 (RE084) Kennlinie wurde wie erzeugt?

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Alfons Meisl
 
 
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17.Mar.14 16:50
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Hallo, kann mir jemand sagen, ob die Kennlinien der Batterieröhren in den originalen Herstellerunterlagen mit Gleichspannungsheizung aufgenommen wurden oder mit Wechselspannung? Die Funke W20 und Neuberger RPM370 Prüfkarten verwenden Werte laut der originalen Telefunken Kennlinie (Ua=150V, Ug=-4V, Ia=4mA). Da diese Geräte mit Wechselspannung heizen, müsste man davon ausgehen, dass Telefunken bei der Kennlinie auch von Wechselspannungsheizung ausgeht. Das Datenblatt sagt nur VH = 4V. In vielen Tabellenbüchern stehen dieselben Prüfwerte, aber noch der Hinweis auf Batterieröhre und das Gleichspannungssymbol bei der Heizung. Wenn nun Telefunken die Kennlinie mit Gleichspannung aufgenommen hätte, so würden Funke und Neuberger die gemessene Röhre zu gut bewerten!

Dieses Frage stellt sich für alle Batterieröhren.

Wer kann hierzu eine Auskunft geben?

Vielen Dank

Dieser Beitrag wurde am 19.Mar.14 14:16 von Alfons Meisl editiert.

Wolfgang Holtmann
Wolfgang Holtmann
Redakteur
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18.Mar.14 16:54

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Hallo Herr Meisl

Mit Sicherheit wurden die Kennlinien bei dieser Röhrensorte nicht mit Wechselspannung ermittelt.

Das ist die Standard-Messmethode:

Dass die RPG-Hersteller später größtenteils mit Wechselspannung heizten, war eine praktische und kostengünstige Lösung.

MfG.

 

 

Alfons Meisl
 
 
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19.Mar.14 14:20

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Hallo Herr Holtmann,

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Das könnte eine mögliche Erklärung dafür sein, dass Batterieröhren oftmals mit weit über 100%
geprüft werden. Bei Röhren mit geringer G1 Spannung wirkt sich eine Messung mit Wechselspannung extrem stark aus. Man müsste also bei Wechselspannungsmessung die Gitterspannung um die Hälfte der Heizspannung negativer machen um dasselbe Resultat wie bei Gleichspannungsheizung zu bekommen (G1 ist 6V negativer als Heizfadenmitte). Die RE084 müsste somit mit Ua=150V, Ug1=-6V, Ia=4mA gemessen werden. Ich kann nur nicht glauben, dass Funke und Neuberger das nicht berücksichtigt haben.

Grüße

 

Wolfgang Holtmann
Wolfgang Holtmann
Redakteur
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19.Mar.14 20:15
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Hallo Herr Meisl

Die von mir angegebene Methode zur Kennlinienaufnahme setzt voraus, dass die Anodenspannung konstant bleibt! Aber das ist nicht der Fall bei den weitverbreiteten Röhrenprüfgeräten der unteren und mittleren Preisklasse.

Es gibt nur wenige, teure, Röhrenmessgeräte, die diese Forderung erfüllen. Dort sind alle Spannungen reguliert und belastungsunabhängig, ebenso die Gleichspannungen für die Heizung.

Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen, habe ich mal mein FUNKE W16 angeworfen und mit Karte 9 eine RE084 geprüft. Der Ia wird mit 7,5 mA angezeigt, also besser als "Gut".

Da das Gitter über 2 kOhm an ein Fadenende liegt, jedoch der Faden mit Wechselspanung geheizt wird, schwankt entsprechend der Anodenstrom im Rhythmus von 50 Hz.
 

 

Dazu kommt noch, dass im Anodenzweig ein Trafo eingeschleift ist, zur Prüfung auf Krachstörungen. Man muss sich also nicht wundern, dass in den Anodenstromspitzen die Anodenspannung auf 60 V zurück geht.

Trotzdem sind die RPG à la FUNKE W16 eine gute Sache! Etwa 90% aller Röhrenfehler sind damit auffindbar. Man darf eben nicht zu hohe Ansprüche stellen....

MfG.

 

 

 

Helmut Weigl
Helmut Weigl
Redakteur
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20.Mar.14 09:50

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Batterieröhren - Herstellerangaben - haben diese bei der Aufzeichnung Ihrer Datenblätter/Kennlinien Gleichspannung (Batterie) oder Wechselspannung verwendet?

Alfons berichtete mir, dass er in seinem Anliegen missverstanden wurde (er hat auch einige Emails diesbezüglich bekommen). Um was geht es:

1. Es macht einen Unterschied, ob man eine direkt beheizte Röhre bei der Messung mit Gleich- oder Wechselspannung beheizt, da sich der Bezugspunkt für die anderen Elektroden (Gitter, Anode) verschiebt (nicht gemeint ist die Heizleistung selbst, die ist gleich). Diesbezüglich hatte ich vor einiger Zeit Untersuchungen angestellt und als Beitrag für das RM eingestellt. Ich verweise wegen der Grundlagen dorthin.

2. Wenn man die Hersteller Datenblätter und verschiedene Röhrendatenbücher oder Angaben in Prüfkarten vergleicht (z.B. Neuberger), muss man feststellen, dass die Angaben zur Beheizung widersprüchlich sind. Ich habe mal für eine Batterieröhre (RE074) einen Vergleich angestellt -> siehe Anlage pdf-Datei.

3. Es bleiben zwei Möglichkeiten:

a) Die Hersteller haben damals die Röhren bei der Datenblatterstellung mit Gleichspannung beheizt. Dann haben andere später falsch abgeschrieben oder aus Unwissenheit/Fahrlässigkeit falsch interpretiert. Im Bezug auf Neuberger würde das bedeuten:  Neuberger misst mit derselben Anoden und Gitterspannung wie das ursprüngliche Datenblatt, aber mit Wechselspannung. Das Ergebnis kann nicht stimmen, da der Bezugspunkt für die Spannungen nicht stimmt. 

b) Die Hersteller haben damals auch ihre Batterieröhren mit Wechselspannungsheizung gemessen. Dann würden die Neuberger Messergebnisse passen.

 

Ich halte die erste Theorie für wahrscheinlich.

 

 

Noch eine Anmerkung zu den meisten Funke-Geräten (W19 u.ä.) - nur weil dieses im vorigen Beitrag genannt wurde:  Funke bleibt aussen vor, da diese gar nicht im vom Hersteller angegebenen Arbeitspunkt "messen" können. Funke testet immer bei Gitterspannung 0 mit unstabilen Spannungen. Messen können  diese Geräte nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlagen:

Dieser Beitrag wurde am 20.Mar.14 10:01 von Helmut Weigl editiert.

Wolfram Zylka
Wolfram Zylka
Redakteur
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20.Mar.14 11:09

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Grüße Sie Herr Weigel,

 

Die Aussage zu Funke generell sollte so nicht stehen bleiben.

Mit dem Funke W 20 kann man sehr wohl präzise Messungen mit allen relevanten, vom Röhrendatenblatt vorgegebenen Spannungen, vornehmen. (Ausnahme Gleichspannung für die Heizung!)

Gruß

Wolfram Zylka

Wolfgang Holtmann
Wolfgang Holtmann
Redakteur
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20.Mar.14 14:33

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Liebe Röhrenfreunde

Ich glaube die Frage von Herrn Meisl gut verstanden zu haben:

"...kann mir jemand sagen, ob die Kennlinien der Batterieröhren in den originalen Herstellerunterlagen mit Gleichspannungsheizung aufgenommen wurden oder mit Wechselspannung?"

und im Post 2 beantwortet.

Wie die verschiedenen RPG Hersteller Röhren testen, steht auf einem anderen Blatt! Hier spielen andere Faktoren -wie Vielseitigkeit, Preis und Bedienungskomfort- eine große Rolle. Man kann nicht immer (ohne Rechnerei) die originalen Datenblätter mit den Prüfeinstellungen vergleichen.

Beispiel: Bei meinem FUNKE W16, Karte 165 wird die AD1 mit 100 V Wechselspannung geprüft, weil die Anodengleichspannungsquelle nicht leistungsstark genug ist!
Dennoch ist das eine brauchbare Lösung, weil man auch auf diese Weise einen Emissionsverlust erkennen kann. Ich bin mir sicher, dass das bei Funkes an Neuware vielfach erprobt wurde.  

Dann zum W20:

Dieses Gerät ist viel besser ausgestattet als die Vorgänger. Die verschiedenen Gleichspannungen sind einstellbar und an den Instrumenten ablesbar. Leider ist die angezeigte Ua (z.B.) nicht die wirkliche Spannung an der Anode gegenüber der Katode, weil in der Anodenleitung wieder ein Trafo eingeschleift ist, also einen Spannungsabfall verursacht der nicht angezeigt wird. Siehe EDIT>>

Das macht sich besonders nachteilig bemerkbar, weil bei direkt geheizten Röhren die Fadenwechselspannung eine Brummmodulation bewirkt, wie schon im Post 4 dargestellt.

MfG.

EDIT: Der Abgriff zur Anodenspannungsmessung wurde ab 1962 korrigiert und liegt nun richtig an A1.

Quelle: Jogis Röhrenbude, Röhrenprüfgeräte, FUNKE  W20.
Dort sind vier verschiedene Ausführungen dokumentiert.

Auch noch nachträglich ein Dankeschön an Herrn Zylka, der mich zu weiteren "Nachforschungen" bewegt hat.

 

Dieser Beitrag wurde am 22.Mar.14 14:01 von Wolfgang Holtmann editiert.

  
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