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Realisierung von Träger-Interferenz-Sperren

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Papers » Basic principles of radio technique » Realisierung von Träger-Interferenz-Sperren
           
Dietmar Rudolph
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10.Jun.13 18:20
 
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Beim Empfang von amplitudenmodulierten Signalen kann es bei "unzureichender" Selektion des Empfängers zu Pfeifstörungen durch die Trägerschwingungen der Sender der unmittelbar angrenzenden Nachbarkanäle kommen. Dieses Problem wird jedoch i.a. nur bei entsprechend "großen" Superhet-Empfängern auftreten, weil nur diese in der Lage sind, einen (schwachen) Sender zu empfangen, der einen stark einfallenden Nachbarkanal-Sender hat.

Geradeaus-Empfänger, deren Empfangsleistung i.a. geringer ist als die von Superhet-Empfängern und die i.a. auch keine automatische Verstärkungsregelung besitzen, haben keine Interferenzton-Sperre. Hier könnte z.B. beim Empfang eines "Bezirks-Senders" nur dann ein Interferenzton entstehen, wenn die Empfangsfeldstärke eines Nachbarkanal-Senders zufälligerweise entsprechend ansteigen würde.

Bei einem Kanalraster von 9kHz (LW & MW) ergibt sich dann ein 9kHz Pfeifton, während sich auf Kurzwelle wegen des Kanalabstandes von 5kHz ein 5kHz Pfeifton ergeben kann.

Als "Abhilfe" gegen diese Interferenz-Störungen können besonders die ZF-Filter ausreichend schmal und ihre Flankensteilheit genügend groß gemacht werden. Diese Methode hat aber den großen Nachteil, daß durch die schmalen ZF-Filter die hohen Modulationsfrequenzen abgeschnitten werden, wodurch das demodulierte Signal dumpf klingt. Wird allerdings dann auch noch die untere Grenzfrequenz des NF-Bandes beschnitten, klingt zwar das Audiosignal wieder ausgeglichener, wird jedoch in seiner Qualität einer Telefonübertragung immer ähnlicher. Man findet daher auch AM-Super ohne 9kHz-Sperre.

Will man im Empfänger die hohen Modulationsfrequenzen wiedergeben können, müssen die ZF-Filter ausreichend breit sein. Bei AM Luxusgeräten ist hierfür eine regelbare ZF-Bandbreite vorgesehen. Dann kommen aber auch ggf. die Träger aus den Nachbarkanälen als Störlinien bis zum Demodulator durch. 

Bei richtiger Dimensionierung des Demodulators hat dieser die Eigenschaft, daß zwar die Modulation aus den Nachbarkanälen unterdrückt wird, nicht jedoch das Interferenzpfeifen aufgrund der Störlinien durch die Nachbarträger.

Aus diesem Grund haben entsprechende AM "Groß-Geräte" eine entsprechende Sperre gegen dieses Interferenzpfeifen (9kHz) eingebaut.  Ein für Geräte bis ca. 1950 typisches Beispiel hat diese Sperre als "Leitkreis" parallel zum Ausgangsübertrager. (Siemens 780W)

Statt eines Leitkreises (Kurzschlußkreis) an der Anode, kann man auch einen Sperrkreis (Parallelkreis) in die Kathodenleitung legen. Für seine Resonanzfrequenz (9kHz) ist dieser sehr hochohmig, wodurch sich eine entsprechende Gegenkopplung für diese Frequenz ergibt. (Grundig 396W) Da die Impedanz bei einem Parallelkreis unterhalb seiner Resonanzfrequenz steiler ansteigt als bei einer Spule alleine, kann diese Spannung auch zur Tonhöhenbeeinflussung (Baß-Steil-Tonregler) verwendet werden (50kΩ Poti parallel zum Resonanzkreis).

Die Typbezeichnung 369W scheint nicht korrekt zu sein. Richtig ist 396W nach Auskunft von Hans Knoll.

Die Analyse der 9kHz Sperre mit PSpice  beim 396W hat Hermann Freudenberg bereits gemacht.

Bei Endröhren mit zusätzlichem zweitem System und gemeinsamer Kathode (EBL, ECL) kann der Sperrkreis nur in die Kathode der Vorröhre eingeschaltet werden. (Grundig 598W) Auch hier ist eine Steil-Tonregelung realisiert.

Die Lösungen mit fest eingebauter Sperre im NF-Teil konnten bei Geräten mit UKW nicht mehr angewendet werden. Abhilfe waren

  • schaltbare Sperre
  • Sperre nach dem AM-Demodulator.

Ein Beispiel für einen abschaltbaren Sperrkreis in der Kathodenleitung der Endröhre ist der 3010W von Grundig.

Entsprechend kann in die Gitterleitung zur Endröhre ein abschltbarer Sperrkreis eingefügt werden (Grundig 3055W/3D)

Die Schaltkontakte können eingespart werden, wenn der Sperrkreis sich im AM-Zweig befindet, vorzugsweise als Leitkreis unmittelbar hinter dem AM-Demodulator. (Grundig 3042W)

Statt mit einer Induktivität kann eine Sperre (Notch) auch mit Hilfe eines überbrückten T-Gliedes (Doppel-T-Filter) realisiert werden. (Grundig 2041W)

Auf Kurzwelle ist der Kanalabstand nur 5kHz. Eine entsprechende 5kHz Sperre war beim Empfang vom Bayrischen Rundfunk und Radio Luxemburg auf KW notwendig, weil diese beiden Sender nur 5kHz Frequenzabstand hatten. (Grundig 2447) Angewendet wurde hier ein M-versteilertes Pi-Filter.

Schärfere Notches als die bisher vorgestellten Sperren liefern Reaktanzfilter aus 3 Blindelementen, wie z.B. beim Grundig 5040W.

Auch ein Reaktanz-Netzwerk mit 4 Blindelementen fand beim Grundig 5040W/3D Anwendung.

Hier sind weitere Beispiele von Geräten mit Reaktanz-Netzwerk zu finden.

Mein Dank geht an Hans Knoll für die Bereitstellung der Grundig-Schaltbilder.

MfG DR

This article was edited 12.Jun.13 12:16 by Dietmar Rudolph .

Dietmar Rudolph
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12.Jun.13 12:58

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Aufgrund eines Zahlendrehers ist in Post#1 der Grundig 396W mit 369W bezeichnet. (Und in der Tat gibt es ein Schaltbild, auf dem 369W steht, auch ist ein entsprechendes Modell angelegt. Nach Auskunft von Hans Knoll scheint das aber ein Fehler zu sein.)

Hermann Freudenberg hat bereits 2003 eine PSpice Analyse des NF-Teils - und damit auch der 9kHz Sperre - des Grundig 396W "Weltklang" im Rmorg veröffentlicht.

Das Notch bei 9kHz ist deutlich zu erkennen.

MfG DR

  
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