radiomuseum.org
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.
  The thread rating is reflecting the best post rating. Have you rated this thread (best post)?

grundig: Reparatur 6099

Moderators:
Martin Renz Ernst Erb Vincent de Franco Martin Bösch Mark Hippenstiel Bernhard Nagel Dietmar Rudolph Otmar Jung Heribert Jung Eilert Menke 
 
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Radios and other type of sets (Physics) etc. » MODELS DISPLAYED » grundig: Reparatur 6099
           
Klaus Menningen
Klaus Menningen
 
D  Articles: 38
Schem.: 53
Pict.: 31
25.Apr.21 10:39
 
Count of Thanks: 5
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Vor einigen Jahren bekam ich einen Grundig 6099 bei dem das Chassis leider hoffnungslos verrostet war. Deshalb erwarb ich einen 2. der zwar deutlich besser war aber auch nicht rostfrei. Nun habe ich mich entschlossen aus den beiden einen wiederherzurichten. Hier mal der Ausgangszustand.

Der Becherelko war ausgelaufen und hat den Bereich um den AM Drehko schön verschmutzt.

Damit ich das Chassis in alle Richtungen drehen konnte habe ich den Halter der Ferritantenne und die beiden Doppeltastschalter die in eingebautem Zustand an der Schallwand befestigt sind für die Dauer der Reparatur mit angefertigten Aluleisten an dem Skalenhintergrundblech angeschraubt.

Dann sah ich das sich ein Schieber der „AUS“ Taste beim Betätigen nicht bewegte. Also muss das komplette Tastenaggregat ausgebaut werden. Das mache ich eigentlich meistens, da man nur so die Kontakte richtig gereinigt bekommt. Einsprühen mit Kontaktspray ist ja oft nur von kurzer Dauer.

Hier ist der Grund für das Fehlverhalten zu sehen. Der linke Tastenschieber ist gebrochen.

 

In dem Fall ist man froh ein 2. Chassis als Ersatzteilspender zu haben. Die Kontaktlaschen hatte ich zum Reinigen abgemacht.

Den Netzschalter hatte ich auch demontiert und im Ultraschallbad gereinigt. Die Rückseite ist teilweise offen und man kann die Schaltkontakte sehen. Der rote Schraubensicherungslack lässt sich gut mit Aceton und Wattestäbchen entfernen.

Tastenaggregat mit neuen Kondensatoren wieder eingebaut.

Als nächstes habe ich die Wunschklangregler ausgebaut. Darunter kommt dann ein Schalter zum Vorschein der zwar im Schaltbild vorhanden ist, aber keine Bezeichnung hat.

Dieser Schalter ist für die Stummschaltung beim Umschalten der Wellenbereichsschalter zuständig. Bei jedem Betätigen einer Taste wird der Kontakt kurzzeitig geschlossen.

Der Kondensator C60 wird über R81 aufgeladen, beim Betätigen einer Taste wird die positiv aufgeladene Kondensatorseite auf Masse gelegt und somit eine negative Impulsspannung auf das Gitter der der EF89 gelegt. Dadurch wird der ZF-Verstärker kurzzeitig gesperrt.

 

Hier der ausgebaute Wunschklangregler mit defektem Gummiband

Alles wieder gereinigt und mit neuen Kondensatoren versehen.

Alles wieder zusammengebaut

Das passend dehnbare Gummiband mit 0,6mm Durchmesser gibt’s in der Bucht.

Danach habe ich den Wunschklang Tastensatz ausgebaut. Hier ein Blick auf die Unterseite die man ja normalerweise nicht sieht. Wird da von oben Kontaktspray eingesetzt verschlimmert man die Situation.

Tastensatz zerlegt und gereinigt.

Fertig zum Einbau

Auch das wieder alles an seinem Platz

Jetzt noch den 3. großen Block ausgebaut.

Das ist der Stationstabulator mit angebauten UKW-Mischteil mit dem sich 5 Stationen „programmieren“ lassen.

Angetrieben über Kettenräder mit Kettenspanner. An jedem Zahnrad sitzt eine Kupplung die bei betätigen der entsprechenden Taste betätigt wird. Die beiden Kerne der induktiven Abstimmung im Mischteil werden dann bis zur eingestellten Spindelhöhe ein oder ausgefahren.

Am UKW-Mischteil war ein Durchführungskondensator gebrochen. Beim Hantieren daran ist dann noch ein zweiter gebrochen. Daher entschloss ich mich alle auszutauschen.

Weiß jemand was das für ein gelber Sicherungslack ist? Der löst sich mit keiner Chemikalie und lässt sich nur sehr schwer mechanisch entfernen.

Die neuen Durchführungskondensatoren sind nicht hohl und somit stabiler.

                        Hier die „alten“                                                           und die „neuen“ 4n7, 300V=

 

Das UKW-Mischteil nach der Reinigung. Man sieht die beiden Zugfedern welche die Spulenkerne stramm halten.

Die Feder, rechts im Bild hat deutlich mehr Vorspannung (90 Gramm anstatt 45 Gramm, habe ich mit einer Federwaage kontrolliert). Die Ursache dafür liegt vermutlich am unterschiedlichen Gewicht der beiden Spulenkerne. Der Oszillatorkern ist doppelt so schwer.

Da die Zugfedern nicht inline mit den Spulenkörpern liegen werden die Kerne nicht zentrisch durch die Spulen gezogen, sondern immer leicht schräg zum Spulenkörper. Dadurch schleifen sie leicht und können daher nicht im Spulenkörper schwingen.

Meine Federwaage, die hatte ich mir vor Jahren mal auf einer Dienstreise in Shanghai besorgt um die Rutschkupplung meines Grundig 5050W3D einzustellen.

Der Skalenhintergrund lässt sich komplett demontieren ohne das Skalenseil und den Zeiger abzunehmen.

Dann kommt der Kettenantrieb zum Vorschein.

Und die 5 Stahlseilantriebe für UKW.

Beim Reinigen ist mir einer davon abgesprungen. Man braucht mehr als 2 Hände um das wieder aufzulegen.

Die oberen verzahnten grauen Hülsen lassen sich nachdem man den Drahtring darüber nach oben geschoben hat aus der Verzahnung lösen und man kann die Drahtspannung Zahn um Zahn verändern.

Die Vorspannung wird so eingestellt das alle federbelasteten Umlenkrollen möglichst in der Mitte stehen.

Nachdem das Drahtseil wieder aufgelegt war habe ich das AM Skalenseil noch mit erneuert. Geradezu ein Kinderspiel gegenüber dem Stahlseil.

Eine weitere Besonderheit, auf der linken Seite der UKW-Skala sind kleine Bohrungen in der Skala. Dort kann man eine Stecknadel hineinstecken und durch drehen am Sender-Einstellrad die Skalenzeiger verschieben ohne die Skalenscheibe zu demontieren.

Auch bei Grundig gab es wie bei den SABA`s eine Aufsetzskala (Bei Grundig heißt die Markierungsskala). Allerdings ist die nicht mit Plastikstiften (die immer abbrechen) befestigt, sondern mit 2 Messingrändelschrauben an der Haupt-Skalenscheibe festgeschraubt.

Von den Skalenreitern (Sichtzeichen) besitze ich leider nur ein einziges Exemplar. Vermutlich sind die noch deutlich seltener als die von SABA.

Zum Einstellen braucht man die Markierungsskala nicht abzunehmen. Die Skala ist von unten her offen. Es gab beim Gerät einen kleinen Kunststoff Schiebestab dazu den man von unten in die Skala einführen konnte um somit die Skalenreiter zu verschieben.

Den Netztrafo habe ich dann auch ausgebaut und nach dem Reinigen etwas mit schwarzem Lack optisch aufgehübscht.

Da der Becherelko ja ausgelaufen war, habe ich den gleich mit ausgebaut, da ich jetzt genug Platz dafür hatte.

Da Grundig diese Becherelkos mit den 3 Schränknasen verwendet hat, habe ich das Loch mit einer geeigneten Lochstanze für einen Becherelko mit Verschraubung passend gemacht.

Der neue Becherelko mit 2x100µF von Jan Wüsten passt haargenau dort hin. Die Spannungsfestigkeit beträgt 550/600V.

Auch den Ausgangsübertrager hatte ich zum Reinigen ausgebaut.

Die Selen-Gleichrichtersäule habe ich nach einem Test unter Last mit einer 25W Glühbirne bei 220V nicht weiterverwendet. Er wurde zu warm und die Stromkuppen waren auch unterschiedlich hoch. Stattdessen habe ich seitlich innen am Chassis eine Lochrasterplatine mit einem 2A Brückengleichrichter einschließlich 4x 4n7 Kondensatoren verbaut.

Ein zusätzlicher 100 Ohm Widerstand bringt bei 220V Eingangsspannung exakt die richtigen Spannungswerte. Ich verwende da immer diese Widerstände im Metallgehäuse. Durch die starke Überdimensionierung (50 bzw.100W) bleibt der im Betrieb eiskalt.

Da die Hitze der beiden EL84 Pertinax Fassungen diese deutlich geschwärzt hatten habe ich sie gegen 2 neue Pressstoff Fassungen mit Metallkern ersetzt. Diese wurden auch bei dem Nachfolgemodell 6199 von Grundig eingesetzt.

Zu bekommen sind die als NOS Ware bei Michael Kaim (BTB Nürnberg)

Da beim 6099 beide EL84 nur einen gemeinsamen 130 Ohm Kathodenwiderstand hatten, habe ich das geändert. Jetzt hat jede EL einen 270 Ohm Kathodenwiderstand und je einen 100µF/25V Parallelelko.

Die beiden Doppeltaster rechts und links in der Schallwand habe dann auch noch zerlegt und gründlich gereinigt.

Nun erfolgte der erste Test. AM Bänder funktionieren, UKW nicht.

Der Fehler war schnell lokalisiert, keine Anodenspannung an der Oszillatorröhre.

Der Prüfadapter passte so gerade eben mit der Abdeckhaube.

Das UKW-Mischteil musste noch mal raus, da die Spule vom 1.ZF-Filter unterbrochen war. Da ich ja in der glücklichen Lage war noch ein 2. Chassis zu haben machte ich mir erst gar nicht die Mühe die Spule zu reparieren, sondern entnahm diese aus dem Spenderchassis.

Da alle Spannungen nur bei Betrieb am Regel-Trenntrafo mit 220V stimmten habe ich einen zusätzlichen 12V Trafo mit 25VA seitlich am Gehäuse angebracht. Platz ist genug vorhanden. Ich habe für den Trafo eine zusätzliche Feinsicherung in der Netzzuleitung vorgesehen. Dafür habe ich den 110V Anschluss an der Sicherungsplatte entfernt und isoliert, so dass ich diesen jetzt freien Sicherungshalter benutzen konnte.

 

Das Gehäuse musste neu verleimt werden, da es offensichtlich mal sehr feucht gelagert wurde.

Dann habe ich das Gehäuse vom alten Lack befreit. Danach waren aber ringsherum viele kleine Dellen (vermutliche Anstoßungen) zu sehen, die ich mit meinen Möglichkeiten + Kenntnissen nie hätte beseitigen können.

Das Gehäuse wurde von Franz Josef zu einem absoluten Hingucker veredelt.

Seht doch mal die Spiegelung seitlich am Gehäuse. Herrlich !

Die Stoffe der beiden Seitenlautsprecher hatten leider so starke Flecken die sich nur durch bleichen entfernen ließen. Dadurch ist dann aber auch die original Einfärbung mit verändert worden.

Die Aluleisten rechts und links der Dipolantenne habe ich erneuert, da sie nachdem die seitlichen Lautsprecher demontiert waren deutlich gelitten hatten. Die Lautsprecherrahmen konnte ich wieder gut vom Rost befeien. Vor dem Einbau habe ich die Lautsprecher mit meinem Schwebungssummer auf einwandfreie Funktion geprüft.

Finaler Test, alles perfekt.

Ich bewundere die damaligen Ingenieure die ein solches Gerät am Reisbrett (ohne PC) entwickelt, berechnet und gebaut haben.

Hier noch 2 Details wie bereits bei der Konstruktion auf die Belange der Serviceleute geachtet wurde.

Diese kleine Drahtschlaufe ist kein eingeklemmter Draht, sondern ein kapazitiver Messpunkt an der AM Diode für den Abgleich. Ich habe das mal im Plan eingezeichnet und markiert.

 

Beim UKW Mischteil gibt es auch so eine Hilfe.

Hier ist ein Drahtstück unten am Mischteil herausgeführt. Am blanken Ende kann die Oszillator-Schwingspannung gemessen werden, und am isolierten Teil kann man kapazitiv die 10,7MHz zum Abgleich einspeisen.

Einzug in die Radiostube

Grüße vom Westerwald,

Klaus Menningen

  
rmXorg