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Rundfunk im Vogtland Sender Plauen

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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25.Jun.20 11:26

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Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7.Oktober 1949 hatte die Deutsche Post die Aufgabe eine republikweite Versorgung der Bevölkerung mit dem Rundfunk zu sichern.

Das Vogtland war der südlichste Zipfel der ehemaligen DDR, der nächste Großsender befindet sich in Leipzig- Wiederau ( ca 20 Km südlich von Leipzig ) auf 1043 KHz mit 70KW Sendeleistung .

Von diesem Standort sendet auch über einen weiteren Sender Radio Moskau mit 70 KW auf 1322 KHz sein Programm für die sowjetischen Streitkräfte.

Bei immerhin etwa 80 Km Luftlinie und auch bergigem Gelände war der Empfang in der Region recht dürftig.

So kam es seitens des Ministeriums für Post und Fernmeldewesen zur Verfügung ( datiert vom 26.Juli 1950), daß im Gebiet von Plauen bis zum 20. August 1950 ein Mittelwellenrundfunksender kleiner Leistung aufzustellen und in Betrieb zu nehmen ist.

Insgesamt wurden in Plauen und näherer Umgebung dazu 16 Stellen meßtechnisch geprüft. Letztendlich fiel die Entscheidung, die Sendeanlage in Nähe des Verstärkeramtes , im östlichen Teil von Plauen , an der "Alte Reichenbacher Str 1 " aufzubauen.

FOTO aus dem Jahre ca 1991 , Adelheid Leistner

Zunächst erfolgte die Aufstellung der Sendetechnik im Verstärkeramt der Deutschen Post. Geliefert wurde der Sender von der Firma C. Lorenz, Außenstelle Leipzig. Bauleiter war damals im Auftrage des Post- und Fernmeldetechnischen Zentralamtes, Senderanlagenbau,  Oberpostdirektion Leipzig, der Postangestellte Herr Börner.

Die Sendeantenne, eine 3-fach T- Antenne, wurde etwa 300 m entfernt neben der Festhalle im Ortsteil Reusa errichtet und war mit der Technik im Verstärkeramt durch ein HF- Kabel verbunden.

Die erste Frequenz 1484 KHz war eine internationale Gleichwellenfrequenz für Sender kleinerer Leistung bis 2 KW. Der Lorenz- Sender hatte genau 2 kW Sendeleistung.

Der Dauerbetrieb des Senders wurde am 01.September 1950 aufgenommen .                            

Das 70 jährige Jubiläum der Einführung des Rundfunks in Plauen steht am 1. September 2020  an. 

Der Sender bestand aus drei Metallschränken etwa 180 cm hoch, 60 cm breit und 80 cm tief.  Im ersten Schrank war die Vorstufe. Hier wurde die abzustrahlende Hochfrequenz erzeugt und in der letzten Stufe moduliert. Im zweiten Schrank wurde das modulierte HF- Signal auf 2 KW verstärkt.   In diesem Schrank befanden sich auch die Abstimmmittel zur Anpassung .

Im dritten Schrank wurde die für die Endröhren erforderliche Hochspannung von 5000 Volt erzeugt, wie auch die Heizspannung und die Gitterspannung. 

Die Bedienung des Senders erfolgte vom Schaltpult aus, oben stehen Meßeinrichtungen.

Lorenz Senderfotos aus dem Nachlaß von Herrn Leistner

Interessant ist auch, wieviel Arbeitskräfte man damals benötigte; es gab den Schichtdienst in der rollenden Woche, es wurde zwei Tage in 3 Schichten gearbeitet; Früh- Mittel- und Nachtschicht mit jeweils 8 Stunden Pause. Danach hatten die Kollegen 2 Tage frei. 

Noch etwas zur Firma Lorenz. Diese war in Berlin Tempelhof ansässig mit US- Kapital. In Leipzig hatte man eine Außenstelle, diese konnte nicht verstaatlicht werden, wegen des US- Kapitales.

Bereits im Juli 1951 wurde der Sender ( ohne den 5 KV Gleichrichter) gegen einen gleichartigen Sender mit nach oben und unten erweiterten Frequenzbereich ausgetauscht. Für diesen Lorenzsender, der für das Versorgungsgebiet Vogtland nicht ausreichte, gibt es ab 1953 eine neue Aufgabe. 

1953 kam auf das Gelände neben der Festhalle eine fahrbare Mittelwellensenderanlage vom   Typ SM 5 der Firma Lorenz. Diese bestand aus 5 doppelachsigen Wagen ; zwei Sendewagen, 1 Koppelwagen ( enthält die Bauteile zum Anpassen des Senders an die Antenne, ein Wohn- und Werkstattwagen sowie ein Antennenwagen (der enthielt alle Teile zum Auf- und Abbau der Antenne). Der SM5- Sender wurde mit Anodenmodulation betrieben ( der Modulationstrafo bringt die NF auf die HF- Amplitude). 

 Oben die Antenne für den Ballempfang. Über das Verstärkeramt erfolgte die Modulationszubringung. Der Ballempfang war recht unsicher, entweder von Leipzig oder vom Katzenstein.

Koppelwagen der SM 5 Anlage. Die Antenne steht auf einem Porzellanisolator, damit ist sie gegen die Erde isoliert Der 51 m hohe Stahlgittermast ist als Antenne wirksam und nach drei Richtungen isoliert abgespannt.

Ein Blick in den Wagen: 1 Vorend- und Endstufe RS 5000 M- 52. Inzwischen wurde das Programm "Berliner Rundfunk" auf 1079 KHz gesendet. 

Die Sendeantenne selbst ist 51 m hoch und hat eine Dachkapazität. ( Foto vor 1990 )

Etwa 20 Km entfernt, in der Nähe der fränkischen Stadt Hof,wurde ab 1. November 1948 eine Mittelwellensendeanlage aufgebaut.  Der Standort war etwa 6 Km von der damaligen Zonengrenze US zur sowjetischen Besatzungszone entfernt. Übertragen wurde das Programm von RIAS Berlin. 

Zunächst mit einem ehemaligen mobilen Soldatensender " Gustav" mit einer HF- Ausgangsleistung von 40 KW  und über zwei selbststrahlende Masten á 50 m hoch abgestrahlt.

Bereits 1950 wurde der "Gustav" durch einen stationären  40 KW- Telefunkensender  und auch die Antennenanlage im Jahre 1952 durch zwei je 100 m hohe Masten ersetzt.

Interessant dazu ist ein am 22.2.1966 in der Frankenpost erschienener Artikel, aus dem ich auszugsweise die Aufgaben des Senders entnehme,

"...die zunehmende Abschnürung der Zone veranlaßte die Verantwortlichen, die Ausstrahlung des Senders gerade in diesen Raum zu intensivieren. Im Zuge dieser Maßnahmen installierten sie in Hof, unweit der Kingsley- Kaserne einen zweiten Sender, der seine 100 m hohen ( im Artikel wörtlich zu lesen) Richtantennen speziell in den südlichen Raum der sowjetisch besetzten Zone richtet.                             Sein Leiter, Ing. Adolf Maier, erinnert sich;"eine Ingenieurabteilung der Amerikaner baute hier in dem ehemaligen Getreidesilo in der Graf- Stauffenberg- Straße den Sender auf. Am 1.11.1948 übergaben sie ihn in deutsche Hände und seither strahlt er das Programm des Berliner Hauptsenders über den Eisernen Vorhang ( damit war die ehemalige Zonnengrenze gemeint) bis tief nach Mitteldeutschland hinein aus. "

Die beiden hohen Stahlgittermasten- heute bereits eines der Wahrzeichen Hofs- ermöglichen es nach den Worten Maiers, die Leistung des Senders in nordöstlicher Richtung zu konzentrieren. "Wir sind selbst in Leipzig noch gut zu empfangen" , berichtet Maier, "Daß auch die Hofer und die Rundfunkhörer im näheren Umkreis Hofs den RIAS hören ist hingegen eine ungewollte Gunst". Die beiden Antennen sind so eingestellt. daß nur ein geringer Teil in den bayerischen Raum ausgestrahlt wird. 80 bis 85% der Sendeleistung, die 40 Kilowatt beträgt, gehen in die Zone, für den oberfränkischen Raum bleiben nur die unvermeidlichen "Abfälle". "Nach dem Stockholmer Abkommen der Rundfunkgesellschaften sind wir verpflichtet, dem Sender Belgrad, welcher auf der gleichen Wellenlänge ( 686 KHz ) arbeitet, nicht ins Gehege zu kommen. In Richtung der jugoslawischen Hauptstadt wird daher überhaupt nichts ausgestrahlt", erklärt Maier. "Der RIAS sei in Rehau oder Kautendorf kaum zu hören...und selbst im Stadtgebiet, in der Nähe der Moschendorfer Saalebrücke etwa, sei kein Empfang möglich. Maier; "Beschwerden von Rundfunkhörern aus diesem Raum sind nutzlos, sie bestätigen uns allenfalls, daß die Antennen richtig eingestellt sind". 

Ich glaube dieses Interview sagt alles über das  damalige Ziel und Aufgabe des Senders., die Informationen der "Stimme der Freien Welt " in der sowjetischen Besatzungszone bzw dann der DDR hörbar zu machen.

Das ehemalige Verstärkeramt in Plauen  auf der "Äußere Reichenbacher Str 1", ein aktuelles Foto aus dem Jahre 2020

Foto: Clemens Uhlig, vielen Dank !

Die Versorgung des RIAS Hof war damals nur über Erdkabel möglich. Dies war von der Reichspost verlegt und lief von Berlin über das Verstärkeramt unter anderem in Plauen. Dort wurde das Signal verstärkt und dann weiter nach Hof geleitet. Dafür erhielt die Deutsche Post ( bzw natürlich die DDR) Gebühren.

Nur so war es damals möglich, die Sendungen des RIAS Berlin von Hof aus zeitgleich auszustrahlen.

Die Kollegen in Plauen waren widerum in vorderster Front gegen den "Störenfried RIAS" .            Der  2 KW- Lorenzsender  wurde als "Sonderanlage" Mitte 1953 eingesetzt. 

Der RIAS in Hof änderte 2 x täglich seine Frequenz. Am Tage sendet er auf 737 KHz und Nachts auf 683 KHz. Das mußte die Sonderanlage Fabrikat LORENZ ebenfalls schnell und zeitgleich bewerkstelligen können. 

Natürlich hatten die Kollegen vom Entstörungsdienst nun weitere Aufgaben, sie mussten prüfen, ob die Störungen beim RIAS im Plangebiet wirksam und erfolgreich sind.

Dazu gab es dann Ergebnisse, die dazu führten, daß in der Region zwei weitere Kleinsender und zwar bei den Postämtern in Adorf und in Markneukirchen , sogenannte Kleinsender mit 50 Watt Leistung , installiert wurden.

Foto Hajo Böhme; ein 50 Watt Störsender

aus dem Nachlass von Herrn Leistner; Doppelfrequenzgenerator zur schnellen Umschaltung zwischen zwei Frequenzen

Nebenher liefen natürlich allerlei politische Maßnahmen. Das hören des RIAS war zwar nicht verboten, aber man appellierte an die Vernunft der Bürger, nicht den Parolen des politischen Feindes zu glauben. Auf den monatlichen Rundfunkgebührenabrechnungen waren dann Aufdrucke:

RIAS Info" Wer den RIAS hört, den Frieden stört" 1953

Hier ein Blick auf die

Sendeanlagen in Plauen ( Ende der 80iger Jahre, Foto aus dem Nachlass von Herrn Leistner)

1956 wurde auf dem Gelände die Holzbaracke aufgebaut und damit die Räume im Verstärkeramt gekündigt.

Der fahrbare SM5- Sender mußte 1960 zur Betriebsstelle "Rügenradio" umgesetzt werden. Mittlerweile war jedoch ein SM6 - 2KW- Sender aufgebaut worden, der dann speziell die Störsenderaufgabe übernahm. Der alte 2 KW- Sender von Lorenz wurde wieder für die Rundfunkversorgung genutzt. Zu allem Unheil wurde auch die 51 m hohe Antenne im Jahre 1964 für einen anderen Standort abgebaut. Die Kollegen bauten vor Ort eine dreifach T- Antenne auf.

Sicher ist nur noch wenigen bekannt, daß die meisten Rundfunksender der DDR von 5,00 Uhr Morgens bis 01,00 Nachts sendeten.  Dann war Sendepause und natürlich wurde diese Zeit genutzt um Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Anlagen auszuführen. 

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 sollte ebenso wieder nach Ende der Nationalhymne abgeschaltet werden. Hatten die diensthabenden Kollegen diese überhört ? Man war ratlos und lies das Programm weiterlaufen. Ein Anruf letztlich beim Studio in Berlin brachte Klarheit, von dort kam die Ansage " Weiter senden"....irgend etwas wichtiges war passiert und richtig in den Morgennachrichten wurde über den Bau des " antifaschistischen Schutzwalles " rund um Westberlin berichtet. 14 Tage lang lief dann der Sender rund um die Uhr.

Frau Leistner erzählte mir auch, daß es einmal zu einer Fehlschaltung kam, statt dem Programm von Radio DDR tönte etwa 5 Minuten lang der RIAS über den Sender.

Im Jahre 1971 wurde die kleine Holzbaracke durch einen massiven Neubau ersetzt. Ebenso erfolgte 1971 der Neuaufbau einer 51 m hohen Antenne, wie sie bis 1964 auf diesem Sendestandort existierte.

 

 

Inzwischen gab es auch von diesem Standort zwei Programme. Zum Berliner Rundfunk war das Programm Radio DDR1 auf 1170 KHz dazugekommen. Es wird über einen neu zugeteilten SM-5 gesendet...diese Anlage besteht nur noch aus einem Wagen und einem Koppelwagen.

SM5 2 Messefotos , aus dem Nachlaß von Herrn Leistner

Gelobt wurden die Techniker der DDR , welche die Leitungsverbindung zwischen Berlin und Hof die ganzen Jahre mustergültig warteten und störungsfrei betrieben. In einem Artikel des "Hofer Anzeiger" wird diese Arbeit sehr gelobt. Auch wenn offiziell keine "Westzeitungen"  die DDR erreichten, solche Zeitungsausschnitte fanden immer ihren Weg nach Plauen.

Im Artikel vom 24.04.1976 verweist der Autor Horst Wagner auch auf die inzwischen installierten UKW Sender , welche von Waldstein aus auf 2 UKW Frequenzen senden und auch in Leipzig noch zu empfangen sind. Gegen die UKW- Sender war man störtechnisch relativ machtlos. 

Am 23. November 1978 wurde der SM 6 - Rias - Störsender , abgeschaltet, für immer.  Auch der       2 KW Lorenzsender beendete seine Tätigkeit .

Es blieb auf diesem Standort nur noch der SM 5 Mittelwellensender auf 1170 KHz.

So blieb es auch bis zum endgültigen Abschalten am 1.1.1990. Ein Jahr später wurden die Sendeanlagen abgebaut. In Plauen gibt es heute einen Regionalsender auf UKW, das Vogtlandradio, es begann am 28.September 1998 mit seinen Sendungen und wird über drei UKW- Sender in der Region abgestrahlt, in Plauen auf 95,4 MHz.

RIAS Hof, der Mittelwellensender wurde Anfang 1994 abgeschaltet. die zwei UKW- frequenzen 91,2 und 89,2 MHz wurden vom Deutschlandradio übernommen....

This article was edited 29.Jun.20 19:27 by Wolfgang Lill .

  
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