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Sender Berus ist wieder aktiv

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » Sender Berus ist wieder aktiv
           
Wolfgang Lill
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Voranstellen möchte ich den Beitrag von Herrn Roschy über technische Details der Sendeanlagen und meine Informationen zu den Sprengungen der vier Sendemasten .

Das Objekt "Sender EUROPA1 Zum Sender" in Überherrn ist seit 1999 als Baudenkmal in der Teildenkmalliste  vom Landkreis Saarlois eingetragen . 

Sendehalle und Sendeturm ehem. Telesaar, Foto; google maps

Die Gemeinde Überherrn kaufte das Objekt unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Herrn Bernd Gillo am 1.August 2016 für 120000 EURO . Die Halle selbst ist inzwischen im Volksmund auch als "Gillodrom" bekannt.

Fotos Rolf Ruppenthal

Die Sendehalle wurde im damals eigenstaatlichen Saarland, was gleichzeitig französische Besatzungszone war, geplant.  In den 50iger Jahren wurden in Frankreich, wie auch in der Bundesrepublik Deutschland öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten aufgebaut. Private Rundfunk oder Fernsehsender erhielten keine Lizenz.  In Luxemburg war das beispielsweise möglich, Privatsender zu betreiben, so auch im Saarland durch seinen Sonderstatus.

Die erste Konzession für einen Privatsender im Saarland erhielt  "Radio Europe No. 1", das Studio in Paris, verbunden mit der wenige hundert Meter von der Landesgrenze zu Frankreich stehenden Langwellen-Senderanlage. Ziel war, das Programm über diese Langwelle für ganz Frankreich zu senden. 

Im Gegenzug zu dieser Konzession verpflichteten sich die Auftraggeber ein deutschsprachiges Fernsehprogramm für das Saarland zu produzieren.

Die Sendehalle selbst sollte die Form einer Jacobsmuschel haben. Francois Guédy und Bernard Laffaille entwarfen die freitragende Halle mit den Abmessungen 86 x 46 Meter . Die Höhe der aufsteigende Seiten ist 16,22 m. Das Dach wurde von fächerartigen Streben getragen, welche die Lasten abtragen sollten. Am 15. Juni 1954 wurde der Grundstein gelegt.  Die Bauleute legten ein hohes Tempo vor. Das ausgeführte Dach konnte jedoch  den Lasten nicht standhalten, es drohte einzustürzen.

 Später stellte sich bei erneuter Nachrechnung heraus, daß die Pläne der zwei Architekten korrekt waren und die Bauausführung falsch ! Es gab jedoch schwerwiegende Vorwürfe an die Planer. Der Architekt Guédy wählte Ende 1954 den Freitod. Auch Laffaille verstarb völlig unerwartet im Juni 1955. 

Die Arbeiten führte der Architekt Freyssinet fort, die ursprüngliche Pfeilerkonstruktion behielt er bei, verstärkte jedoch das Dach statisch .

Herr Miller schreibt dazu in seiner Masterarbeit (Auszug):

..Infolgedessen wurden die Baumaßnahmen vorerst gestoppt und der Architekt Guédy von allen Aufgaben entbunden. Nach einer letzten schriftlichen Stellungnahme10 von Guédy am 14. September 1954 wählte dieser kurz darauf den Freitod.

Trotz der bereits tragischen Historie des Bauwerks wird noch im Herbst 1954 Eugène Freyssinet (1879-1962) mit der konstruktiven Neukonzeption des Projektes vertraut und kann dieses im Laufe des Jahres 1955 fertigstellen. Maßgebend für die Fertigstellung ist eine Aufdickung der Schale an den Rändern auf 8 cm Stärke sowie eine Konstruktion welche eine durchgängige Vorspannung der Schale vorsieht.

Im Jahre 1980 wurden durch Bauschäden offensichtliche schwere Schäden und Mängel an der Schale erkennbar, welche eine Änderung am Tragkonzept und eine erneute umfassende Ertüchtigung notwendig machten. 1981 wurde dann eine umfassende Sanierung der Betonspanndecke durchgeführt. Es wurde eine komplette externe Unterspannung der Dachkonstruktion veranlasst, welche von nun an die komplette Last über Längsspannglieder tragen wird. Ebenso wurden sechs neue Zuganker neben den bisherigen und die alten nach erfolgreicher Montage rückgebaut.Spannglieder unter der Betondecke

Scannbild von Herrn Miller

 Er schreibt mir dazu; Da ich ein Innenraumaufmaß gemacht hatte, existiert nun ein 3D Scan der innen verbauten Sendeanlage sowie eine Panoramabilddokumentation

Der Sendebetrieb wurde trotzdem planmäßig aufgenommen am 1.Januar 1955. Man hatte eilig Holzbaracken aufgebaut und dort die Sendetechnik installiert. 

Die Sendertätigkeit wurde übrigens von der Saarländischen Fernseh- AG ausgeführt. Es wurden neben den baulichen Anlagen im Gelände vier Sendemasten aufgebaut, bis zu 282 m Höhe. 

Dann wird auch die Halle ab 1956 mit den Sendeanlagen eingerichtet zunächst mit 2 x 200 KW. Die Abwärme wurde übrigens zur Beheizung der Halle genutzt. 

Auf dem Gelände steht ein Stahlbetonturm mit Sendeantenne. Dieser war geplant für die Ausstrahlung eines mehrsprachigen " europäischen" Fernsehprogrammes unter dem Namen "Europa 1 Television. Foto; Rolf Ruppenthal

Die Technik und auch Studios sollten direkt in der Halle untergebracht werden.  Auch war bereits ein 5 KW- Sender von "Thomas Houston" im Juli 1956 betriebsbereit. 

Das europäische Fernsehprogramm konnte jedoch wegen der politischen Entwicklung im Saarland nach der Volksabstimmung 1955 nicht ausgestrahlt werden

.Bereits im Mai / Juni 1952 fanden in Saarbrücken in der Bahnhofstraße 14 tägige Fernsehvorführungen statt. Am 23.12.1953 geht in der Landeshauptstadt Saarbrücken das erste private Fernsehprogramm EUROPAS  auf Sendung.  Der Sender nennt sich TELESAAR .

Das Studio befindet sich im "Eschberger Hof" und gesendet wird mit einem 100 Watt Sender von "Radio Industrie" , im Band III, Kanal 7 F in der französischen 819 Zeilen Norm.

                                                                                          Foto Patrice Zeissloff , Radiomuseum.org

Hersteller Firma Elphy aus Pyttlingen, 43 cm Standgerät mit Bildnorm 819 Zeilen

                            

Später kamen dann aber auch Fernsehgeräte mit 2- Normen auf den Markt, so von der Firma Telemaster, Saarbrücken.

Aber zurück zur Anlage auf dem Felsberg, diese war nun ungenutzt. 

Das Saarland wird ab 1.1.1957 wieder Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland. Am 1.1.1957 startet die ARD vom Schwarzenberg bei Saarbrücken die Übertragung des "Deutschen Fernsehens - ARD" zunächst , es ist rechtlichen Gründen geschuldet, als Versuchsfernsehen.  Vom Felsberg aus wird ab Anfang Januar 1958 mit dem 5 KW- Sender Fernsehen ausgestrahlt. Der Empfang ist aufgrund der Sendeleistung im gesamten Saargebiet und in angrenzenden Gebieten möglich. TELESAAR übernimmt den Sender am 14. Januar und nach nur elf Tagen, am 25.Januar 1958 wird der TELESAAR- Sender auf Anweisung  des Bundepostministers Stücklen außer Betrieb gesetzt. Schluß - Aus für den ersten privaten Fernsehsender in EUROPA.

Seitdem wurde dieser Fernsehsendemast nicht mehr genutzt, abgesehen von einigen Richtfunkstrecken.

2 Fotos; Rolf Ruppenthal

 Dieses Bild entstand Anfang November 2020. Der Turm ist eingerüstet und ein neuer Antennenträger bereits montiert. Der Saarländische Rundfunk konnte für diesen Standort gewonnen werden. Mit etwa 500000 Euro Investition wurde die neue Sendeanlage errichtet. Die digitale Sendetechnik steht in der Halle , allerdings benötigt man für diese Technik nur etwa 3 m2 Fläche und es wurde eine neue Antennenkonstruktion aufgebaut.

Am 30.11.2020 um 16,30 Uhr drückte der Indendant des SR Herr Prof. Thomas Kleist den Roten Knopf und damit begann der offizielle Dauerbetrieb 

Das digitale Antennenfernsehen sendet in der Norm DVB-T2  auf UHF Kanal 32  mit ERP 20 KW. Fünf Programme sind im Saarland über diesen Mux gegenwärtig zu empfangen, ARD, Phoenix, ARTE, SR-Fernsehen und one, alle in HD. 

Auch DAB+ wird nun von hier ausgestrahlt. Der Block des SR sendet auf Kanal 9A. Geplant sind 5 KW. Nach Rückfrage sprach ein Techniker noch von verminderter Sendeleistung , da man sich noch nicht mit den französischen Nachbarn abschließend einigen konnte. 

Somit ist erst einmal eine weitere Nutzung des Standortes gesichert.

Der Langwellensender selbst, welcher stetig in seiner Leistung ausgebaut wurde;

Start mit 2 x 200 KW  am 1.1.1955 auf 700 KW wurde die Leistung im Jahre 1964 erhöht durch Zuschaltung eines dritten Senders.

Im Jahre 1976 war die nächste Ausbaustufe erreicht; 2000 KW Mit Hauptstrahlungsleistung Richtung Frankreich.  Nach hinten, Richtung DDR, wurde nur etwa 1/1000 Sendeleistung abgestrahlt. Über Jahre sendete der Deutschlandsender in Zehlendorf auf der gleichen Frequenz.

1981 wird nochmals die Leistung aufgestockt auf 3000 KW, damit war er der leistungsstärkste Langwellensender der Welt ! Foto; Rolf Ruppenthal

 Die 3000 KW Röhrensenderanlage ist seit dem 25.Oktober 2015 durch einen neu aufgebauten Langwellensender ersetzt wurden und war möglicherweise noch als Reservesender eingeplant. 

Am 31.12.2019 wurde der neue Sender außer Betrieb gesetzt und damit das Langwellenprogramm völlig eingestellt.

Nun geht es natürlich weiter mit der Frage; Was wird mit der Halle ? Zunächst stehen Kosten an, für die Beheizung dieses großen Raumvolumens, für die Instandhaltung, Wartung und Pflege.

Foto und folgende ; Rolf Ruppenthal

Im Jahre 2019, am 15.August, fand die europäische Schwenkmeisterschaft statt. Der ehemalige Bürgermeister Herr Gillo wurde mit seinem TEAM Weltmeister.

Ein solches Event war naürlich auch 2020 im August wieder geplant, diese Großveranstaltung durfte jedoch wegen der Corona Situation nicht durchgeführt weren.

Im Jahre 1964 erschien ein Flyer, welchen ich den Freunden des Radiomuseums nicht vorenthalten möchte;

Sendeanlage "EUROPE No 1" 1964

Gelände; 80 ha

Sendergebäude; Halle in freitragender Spannbetonbauweise 82,5 x 43,5m , Lichte Höhe größte 16,08 m , kleinste 5,02 m, Bodenfläche. 2700 m2                                                                                                     verglaste Fläche 1550 m2     Isolierglasscheiben, 220 m2 Einfachscheiben, Rauminhalt ca. 26.000 m3 

Heizung; Warmluft  erhitzt durch Senderabwärme 500.000 kcal/h und 330.000 Kcal/h Konvektionswärme.

Netzversorgung; Anschluß 10.000 Volt, Anschlußwert 3.200 KW, mittlere Anschußleistung 2.000 KW.    Jährlich abgenommene elektrische Arbeit 15.000.000 KWh. Netzersatzanlage 100 kVA Dieselgenerator für Notdienste.

Modulation; ständige Verbindung Studio Paris mit Felsberg als Modulations- und Sprechweg  über Postkabel.

Notstudio; Felsberg mit Regieeinrichtung mit 2 Plattenabspielmaschinen EMT930 , 2 Magnetofonen Studer C37 und einem Sprecherraum.

Sender; 2 Doppelsender 2 x 200 KW und 2 x 300 KW Trägerleistung mit Parallelschaltnetzwerken.  Modulationsart; Anode B, Frequenzsteuerung; 180 KHz über Normalfrequenzanlage. 

Antennenzuleitung; Koaxiale Reusenleitungen mit 135 Ohm Impedanz, Längen; 110, 350 und 400 m.

Antennen; 3 gespeiste abgespannte Selbststrahler angeordnet in einer Linie mit je 350 m Abstand. Höhen 270, 276 und  280 m. Mastquerschnitt: Dreieck mit 3.00 m Seitenlänge, Leistungsverteilung 9 - 78 13% .

Erdnetz; Strahlererden aus 3 mm Kupferdrähten , totale Länge 110 Km. 

Strahlungsdiagramm : Niere mit Hauptstrahlungsrichtung 220 Grad r. w. N. (SW) . Gewinn aus der Hauptstrahlungsrichtung  30- fach, Nullstellenunterdrückung besser 1 : 1000.

Inbetriebnahme: 1. Januar 1955

Sendezeit; 06,00 Uhr bis 01,00 Uhr MEZ

folgende Fotos : Rolf Ruppenthal

Es folgt noch die Beschreibung der technischen Sendeanlagen im Muschelgebäude als neuer Beitrag

 

 

 

 

 

 

 

This article was edited 12.Dec.20 10:26 by Wolfgang Lill .

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25.Dec.20 21:07

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Herr François Melcion hat über 30 Jahre beim Sender gearbeitet und ich bin über diesen persönlichen Kontakt sehr froh.

Auf meine erste Frage zum Problem mit dem Sender Zehlendorf erhielt ich das Strahlungsdiagramm :

Tatsächlich waren die Antennen so ausgerichtet, daß in Richtung Zehlendorf nur sehr geringe Strahlung abging. 

Herr Melcion schreibt mir dazu: 

Die ganze Anlage war für 3000 kW vorgesehen aber Achtung ! wir haben immer nur mit einer Leistung von 2000 kW gesendet und unsere Antennen waren so gebaut, daß die gestrahlte Leistung  3- fach multipliziert wurde. Die gestrahlte Lietsung in Richtung Süd- West war über 6000 kW, damit der größte Sender der Welt !

Herr Melcion hat mir auch die zwei nachfolgenden Fotos geschickt, die ich hier veröffentlichen darf.

Alle Senderblöcke sind drauf.Hinten links der 1 MW Block. 

Halle innen; weiter nach links unten zwei Senderblöcke mit je 1000 KW Senderleistung ( nicht zu sehen ), dann ein Senderblock fü 400 kW,  1 Senderblock von 400 kW (beide als Museum) , Antennenverteilerkabine ( für 3000 KW gebaut) , Koppelkabine  2 x 1000 KW (hinten leider nicht zu sehen, Koppelkabine für 3000 kw, 2000 kW mit 1000 kW), Senderblock 1000 kW und am Ende Senderblock 1000 kW ( die Stromversorungseinrichtungen von allen 1000 kW- Senderblöcken befinden sich im Gebäude links und rechts von der Halle ).

Alle folgenden Fotos wurden mir für diesen Beitrag von Herrn Rolf Ruppenthal bereitgestellt. Dafür ein herzliches Dankeschön !Hier der Fernsehturm vor der Sanierung, von welchem kurzzeitig 1958 das Programm vom ersten Privatsender TELESAAR ausgestrahlt wurde, dann stand der Turm nur da, ein paar Richtfunkspiegel wurden angebaut, aber zum Senden wurde er bis zum jetzigen Umbau im Jahre 2020 nicht mehr genutzt. Ab 30.11.2020 strahlt er DVBT-2 und DAB+ Programme ab.

Links der Kühlturm vom ehemaligen 600 KW- Block (1973 - 1980)

Die elektrische Steuerung von einem 1000 KW- Block

links ; elektrische Steuerung von einem 1000 KW Senderblock.

Stromversorgung 10 kV  (von zwei Kraftwerken schaltbar)

Stromversorgung 10 kV Teilansicht.

Endstufe 400 kW, 2 x Triode System "Vapodyne" Senderblock 400 kW rechts, Museumsstück .

Ü-Pult, Senderblock 1000 kW und Koppelkabine 2 x1000 kW 

Herr François Melcion schreibt unter "Monsieur M "  in seinen Erinnerungen:

Bis Anfang der 60iger Jahre beschäftigte "Europe No 1"Felsberg etwa 23 Personen, von denen zehn in der damals üblichen 24 - Stunden Schicht im Einsatz waren. Dabei bestritten drei Teams von jeweils einem Dienstleister und einem Hilfsarbeiter drei Wochen lang die Schichten, ein Team in der Halle und zwei als Reserve. Letztere fingen darüber hinaus krankheits- und urlaubsbedingte Ausfälle auf. 

In dieser "travail mixte" wechselte sich das aktive Team wochenweise mit den Reservebesetzungen ab. Die beiden verbleibenden Teams erholten sich in dienstfreier Zeit. die Schicht begann um 14,00 Uhr, wobei wir in der Regel früher kamen  und anderntags auch später gingen, um einen reibungslosen Schichtwechsel zu gewährleisten. Die Sendungen wurden bis Mitternacht ausgestrahlt, was die uneingeschränkte Anwesenheit des Technikers in der Nähe des Schaltpultes verlangte.  Er hatte seinen Platz nicht zu verlassen und in keinem Falle die Halle. 

Für anfallende Arbeiten außerhalb, für Kontrollen oder kleinere Reparaturen , beauftragte er den ihm zugesprochenenen Hilfsarbeiter oder einen Reservetechniker des Ersatzteams. Der "Hilfsarbeiter" war unterwegs, der Techniker blieb bei "seinen Knöpfen"! 

Jeder Ingenieur betreute sein Spezialgebiet, die Elektronik beispielsweise oder die Mechanik .                 Ich ( Monsieur M)  arbeitete als Zeichner und vermerkte jede technische Änderung und jede Neuerung in den Plänen der Anlage, weshalb ich sie wie meine Westentasche kannte und kenne. 

Verliefen die ersten 15 Stunden der Schicht reibungslos und ohne die Notwendigkeit irgendwelche Reparaturen in der sendefreien Zeit bis 5,00 Uhr Morgens durchzuführen, bestand die Möglichkeit zwischen Mitternacht  und 04,00 Uhr zu ruhen. Hierfür standen zwei Schlafräume zur Verfügung, deren Betten jeden Morgen vom Reinigungspersonal für die Folgeschicht frisch bezogen wurden. 

Ab 04,00 Uhr bereiteten wir den Sendebeginn vor. Allein für das Aufwärmen der Senderöhren  galt es bis zu 20 Minuten zu veranschlagen bis sie ihre volle Leistungsfähigkeit erreicht hatten. Pünktlich um 05,00 Uhr ertönte der Gong aus Paris und wir gingen auf Sendung. 

Die 24-Stunden-Schicht wurde Anfang der 60iger Jahre zugunsten der 12- stunden-Schicht ersetzt. jeden Morgen erfolgten detaillierte Messungen  an allen Instrumenten der Sendeblöcke. Die Daten wurden in umfangreiche Listen eingetragen. Einschließlich der Ströme der Antennen, deren Abgänge in die Halle reichten, hatten wir etwa 50 Werte zu sammeln, eine Tätigkeit, für deren Durchführung gut und gerne zwanzig Minuten angesetzt werden mussten. So aber konnten Fehlerquellen wir beispielsweise zu schwache Senderöhren erkannt und behoben werden.

In zahlreichen Nächten wurden zwischen 0,00 Uhr und 5,00 Uhr freie Antennen verpachtet.Religiöse Institutionen, vornehmlich aus Osteuropa, sendeten über unsere Anlage ihre Beiträge. Nachtruhe gab es so nicht mehr, dafür aber bezahlte Überstunden ! Die Vermietung der Sendeplätze wurde bis 1990 betrieben....

aber nun weiter mit Fotos

Innenbereich vom 400 kW-Senderblock, Gleichrichter mittlere Spannungen und rechts Endstufe NF 200 KW mit 2 x Triode, Bildmitte Herr Gillo

Fernsteuerungsteile , links für die Senderblöcke, rechts für die Antennen. Im Bild eine Gruppe von Studenten  der Uni Luxemburg geführt von Prof. Dekan Fickers. Er spricht hier gerade mit François Melcion

Herr Gillo (links ), der ehemalige Bürgermeister von Überherrn erläutert Herrn Oderer, dem "König von Freierstaaten" die Technik.

Nochmals vielen Dank an die  Herren Gillo, Ruppenthal, Miller und Melcion für Ihre hervorragende Unterstützung bei der Erarbeitung dieses Beitrages. Ich bin davon überzeugt, daß diese Technik in guten Händen ist und so der Nachwelt erhalten bleibt. 

Und wieder habe ich von Herr Melcion interessante Fotos zur Erweiterung des Beitrages erhalten. Herr Melcion war von 1962 bis 1997 Dienstleiter am Sender EUROPE1 und dazu Zeichner für Architektur der Halle und Technik der Sender. Heute macht er die Führungen, erklärt die Architektur der Halle und die Sender-Technik. Wenn sie mich suchen im Internet, so schreibt er mir, finden Sie mich unter "Les Melcion d'Arc".

Ein Blick in die Halle 1964 : Leistung, 2 Blöcke von 200 kW + 2 Blöcke von 300 kW = 1000 kW ( Hinten, am Rand, steht  noch ein Teil des alten Fernsehsenders "Telesaar" vom Eschberg in Saarbrücken. Ursprung dieses Senders war der erste Sender von "Radio Vatikan" ! Er wartet noch auf seine Verschrottung. )

Halle 1970 : Leistung, 2 Blöcke von 300 kw auf 2 x 400 kw aufgestockt + 1 Block von 600 kW ( neu ) = 1400 kW

Endstufe von 1000 kW Senderblock : 1 Röhre "TH 539" von 1000 kW Leistung  ( "Thalés").

 

 

This article was edited 17.Jan.21 08:27 by Wolfgang Lill .

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12.Jan.21 20:24
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Feldstärkemessung 1974. Herr Melcion hat mir noch diese tolle Information geschickt.  Streng gehütete Daten werden nun erstmals im Radiomuseum veröffentlicht.

Diese Arbeit war richtig im Akord. Feldstärke am Tag gemessen im Juni 1974 von Europe 1 (180 kHz) und von RTL ( 236 kHz). Einige1000 km mit meinem Meßwagen Renault "R 16 - Export"​ durch Frankreich, immer 60 kmh, alle 5 Minuten = 5 km, ein Messpunkt ! ).

Herr Melcion schreibt in seinen Erinnerungen:

"Zur Sammlung der Daten stand mir ein Meßwagen mit Chauffeur zur Verfügung. Nachts in der Sendepause ging es, wenn zum Beispiel Dachantennen verändert wurden,  in cirka 30 Km Umkreis um die Prüfung der Sendestrahlung. Darüber hinaus bereisten er und sein Chauffeur jedes Jahr drei Wochen lang mit dem Meßwagen diejenigen Gebiete Frankreichs, die der Sender erreichte. Wir, nannten es "Tour de France". Häufig dabei war auch der kürzlich im Alter von 92 Jahren verstorbene Chefingenieur Josef Huber. Er hat von 1954 bis 1991 da gearbeitet, "Europa 1" war sein Sender !                                             

Um die sachgerechten Meßdaten zu erhalten, galt es konstant eine Fahrgeschwindigkeit von 60 km ( entspricht 1 Km pro Minute ) einzuhalten, dann und nur dann lieferte das Meßgerät alle fünf Minuten und damit aller fünf Kilometer, den entsprechenden Punkt auf der Skala. Diese wiederum hatte ich allabendlich nach Fahrtende auszuwerten. 

Als wir eines Tages ein Dorf in unserer notwendigen, aber für die Ortschaft viel zu hohen Geschwindigkeit durchfuhren, hielt uns eine polizeiliche Radarkontrolle an. "Wir sind von EUROPE Nr 1" versuchten wir beschwichtigend zu erklären, wurden aber aus dem Verkehr gezogen und in die Gendarmeriekaserne am Rande das Dorfes dirigiert. Wir harrten der Dinge, die da kommen konnten und sahen uns plötzlich von einer nicht unerheblichen Zahl von Polizeibeamten umringt. Was würde geschehen? In diesem Moment brachen die Umiformierten in frenetischen Jubel aus und es stellte sich heraus, daß wir uns im bekanntesten Fanclub von "EUROPE Nr 1 - dem Club Nr.1- gegenüber sahen. Wir wurden gefeiert und die Geschwindigkeitsüberschreitung fand keinerlei weitere Erwähnung...."

Hier kommt die erste QSL- Karte vom Sender. Diese ist von 1955:

Textauszüge von Monsieur M seinen Erinnerungen :  aufgeschrieben von Schriftstellerin Carola Stahl

This article was edited 13.Jan.21 19:33 by Wolfgang Lill .

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13.Jan.21 20:03
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Herr Strassmann aus München hat sich gemeldet und mir sehr interessante Informationen übermittelt, die ich unseren Lesern gerne weitergeben möchte. Vielen Dank an den Gastautor.  Foto Autor: im Hintergund Krašov​ Sender bei Pilsen

 Damals Frankreich: La Saarbrücken

               

Der erste reguläre UKW-Sender Frankreichs geht kurioserweise im Saarland in Betrieb. Denn „La Sarre“ (‚die Saar‘) gehört seit Kriegsende zu Frankreich. Als autonomes Gebiet, aber immerhin...

Die Vorgeschichte: Nach Kriegsende wird ab dem 7.Dezember 1945 im Saarland wieder Radio gemacht, vorerst noch versuchsweise. Die Sendeanlage (1465 kHz, später 1348 kHz; 2 kW) steht auf dem Gelände der Saarbrücker Wartburg. „Wartburg“ nennen die Saarbrücker das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde St. Johann. Eben dieses Gemeindehaus baut die französische Besatzungsmacht zum Funkhaus um. Als am 31.März 1946 die französischen Besatzungsbehörden den Südwestdeutschen Rundfunk (bald nur noch „Südwestfunk“ genannt) mit Sitz in Mainz (später: Baden-Baden) ins Leben rufen, gehört „Radio Saarbrücken“ ein paar Monate lang als Filiale zum SWF.

Ab 19.Juni 1946 sendet „Radio Saarbrücken“ über die wieder hergerichtete Anlage des früheren „Reichssenders Saarbrücken“. Zuvor war die Sendeanlage verlegt worden – von der Wartburg in Saarbrücken auf den Kahlenberg bei Heusweiler. Mehrmals ändert „Heusweiler“ seine Frequenz: Am 23.Februar 1948 zieht der Sender um auf 1267 kHz, mit Inkrafttreten des „Kopenhagener Wellenplanes“ am 15.März 1950 wechselt er auf die uns bis heute vertraute Frequenz 1421 kHz (ab dem 23.November 1978 1422 kHz). Die Deutsche Reichspost hat den Sender Heusweiler (1249 kHz; 17 kW) am 23.Dezember 1935 in Betrieb genommen. Am 17.März 1945, also kurz vor Ende des Krieges, wurde er zerstört. In den letzten Kriegsjahren hatten die Deutsche Reichspost (DRP) und die Reichsrundfunkgesellschaft (RRG) auch für das Saarland einen Hochleistungssender (100 kW) in Planung. Als Standort wurde der Sauberg ins Auge gefasst, der Sauberg bei Felsberg-Berus westlich von Saarlouis…. 

Im Mai 1952 bekommt „Radio Saarbrücken“ einen UKW-Sender. Er steht in Saarbrücken, im Stadtteil St.Johann, auf dem knapp 50 Meter hohen Schwarzenbergturm – ein Aussichtsturm vom Anfang der 1930er Jahre. Die Anlage arbeitet auf 98,9 MHz mit 1,5 kW ERP Strahlungsleistung. Frankreichs erster UKW-Sender verbreitet also ausgerechnet ein deutschsprachiges Programm! Ab 1953 trennt sich der Saarbrücker UKW-Sender für ein paar Stunden am Tag von der Mittelwelle (Heusweiler, 1421 kHz; mittlerweile von 2 auf 20 kW verstärkt) und verbreitet ein eigenes UKW-Programm, das neue 2.Programm von „Radio Saarbrücken“.

Anfang Juli 1954 spricht der Generaldirektor der „Saarländischen Rundfunk GmbH“ über die großen Zukunftspläne seines Hauses. Frédéric Billmann erwähnt einen leistungsstarken UKW-Sender für „Radio Saarbrücken“ und je einen leistungsstarken Radiosender (Langwelle) und Fernsehsender (Kanal F 2, Norm „E“, 819 Zeilen) für das geplante „Europe No.1“. Die drei Sendeanlagen sollen installiert werden auf dem Sauberg bei Felsberg, ganz in der Nähe von Berus, ein Stück westlich von Saarlouis. Gleich hinter dem Sauberg verläuft heute die deutsch-französische Staatsgrenze. 

Die im Jahr 1955 gegründete „Europäische Rundfunk- und Fernseh-AG.“ will neben europäischem Radio auch europäisches Fernsehen („Europe No. 1 – Télévision“) machen. Rechtlich ist „Europe No. 1“ ein äußerst seltsames Gebilde. Die AG geht zurück auf den Geschäftsmann Charles Michelson, der schon im Jahr 1949 in Monaco die Erlaubnis bekommt, für das winzige Fürstentum Fernsehen zu machen. Michelson gründet daraufhin die monegassische Gesellschaft „Images et Son S.A.“ („Bilder und Ton A.G.“). Mitte der 1950er Jahre legt sein privates „Télé Monte-Carlo“ los. Im Frühjahr 1952 stimmt der saarländische Ministerpräsident Johannes Hoffmann einem Handel mit Charles Michelson und seiner „Images et Son S.A.“ zu: Charles Michelson wird ein deutschsprachiges Fernsehprogramm für das Saarland betreiben, das in der französischen Fernsehnorm (CCIR-„E“) sendet und mit Hilfe einer französischsprachigen kommerziellen Radiostation finanziert wird. Im Gegenzug gestattet das Saarland den Betrieb der Sendeanlagen, aber um seine Sendefrequenzen muss sich „Europe No. 1“ selbst kümmern. „Radio Saarbrücken“ dürfen keinerlei Nachteile entstehen, deswegen sind, anders als von Charles Michelson anfangs angedacht, auf „Europe No. 1“ Sendungen in deutscher Sprache nicht zugelassen. „Europe No. 1“ verletzt nicht nur deutsches und französisches Recht bezüglich der Benutzung von Sendefrequenzen. Die Hälfte der AG hält über seine Holding namens „SOFIRAD“ der französische Staat, der damit seine eigenen Gesetze unterhöhlt, denn Privatfunk ist in Frankreich ja nicht erlaubt! Am 27.Juni 1952 überträgt die Regierung des Saarlandes ihr Monopol für Hörfunk- und Fernsehen auf eine staatliche Gesellschaft, an der das Saarland zu 70 Prozent und der französische Staat zu 30 Prozent beteiligt ist: Das nach Kriegsende am 24.Juni 1946 gegründete Rundfunkamt, im November 1947 in „Saarländische Rundfunkverwaltung“ umbenannt, wird zur „Saarländischen Rundfunk GmbH“. 

Aus den großen internationalen Fernsehplänen von „Europe No. 1“ wird nichts. Immerhin legt am 1.Januar 1955 das französischsprachige kommerzielle Radioprogramm los. Vorerst versuchsweise. Zuerst auf Langwelle 240 kHz. Der Testbetrieb dauert nur eine halbe Stunde. Mehrere Staaten protestieren, weil die neue Hochleistungssendeanlage im Saarland mehrere Radiosender in Skandinavien stört und dazu noch die Funknavigation am Flughafen in Genf. Der Sender ändert in der Folge mehrmals seine Frequenz. Zunächst am 8.Januar 1955 auf 245 kHz, dann auf 239,5 kHz. Hier jedoch beschwert sich Luxemburg über die Störung seines Langwellensenders auf 236 kHz, der ebenso wie „Europe No. 1“ ein überwiegend französischsprachiges Programm („Radio Luxembourg“) in Richtung Westen (Hauptstrahlrichtung ist Paris) strahlt. Das Pikante daran: Auf der „Kopenhagener Wellenkonferenz“ vom 25.Juni bis 15.September 1948 wurde dem Großherzogtum Luxemburg lediglich die Mittelwelle 1439 kHz mit einer Leistung von 150 kW zugesprochen – der Betrieb des Luxemburger Langwellensenders widerspricht also den internationalen Abmachungen ebenso wie der neue Langwellensender im Saarland! Um weiterem Ärger zu entgehen,   weicht „Europe No. 1“ am 3.April 1955 auf 182 kHz aus.     

„Europe No. 1“ sei, so verkündet Generaldirektor Billmann, ein „auf europäische Maße berechneter Reklamesender“. „Europe No. 1“ strahlt also vom Saarland aus ein französischsprachiges Radioprogramm in Richtung Frankreich, Belgien und Schweiz. „Europe No. 1“ wird mit seiner unkonventionellen Ansprache der Hörer und seiner Musikauswahl schnell zum bevorzugten Sender der Jugend. Hinzu kommen bis heute legendäre Sendungen wie „Salut les Copains!“ („Hallo, Freunde!“). Die anderen populären Radioprogramme nehmen sich „Europe No.1“ gegenüber aus wie verstaubte und betuliche „radios à papa“. Erst in den 1960er Jahren reagieren die anderen großen „radios généralistes“ und ziehen nach: aus „Paris – Inter“ wird „France Inter“, aus „Radio Luxembourg“ wird „RTL“… 

Die Werbeeinahmen von „Europe No.1“ fließen zum Teil in das deutschsprachige Fernsehprogramm „Telesaar“. „Telesaar“ beginnt nach Versuchssendungen am 6.Juni 1954 mit seinem regulären Vollprogramm. Ausgestrahlt wird „Telesaar“ über einen 100 Watt starken Sender am Eschberger Hof in Saarbrücken und das in der französischen Fernsehnorm (Kanal F 7, Norm CCIR-E“, 819 Zeilen). Dieser Fernsehkanal F 7 gehört laut dem „Stockholmer Wellenplan – ST52“ vom Mai 1952 Frankreich. „Radio-Télévision Française“ hat ihn aber der „Europäischen Rundfunk- und Fernseh-AG.“ zur Nutzung überlassen. Diese Frequenzposition (Kanal F 7 – Bild auf 177,15 MHz positiv polarisiert und Ton auf 188,30 MHz amplitudenmoduliert) war also international koordiniert. Mit dem Ausbau seines eigenen Fernsehsendernetzes hat RTF den Kanal F 7 später für sich reklamiert.

                                       

Wegen der Volksabstimmung am 23.Oktober 1955 und der folgenden Rückgabe des Saarlandes an Deutschland wird aus vielen der einst angekündigten Pläne nichts. Das dreisprachige europäische Fernsehprogramm „Europe No.1 – Télévision“ bleibt in der Planungsphase stecken und der erwähnte UKW-Sender mit 10 kW Strahlungsleistung (ERP) für „Radio Saarbrücken“ wird schließlich nicht auf dem Sauberg bei Felsberg, sondern auf dem Schaumberg bei Tholey in Betrieb genommen (96,0 MHz; 10 kW ERP). Für „Telesaar“ wird immerhin am 15.Januar 1958 auf dem Sauberg ein 3 kW starker Sender aufgeschaltet (Kanal F 1b; 819 Zeilen). Aber nur ein halbes Jahr später, am 15.Juli 1958, muss sich „Telesaar“ endgültig von seinen Zuschauern verabschieden.

Am 23.Oktober 1955 werden die Saarländer zur Urne gerufen. In der Volksabstimmung lehnen sie eine Europäisierung ihres Landes ab. Das Votum wird als Wunsch der Saarländer gewertet, zur Bundesrepublik Deutschland zu gehören. Deswegen wird am 1.Januar 1957 das Saarland zum elften Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Über ein Jahr lang zieht sich das Hickhack der Behörden um „Telesaar“ hin. Denn einerseits sind die Verträge der „Saarländischen Rundfunk GmbH“ mit der „Europäischen Rundfunk- und Fernseh-AG“ rechtlich wasserdicht. Aber andererseits übernimmt am 1.Januar 1957 im Saarland die Deutsche Bundespost die „Funkhoheit“. Ein kommerzieller Fernsehsender auf deutschem Boden, der noch dazu international nicht vereinbarte Frequenzen belegt, ist für die Deutsche Bundespost einfach nicht hinnehmbar! Deswegen verfügt am 10.März 1957 der Herr Bundespostminister in Bonn die Schließung von „Telesaar“, das rechtlich zu „Europe No. 1“ gehört. Mitte Juli 1958 soll mit dem saarländischen Alleingang ein für alle Mal Schluss sein. Schon am 25.Januar 1958 um 12:30 Uhr geht die Polizei gegen „Telesaar“ vor. Das Kabel zwischen dem Fernsehstudio im Haus der Saarländischen Volksfürsorge an der Dudweiler Straße 57-59 und der Sendeanlage auf dem Sauberg (Kanal F 1b; 3 kW ERP, 819 Zeilen, Norm CCIR-„E“) wird aufgetrennt und versiegelt.

Der Fernsehsender war nur ganze elf Tage lang in Betrieb!  Über seinen Fernsehsender am Eschberger Hof in Saarbrücken sendet „Telesaar“ zunächst ungestört weiter. Denn diese Sendeanlage war ja schon in Betrieb, als das Saarland noch zu Frankreich gehört hat. Am 15.Juli 1958 muss sich „Telessar“ endgültig von seinen Zuschauern verabschieden. Nach gut vier Jahren ist bei „Telesaar“ der Rest Schweigen. Die Sendeanlage von „Telesaar“ am Eschberger Hof überträgt fortan das Programm des „Deutschen Fernsehens“ (ARD), weiterhin in der französischen Fernsehnorm. Am 22.Oktober 1959 schließlich nimmt die neue öffentlich-rechtliche Anstalt „Saarländischer Rundfunk – SR“ ihren allseits bekannten Fernsehsender auf der Göttelborner Höhe in Betrieb (Kanal E 2; 100 kW ERP, 625 Zeilen, deutsche Fernsehnorm CCIR-„B“). Die UKW-Sender dort wurden schon ein paar Tage früher aufgeschaltet, am 15.Oktober 1959.

 

Anekdote am Rande: Mit dem Beitritt des Saarlandes am 1.Januar 1957 zur Bundesrepublik wird am Schwarzenbergturm in Saarbrücken-St. Johann ein Fernsehumsetzer (Kanal E 7; 0,1 kW ERP; 625 Zeilen, deutsche Norm) aufgeschaltet, der das „Deutsche Fernsehen“ (ARD) verbreitet. Das Programm „holt“ sich der Umsetzer in Saarbrücken vom Grundnetzsender des SWF auf der Hornisgrinde im Schwarzwald (Kanal E 9; 80 kW ERP, 625 Zeilen). Aber ausgerechnet am 1.Januar 1957 hat die Hornisgrinde einen Totalausfall! Den Festakt im Saarbrücker Stadttheater anlässlich der Angliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik kann man im Saarland dennoch am Fernseher mitverfolgen – über „Telesaar“…

This article was edited 13.Jan.21 20:42 by Wolfgang Lill .

Jacob Roschy
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Nach 1945 war das Saarland ein französisches Protektorat, aber kein französisches Staatsgebiet.

Die Staatsangehörigkeit der Saarländer war nicht französisch, nicht Bundes- oder Reichsdeutsch, sondern saarländisch.

Daher kann man den ersten saarländischen UKW-Sender auch nicht als ersten UKW-Sender Frankreichs bezeichnen.

Es war ein saarländischer UKW-Sender mit Programmen für die saarländische Bevölkerung, - auch nicht von französischer Herstellung, sondern Fabrikat Siemens, mit 250 W Ausgangsleistung.
Hier orientierte man sich an der UKW- Einführung in Deutschland, während UKW in Frankreich später und nur zögerlich eingeführt wurde.

Diese UKW- Aktivitäten wurden von den französischen Autoritäten aber möglicherweise wohlwollend verfolgt, um die dabei gewonnenen Erfahrungen auch für Frankreich nutzen zu können.

Es war gerade die Tatsache, dass das Saarland nicht zum französischen Staat gehörte, was den Betrieb von Europe 1 überhaupt erst ermöglichte, da kommerzieller Rundfunk in Frankreich verboten war.

Im Beitrag heißt es ferner, dass Europe 1 mit 2000 kW der stärkste Sender der Welt (gewesen) wäre und dass man sogar mit 3000 kW hätte senden können.

Auch wenn der elektrische Strom früher viel billiger war als heute, müssen auch die Stromkosten dem Aufwand / Nutzen- Verhältnis entsprechen.

Mit dieser nochmaligen Leistungssteigerung hätte man wohl nicht entsprechend mehr Hörer erreicht, so, dass man es bei den 2000 kW beließ.

Unerwähnt blieb auch, dass Europe 1 mit 2000 kW nicht der einzige stärkste Sender der Welt war.

So bestand ein ständiges Wettrüsten mit dem Rivalen RTL- Langwelle, - erhöhte einer die Sendeleistung, zog der andere nach, - bis man bei jeweils 2000 kW angelangt war.

Auch der öffentlich-rechtliche Langwellensender France-Inter wollte nicht zurückstehen und zog ebenfalls mit bis auf 2000 kW. - Frankreich war also das Land der Langwellen- Giganten !

Dabei war ein weiterer Mitbewerber, Radio Monte-Carlo (RMC) mit „nur“ 1200 kW beinahe schon bescheiden.

M. f. G.
J. R.

 

 

This article was edited 14.Jan.21 20:13 by Jacob Roschy .

Wolfgang Lill
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Herr François Melcion hat mir noch einige Fotos geschickt, welche ich gern an unsere Leser weitergebe.

Hier in einer kleinen Ausstellung zur Fernsehgeschichte des Saarlandes ist dokumentiert, wie das erste TESTBILD entstehen sollte.

Aus RADIODIFFUSION FRANCAISE TELEVISION wurde ganz einfach:

Diese zwei Testbilder sind im kleinen Museum in Felsberg zu sehen. Der Name RADIODIFFUSION FRANCAISE TELEVISION wurde irgendwann1953 einfach überklebt . Die erste offizielle Fernsehsendung mit dem Stations-Namen TELESAAR fand am 23. Dezember 1953 statt.

Noch eine Korrektur zum Standort der neuen Sendertechnik TVBT-2 und DAB+; diese befindet sich nicht in der Halle sondern im Nebengebäude Nord, direkt neben dem Betonturm. 

This article was edited 17.Jan.21 08:14 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
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Von so einem Großsender sollten auch weitere Dokumente für die Nachwelt aufbewahrt werden. Herr François Melcion hat aus seinem privaten Fotoarchiv drei sehr interessante historische Bilder zur Verfügung gestellt.

             

Das erste Foto aus der Gondel eines Heißluftballons geschossen ( 1987, Hauptantenne mit Maste 1 - 4, und Ersatzantenne mit Maste 11 und 12, Abstand zwischen  die zwei, 1,4 km ).

Das zweite Bild, von einem Motorparaglider aus fotografiert ( im Jahre 2005, Höhe 900 Meter ).

Das dritte Foto, unten, Feeder zu den Masten 3 und 4, oben, zu den Masten 11-12.

  
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