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Bitte um Hinweise - unbekanntes Gerät ?

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Jens Dehne
 
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30.Jul.05 17:27

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Hallo Radiofreunde,

auf der Suche nach frühen Nachkriegsgeräten der Firmen "Stern Radio Rochlitz" oder "Graetz" fiel mir dieses Gerät auf.

Wo es sich nun in meinem Besitz befindet, stellte sich auf dem zweiten Blick heraus, dass es wohl doch nicht so ist. Allerdings konnte ich dem Gerät bisher keinen Hersteller zuordnen und bitte deshalb um Hilfe zur Identifizierung. Eine Rückwand oder Bodenplatte hat dieses Gerät leider nicht. Es ist auch nicht erkennbar, dass in den vorgedrückten Löchern am Holzgehäuse zur Befestigung von Rückwand oder Bodenplatte jemals eine Schraube eingedreht war.

(Der verwendete Röhrensatz (ECH4, ECH4, EBL1, AZ11, EM11) ist nicht sehr häufig, wurde bis auf EM11 u.a. auch von Graetz im 77W 1949 verbaut.) Richtig muss es heißen: Röhrensatz besteht aus ECH4 ECH4 EBL1 EFM11 und AZ1.

Die Verarbeitung lässt auf industrielle Fertigung schließen, obwohl eine Reparatur bzw. Restaurierung erkennbar ist.

Auffallend ist eine gute Verarbeitung. Einige Bauteile tragen Datumsangaben aus dem Jahr 1949.

Die Skalenscheibe lässt 3 Bereiche erkennen (LW, MW, KW).

Allerdings passt der Ort "Litzmannstadt" gar nicht auf ein Gerät aus 1949.

Der Ausgangsübertrager am permanentmagnetischen Lautsprecher sieht sehr "frisch" aus, auch die angeklebte Lötösenplatte passt nicht?

Auf der linken Seite hinten ist in eine Baugruppe angebracht, dessen Funktion ich bisher nicht deuten konnte. Es sieht aus wie eine Art Transverter / Zerhacker, um Batteriebetrieb zu ermöglichen.



Zwei Relais und ein Übertrager sind erkennbar. Von der Verdrahtung sind einige Kabel gekappt. Die Anschlussbuchsen sind nicht gekennzeichnet. Die Blecheinfassung lässt vermuten, dass diese Baugruppe für dieses Gerät gefertigt wurde.

Die Bandfilter und der Wellenschalter tragen das Logo der Firma Lubin, siehe Link: http://www.radiomuseum.org/forum/wer_kennt_dieses_logo_firma.html

Insgesamt macht das Gerät auf mich den Eindruck, dass es kaum in Betrieb war. Nur eine sehr dünne Staubschicht, Röhren und Fassungen wie Ladenneu.

Ich freue mich über Hinweise zur Identität!

Jens Dehne

This article was edited 02.Aug.05 19:34 by Jens Dehne .

Robert Sarbell
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31.Jul.05 16:35
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Hello Jens,

From the cabinet style, the knob placements, and the tricolor dial glass strongly resembles a Saba. . . . .even the placement of the full wave rectifier tube AZ11 on the chassis is identical to that of the earlier Sabas. The knobs are essentially identical in appearance and their placement.

The 1938 Saba S455WK used the red, white, green, and blue markings for the LW, MW, and KW bands on the dial glass. At that time they were identified by frequency (150-400kHz for LW and 500-1500kHz for MW), and then in meters for the KW bands (34-90m) green, and (13-36) blue(13-36). Also, on the lower right edge of the dial glass was printed the specific Saba part number for that model. For the S455WK, the part number printed is 580/3

However, the SABA RADIO logo appeared on the dial glass at the far left, and on that model the tuning eye opening (for the EFM11) was just above the Saba logo. If this specific radio's cabinet had been repaired earlier, the logo could have been hidden by the wood inserts by the left and right knobs.

Respectfully,
Robert



This article was edited 31.Jul.05 16:54 by Robert Sarbell .

Wolfram Zylka
Wolfram Zylka
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02.Aug.05 16:10
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Eine Bemerkung zum Röhrensatz:  Ihre Aussage: Der verwendete Röhrensatz (ECH4, ECH4, EBL1, AZ11, EM11) ist nicht sehr häufig,

 

Die Röhrenbestückung 2x ECH 4, EBL 1 + GL Röhre  ist klassisch bei vielen Standard Super*   verwendet worden.
Dies lässt die Vermutung zu, dass das Gerät  in den späten 40er Jahren hergestellt oder umgebaut  wurde.

 

*(Standard Super wurden nach dem Krieg auf Veranlassung der Alliierten konstruiert und als Gemeinschaftsprodukt vermarktet)

Gruß

Wolfram Zylka

Henning Oelkers
Henning Oelkers
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02.Aug.05 16:24

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4 Hallo, Herr Dehne,
zur besonderen Stromversorgung: Aufgrund des Aufwandes könnte es sein, das das Gerät für Eisenbahnfahrzeuge ( um ) gebaut wurde. Der Regierungszug von Adenauer hatte ( zumindest später ) ein Gerät aus westdeutscher Produktion.
Außerdem sind auf dem Foto keine Füße sichtbar, was dafür sprechen könnte, das das Gerät fest montiert war.

Eine fachmännische Antwort ist das zwar nicht, aber vielleicht hilft es weiter.

Gruß aus Berlin,

Henning Oelkers
Jens Dehne
 
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02.Aug.05 19:29

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Hallo Herr Sarbell, Herr Zylka, Herr Oelkers und alle anderen Leser!

Vielen Dank zunächst für die zahlreichen Hinweise!

Herr Zylka, Sie haben natürlich Recht, ich habe zu oberflächlich nach der Röhrenbestückung gesucht, gibt man die Röhrenbestückung "ECH4 ECH4 EBL1" ohne Gleichrichter und MA in die Suchmaske des RM, werden "Unmengen" von Modellen aufgezeigt - danke für den Hinweis!

Nun muss ich auch noch etwas ergänzen und korrigieren.
Als ich nun Platz in der Werkstatt freigemacht habe und das Chassis ausgebaut habe, gibt es neue Erkenntnisse.

Der Röhresatz ist: ECH4 ECH4 EBL1 EFM11 und AZ1

Datumsangaben auf Bauteilen 1948 / 1949

Die Skalenscheibe gibt keine weiteren Hinweise, sie besteht aus auffällig dünnem Glas, sie ist nur etwa 2mm dick.

Der 2-fach Drehko hat kleine eingeprägte Buchstaben "SCHAKO".

Einen Fuß oder Rahmen unter dem Gerät gab es nicht, 4 Filzscheiben sind direkt auf den geleimten Holzkörper geklebt. Weitere Hinweise auf eventuelle Herkunft im Gehäuse oder an den Knöpfen konnte ich nicht finden. Im Gehäuse sind lediglich "Tischlerzahlen" zur Kennzeichnung der Einzelteile angebracht, außer ein Stempel mit den Ziffern "448".

Die angesetzte Montageeinheit von hinten links gesehen beinhaltet 2 Relais und einen Ausgangsübertrager (4000/7000 Ohm auf LP - niederohmig). Also ist es kein "Zerhacker" für irgend eine Kleinspannungsversorgung.

Der Ausgangsübertrager ist eventuell der originale für das Gerät, wurde aber abgeklemmt, 4 Leitungen der Verschaltung sind abgeschnitten und fehlen?
An dessen Stelle ist nun der am Lautsprecher befestigte Übertrager direkt mit der EBL1 verschaltet (nachträglicher Umbau).

Beide Relais lassen sich über die beiden angebrachten Umschalter oder über eine angesteckte Leitung aktivieren.

Ein Relais schaltet den Ausgangsübertrager sekundär an den eingebauten Lautsprecher oder schaltet an das dritte Buchsenpaar einen externen Lautsprecher an.

Das andere Relais schaltet die Tonabnehmer-Buchse oder den Demodulatorausgang an den Lautstärkeregler.

Es gibt noch einen Schaltkontrakt, welcher bei einer Stellung des Klangreglers geschlossen wird. 4 Leitungen enden abgeschnitten in der "Luft".

Weshalb so aufwändig?

Denkbar wäre eventuell auch eine Art Wechselsprecheinrichtung?

Ich werde nun die Schaltung in diesem Bereich aufnehmen.

 

Ich freue mich über weitere Hinweise!

Viele Grüße aus Erfurt
Jens Dehne

Bernhard Nagel
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15.Sep.18 22:13
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Hallo Jens,

nach gut 13 Jahren deiner ersten Anfrage gibt es Neues zum unbekannten Radio. In Frankfurt tauchte auf dem Flohmarkt ein vollständiges Exemplar auf. Auch mich erinnerte das Radio sofort an die Gestaltungsweise der frühen Nachkriegsgeräte von Graetz bzw. Stern Radio Rochlitz. Da kannte ich diesen Forumsthread noch nicht ...

Die Rückwand zeigt ein Logo MW, den Namen Kristall-Super mit Typbezeichnung MW65. Mit der Seriennr. 821 ist es nach dem zuerst vorgestellten Apparat gefertigt worden.

Das Innere zeigt den normalen 6-Kreis Standardsuper, allerdings ohne die seitlich eingebaute Relais/Übertrager Baugruppe. Die Röhrenbestückung ist identisch. Spulensatz und ZF-Filter stammen ebenso vom Hersteller Lubin.

Die Skala ist bereits dem Wellenplan nach Kopenhagen entsprechend ausgeführt.

Die Chassis-Unterseite zeigt leichte Abweichungen (Siebdrossel des Herstellers Elektroteile GmbH).

Dieser Fund beantwortet manches, wirft aber zusätzlich neue Fragen auf: Wer bzw. welcher Hersteller verbirgt sich hinter "MW"? Wo wurden diese Geräte produziert?

Auf der Rückwand finden sich Reparaturaufkleber eines Radiogeschäfts Radio Schäfer, Altena (Westf.), Bachstraße 3, Zweigstelle Plettenberg i.W., Maiplatz 3. Möglicherweise ein Hinweis auf die Region der Entstehung?

Wir können möglicherweise von einer Kleinserie von unter 1000 Exemplaren ausgehen.
Die Modellseite wurde ergänzt. Der hier noch eingetragene Hersteller Lubin für das gesamte Radio ist sicher nicht zutreffend und wird noch geändert.

Grüsse aus Frankfurt,

Bernhard

This article was edited 15.Sep.18 22:43 by Bernhard Nagel .

Georg Richter
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25.Sep.18 00:52
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Lubin ist mir nur als Bauteile-Hersteller (Spulen, Bandfilter) bekannt.

Damit ist das Logo MW wieder offen.

Beste grüsse,

GR

Bernhard Nagel
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27.Oct.20 21:29

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Anlässlich der Modellbearbeitung eines Radios der Firma Wuco-Radio-Fabrikation Siegfried Wucher & Co. (Lindenberg/Allgäu) stiess ich auf das Modell Kristall-Super W64. Der Radio-Hersteller existierte nur kurz, im RMorg belegt von 1945 bis 1949.

Dieses Gerät weist eine überraschende Ähnlichkeit zum Kristall-Super MW65 auf. Einiges stimmt völlig überein, wie Gehäuse und Schallwand, Form, Farbe und Lochung der Rückwand. Ein magisches Auge fehlt dagegen beim W64. (Bilder: Horst Willers)

Selbst das Chassis ist weitgehend identisch, auf Anhieb unterscheiden sich lediglich die beiden ZF-Bandfilter, runde Becher beim W64 und eckige hingegen beim MW65. (Bild: Horst Willers)

Die Fertigungszeit des MW65 wird gemäss Datumsangaben auf Bauteilen ab/um 1949/1950 gelegen haben, möglicherweise wurde hier ein Modell aus Restbeständen der Wuco-Radio-Fabrikation weitergebaut. Die Herkunft des Logos MW bleibt weiterhin als unbekanntes Puzzle-Stück noch zu bestimmen. Wer löst das Rätsel?

Bernhard Nagel
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12.Nov.20 23:55

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Manchmal gibt es ganz überraschende Lösungen, so sandte mir heute unser Mitglied Richard Winter dieses Bild eines ebay-Angebots zu. Herzlichen Dank dafür!

Damit ist die Herkunft des Logos und des MW65 Kristall-Supers geklärt, ebenso die Verbindung zu Wuco.

Wer waren aber die Michel-Werke? Laut diesem umfangreichen Wikipedia-Artikel wurde der Elektrotechnikhersteller 1932 mit Sitz in Augsburg gegründet und fertigte zunächst Radioteile. Die Firma wurde 1938 mit Rüstungsproduktion in die Kriegswirtschaft eingegliedert und entwickelte sich zu einem Schlüsselbetrieb der Fertigung von elektrischen Bauteilen für u.a. Messerschmitt-Flugzeuge.

Nach dem Krieg nahm der Firmengründer Johann Michel 1946 die Fertigung von elektrischen Geräten in Augsburg und ab 1948 auch von Radioapparaten in Scheidegg im Allgäu auf.

Die gebauten Radio-Serien werden recht klein gewesen sein, der Zufallsfund des Kristall-Supers MW65 ist ein Indiz dafür.

Die Geschichte des Firmen-Eintrags im RMorg kann jetzt erweitert werden.

  
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