Blaupunkt: 4W95 (4 W 95); Restauration
Blaupunkt: 4W95 (4 W 95); Restauration
Restauration des Blaupunkt 4W95
Im 3W6 wurde bereits die Nf-Röhre doppelt ausgenutzt, im Vorläufer 4W9 wurde jedoch die Regelspannung ohne weitere Verstärkung über die zweite Diodenstrecke der AB 1 erzeugt. Die Nomenklatur der Blaupunktgeräte ab 1934 war
Zur Behebung der Schäden am Gehäuse (Bild 5: 4W95-Schaeden) mussten die Leisten und der Lautsprecherstoff entfernt werden. Der Stoff konnte vorsichtig mit „Rei“ gewaschen werden und wurde zwischen Papiertüchern gepresst und getrocknet. Die Leisten sind mit einer Vielzahl Schrauben von innen am Gehäuse befestigt. Trotz Rost ließen sie sich zum Glück alle gut herausschrauben. Die Leisten hatten vor allem vorne an der Biegung Feuchtigkeitsschäden. Hier waren sie ausgebleicht und der Lack war abgeblättert. Seitlich waren die Leisten mit einer dicken Lackschicht bedeckt, die teilweise abgeblättert war. Diese dicke Schicht ließ sich mit dem Messer leicht abkratzen. (Bild 6: 4W95-Leiste-seite; Bild 7: 4W95-Farbpulver).

. Das Gerät muss also noch nach 1960 in Gebrauch gewesen sein. Auch der Abgleich stimmte erstaunlich gut, wie sich später herausstellte. Von oben zeigte das Chassis nur die übliche Verschmutzung und einige Flugroststellen (Bild 15: 4W95-Chassis-o-unrest). Der Pfeil zeigt auf die Stelle, an der mit einer Doppelschelle zwei Entstörkondensatoren montiert waren, die hier leider fehlen.
Beide Formenhälften werden reichlich gefüllt und zusamm
engeklappt. Das überschüssige Epoxidharz tritt an der Nahtstelle der Form heraus. Die Abbildegenauigkeit ist sehr hoch. Beschriftung und auch Fehler des Originals werden mit abgebildet (Bild 19: 4W95-Kond-nachguss2, Pfeile). Bei einem zweiten Guss habe ich schwarzen Schmelzkleber als Umhüllungsmasse verwendet, der sich als noch besser geeignet erwies (Bild 20: 4W95-Kond-nachguss1). Ich hätte sogar originale Teermasse verwenden können, aber abgesehen vom Geruch wäre diese womöglich wieder spröde geworden und gerissen.

problemlos verstecken lassen.
Beim Netzelko musste ich leider improvisieren. Die vom Reparateur in den 60er Jahren kunstvoll montierten Netzelkos waren beide defekt. Leider hat auf meine Anfrage im RM.org nach den Maßen des originalen Netzelkos niemand geantwortet, so dass ich ihn auch nicht nachbilden konnte. Ich habe am Trafo mit einer Schelle einfach einen Becherelko montiert, er kann reversibel entfernt werden, wenn einmal ein originaler Elko zur Verfügung steht oder die Maße bekannt werden.
Die Zuleitungsdrähte sind noch original. (Bild 25: 4W95-Netzelko-neu) Ich habe auf Abbildungen anderer Blaupunktgeräte jener Zeit nach dem Elko gesucht, aber natürlich wurde bei jedem Gerät ein anderer Typ verwendet.
Nach ersten Schaltversuchen zerbröselte der Schalthebel mit dem Vierkant auf der Knebelachse. Das vorher gemachte Foto zeigt bereits Risse im Material. (Bild 27: 4W95-Antrieb1) Es handelt sich um Zinkspritzguß, der bei Blaupunkt reichlich verwendet wurde. Beiträge zum 4W9 und 4W95 zeigen die Problematik bei den Zahnrädern. Bei entsprechenden Verunreinigungen rekristallisiert das Zink im Laufe der Jahre und die Bauteile zerbröseln (Bild 28: 4W95-Schaltknebel1). Man erkennt auf dem Bild deutlich die Risse und die kristallinen Bruchkanten.
Bild 29: 4W95-Schaltknebel2 zeigt den Nachguss und das zusammengeklebte Original. Auf der Drehbank wurde das Achsloch gebohrt und anschließend die Löcher für den Schalthebel und die Gewinde für die Madenschrauben.
Der Schalter lässt sich nicht zerlegen und aus dem Chassis herausmontieren, sondern musste im Gerät geklebt werden. Der Bakelitteil erhielt nach richtiger Positionierung
einen Tropfen Zweikomponenten-Epoxidkleber und die Keramikscherben wurden Stück für Stück aufgeklebt. Ich hoffe, dass sich die Metallendstücke auf absehbarer Zeit nicht wesentlich verändern, aber ewig wird es nicht halten. Die Lager und die Gleitschiene wurden mit Petroleum gereinigt und neu geschmiert.
Bild 35: 4W95-Skala-oben2 zeigt noch einmal Details. Bei der Montage aufpassen, die Madenschraube des Reflektors kann am beweglichen Lager des Zylinders schleifen. Durch leichtes Hochbiegen der oberen Zylinderhalterung um einen mm kann das vermieden werden.
Die Zf-Kreise werden mit Quetschkondensatoren abgestimmt, indem ein Messingplättchen gegen eine auf Keramik aufgetragene Gegenelektrode gepresst wird. Zur Isolation dient eine Glimmerscheibe. Offensichtlich gab es früher mal Kontaktschwierigkeiten. Einige Nieten waren nachgelötet worden. Bild 40: 4W95-1Zf zeigt die erste Zf-Stufe hinter der Mischer-AH 1. Die Hauben können nach Lösen der Mutter oben (Pfeil) leicht abgezogen werden. Der Anodenanschluß der zweiten AH 1 ist mit einer Klammer am Abschirmbecher des ersten Zf-Kreises befestigt. Sie lässt sich leicht seitlich abziehen. Der Kreis enthält unten noch den Bandbreitenschalter und, wichtig, einen Kondensator (Pfeil), der die Anodenspannung der AH 1 gegen Masse abblockt. Da er wie die anderen Kondensatoren hohen Leckstrom aufwies, hätte er die Funktion des Mischers beeinträchtigt. Bild 41: 4W95-1Zf-2 zeigt die Quetschkondensatoren der ersten Zf.
Hier wieder auch etwas Spezielles bei Blaupunkt. Für die Fadingregelung wird eine extra Verstärkerstufe eingesetzt. Die Zf wird zusätzlich in der Nf-Röhre AF 7 verstärkt und dann über einen Zf-Kreis der zweiten Diodenstrecke der AB 2 zugeführt. Dieser Zf-Kreis sitzt unter einer Abschirmhaube unter dem Chassis hinten. (Bild 43: 4W95-Fadingkreis1) Befestigungsschrauben sucht man vergeblich! Um den Abschirmbecher zu entfernen, muss er seitlich zusammengedrückt werden. Die untere von außen erkennbare Nut rastet in den Pertinaxhalter der Spule ein. Durch das seitliche Zusammendrücken erweitert sich der Topf nach oben und unten und gleitet aus der Rastung.
Sichtbar werden die Spulen, der Parallelkondensator von 100 cm und einige Widerstände und Ladekondensatoren für die Regelspannung, außerdem ist erst jetzt die Fassung der AB 2 zugänglich. (Bild 44: 4W95-Fadingkreis2) Die beiden Kondensatoren 500 pF und 100 pF mußten ersetzt werden. Der Abgleichkern hat ein Gewinde, das nur wenige Umdrehungen umfasst. Das Gewinde fasst in einem U-förmigen Draht (Bild 45: 4W95-Fadingkreis3), der in eine Nut im Kern hineinrutscht, wenn man den Kern zu tief hineindreht. In diesem Fall musste ich mit einem spitzen Zahnarztwerkzeug den U-Draht nach vorne über den Kern stülpen und aus dem Schlitz im Spulenkörper herausziehen. Erst dann kann man den Kern aus dem Spulenkörper herausholen. Umgekehrt, wenn man den Kern zu weit herausdreht, fasst das Gewinde nicht wieder spontan beim Hineindrehen und man muss mit einer Zange den Draht von außen in die richtige Position bringen.
Da sich bei meinem Gerät der Kreis nicht abstimmen ließ, durfte ich diese Vorgänge gleich mehrfach „üben“. Zuerst hatte ich die Vermutung, dass der 100 cm Parallelkondensator seine Kapazität geändert hätte, was aber nicht der Fall war. Offensichtlich hat die Spule ihre Induktivität geändert, obwohl keine äußerlichen Anzeichen zu sehen sind. Die Spule sitzt fest auf dem Spulenkörper, irgendwelche früheren Manipulationen sich nicht erkennbar. Die Resonanzfrequenz des Kreises lag maximal bei 390 kHz statt bei 491 kHz (auch mit einem neuen 100 pF Kondensator). Die Ursache konnte nicht gefunden werden (Ideen der Leser herzlich willkommen), ich habe mich daher mit einem Paralleltrimmkondensator beholfen und den Kern so weit wie möglich eingedreht. Eine Idee war, dass der Kern nicht mehr lang genug sei und abgebrochen ist, aber es ist keine Bruchkante zu erkennen.
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.
10 Kreiser - 9 Kreiser
Gratulation zu der erfolgreichen Restauration!
Da haben Sie ja eine Unmenge Zeit und Mühe hineingesteckt. Dafür ist es ein beneidenswert schönes Gerät geworden.
Die Überraschung war jedoch, daß hier beide Bandfilter mit 3 Kreisen ausgeführt sind. Damit handelt es sich nach üblicher Zählweise ja um einen 10-Kreiser, denn der Kreis zur Gewinnung der Regelspannung ist Teil des HF-Zweiges. Vermutlich handelt es sich hierbei um ein "frühes" Exemplar des 4W95.
Leider ist bei meinem Gerät, welches beim 2. Bandfilter "nur" noch 2 Kreise hat, das Typenschild nicht mehr lesbar, da es aus Papier war. Zur Frage "früher oder später" kann somit nichts beigetragen werden. Rechnet man allerdings zur Kreiszahl nur diejenigen, die unmittelbar für die Verarbeitung des modulierten HF-Signals verwendet werden, dann wäre mein Gerät nach der damaligen Zählweise nur noch ein 8-Kreiser (und müßte dann konsequenterweise 4W85 heißen).
Da die originalen Blaupunkt Schaltbilder für den 4W95 beide Bandfilter mit 3 Kreisen ausweisen, spricht einiges dafür, daß noch Restbestände von der Vorjahresproduktion des 4W9 verfügbar waren, denn das Aussehen der Filtertöpfe ist gleichartig, Bild vom 4W9.


Allerdings unterscheidet sich der Demodulator: AB2 bei 4W95 gegenüber AB1 bei 4W9.
Da die AB1 einen Anschluß für die 1. Diode oben am Kolben hat, gelangt man da einfach vom oben liegenden 3. Kreis des 2.Bandfilters mit einer geschirmten Leitung hin, wie das obige Bild zeigt.
Die AB2 hat nur Anschlüsse im (5-poligen) Topfsockel. Folglich müssen die Anschlüsse für den oben liegenden (dritten) Kreis innerhalb des Bandfilters nach unten geführt werden, wie an Ihrem Bild deutlich zu sehen ist. (Bild Dr. Walz)


Gegenüber der Konstruktion des 2. Bandfilters beim 4W9 ist dadurch die Kopplung der 3 Kreise geändert.
Welche Gründe haben Blaupunkt bewogen, den 3. Kreis des 2. Bandfilters schließlich einzusparen?
Hier das Bild des 2. Bandfilters von meinem 4W95.


Ein 3-Kreis Bandfilter ist aufwändiger und schwieriger abzugleichen als ein 2-Kreis Bandfilter. Die Selektion des Gerätes ist auch mit dem 2-Kreis Bandfilter so gut, daß die Einsparung des 3. Kreise augenscheinlich bis heute noch niemand aufgefallen zu sein scheint.
MfG DR
P.S.: Die im Editor eingebundenen Bilder erscheinen nicht im Post (warum nicht??), daher die Links.
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Kreise und Gerätenummern
Offensichtlich werden bei Blaupunkt bei der Zählung der Kreise nur diejenigen im Signalweg berücksichtigt. Hilfskreise wie der zur Regelspannungsverstärkung wohl nicht. Hilfskreise, wie der Oszillatorkreis aber sehr wohl ! Auf den Schaltbildern und der Gerätebeschreibung findet man stets die Angabe "9 Kreise". Als dann der 3. Kreis in der 2. Zf weggelassen wurde, konnte man natürlich die Bezeichnung des Gerätes nicht einfach ändern.
Wenn ich mich am 4W9 orientiere, wäre die Zählung bei Blaupunkt also:
2 Vorkreise
1 Oszillatorkreis (widersinnig, diesen Kreis zu zählen)
3 Kreise Zf Bandfilter
3 Kreise Zf Bandfilter
9 zusammen
Jetzt 4W95
2 Vorkreise
1 Oszillatorkreis
3 Kreise Zf-Filter
3 Kreise Zf Filter
1 Kreis Regelspannungserzeugung, der offensichtlich nicht gezählt wird
9 zusammen
Bei Blaupunkt wurden also offensichtlich nur Vorkreise, Zf-Kreise und Oszillatorkreise gezählt.
Abstimmungsverhalten
Die Zf-Abstimmung war problemlos. Lediglich beim ersten ZF-Kreis mußte man zwischen den Bandbreiten mehrfach hin und herschalten um bei "breit" und "schmal" ähnliche Empfindlichkeiten zu erhalten. Die Bandbreitenschaltung ist recht seltsam. Im Anodenkreis ist der Trimmer nicht parallel zur Spule sondern gegen Masse geschaltet mit einer Spule, die auch noch mit einem Schalter überbrückt wird. Zusätzlich werden die beiden anderen Kreise durch 5 pF verstimmt. Dieser 5 pF Kondensator besteht in meinem Gerät aus einem verdrillten Drähtepaar unter dem Kreis.
Beim zweiten Zf-Kreis gab es an allen Reglern ein sauberes Maximum.
Typenschild
Leider fehlt beim 4W95 das Typenschild und eine Nummerierung, so dass wir nicht den Zeitpunkt der Erstellung vergleichen können. Selbst die Angabe der verwendeten Spannung ist ziemlich undeutlich auf einem im Chassis hinten eingesetzten, leicht rostenden Blech eingestanzt. Auch wieder anders als bei den Anderen. Erst die Bearbeitung mit einem Glasfaserstift offenbarte, dass es sich um die Betriebsspannungsbezeichnung handelte...

Blaupunkt legte offensichtlich keinen Wert darauf, das Produktionsdatum seiner Geräte zurückzuverfolgen. Möglicherweise gab es aber Papierlabel, die heute verloren gegangen sind.
P.S.: Bilder Einfügen funktioniert problemlos
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Zählung der Röhren beim 4W95
Die Zählung der Anzahl der Röhren ist beim 4W95 ebenfalls ungewöhnlich (für heutiges Verständnis). In der Service-Anleitung wird der Apparat als "4 Röhren - 9 Kreis - Superhet" bezeichnet. Tatsächlich hat er aber 7 Röhren!
- AH1 Mischer
- AC2 Oszillator (nicht gezählt)
- AH1 ZF-Verstärker
- AB2 Demodulator und Gleichrichter für die Regelspannung (nicht gezählt)
- AF7 NF-Vorstufe und ZF-Verstärker für die Regelspannung
- AL1 NF-Endstufe
- AZ1 Vollweggleichrichter (nicht gezählt)
Dioden wurden damals üblicherweise nicht gezählt, alle verstärkenden Röhren aber schon.
(Später wurde sogar der Selengleichrichter bei den Röhren mitgezählt. Auch hat man z.T. "Röhrenfunktionen" aufgezählt, weil das größere Zahlen brachte.)
Die AC2 nicht mit zu zählen ist eigentlich inkonsequent, wenn man berücksichtigt, daß der Oszillatorkreis bei den Kreisen ja berücksichtigt ist.
(Da der 4W95 offensichtlich aus dem 4W9 hervorging, war eventuell zunächst noch die ACH1 vorgesehen, als der Typen-Name festgelegt wurde? Dann wäre "4 Röhren Super" nach damaliger Zählweise korrekt.)
MfG DR
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