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Der Tropadyne Mischer

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Papers » Basic principles of radio technique » Der Tropadyne Mischer
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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22.May.20 13:51
 
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Der Name "Tropadyn" bzw. "Tropadyne" für einen Mischer bei einem Superheterodyne Empfänger (Super) taucht schon kurz nach der Einführung des Rundfunks (zunächst im Amerikanischen) auf. Die entsprechenden Schaltungen sind dann auch von kurzer "Lebensdauer" und verschwinden dann rasch wieder - weil die Technik dafür noch nicht "reif" ist. 

  • Später aber kommt die Schaltung wieder - als "übliche" additive Misch-Schaltung bei UKW.
    Allerdings spricht dann niemand mehr von "Tropadyn".

Zu Beginn der '20er Jahre wurden viele Schaltungen erfunden, deren Name auf "-dyn" bzw. "-dyne" endete. Ja, und oft war wohl auch nicht ganz klar, wie genau diese funktionierten. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß es damals sehr schwierig bis unmöglich war, dynamische Vorgänge korrekt zu messen und zu analysieren. Ferdinand Braun hatte zwar schon die Oszillographen-Röhre erfunden, aber diese taugte noch nicht für die Messung von schnelleren Vorgängen.

Standard-Mischschaltungen in Röhrentechnik für AM

 

In Abb. 484 [1] ist in einer Übersicht über die bis zu den '40er Jahren bekannten Misch-Schaltungen unter c) die Tropadyn-Schaltung gezeigt, die damals jedoch bereits keine praktische Bedeutung mehr hatte.

Mehr zu "Mischung und Frequenzumsetzung" siehe dort. Die Abb. 484 wird da ebenfalls gezeigt.

Aber hier soll speziell der Fokus auf der Tropadyn-Schaltung liegen - eben weil sie später bei den "selbstschwingenden Mischern" bei UKW Radios (mit Röhren) wieder auftaucht und dort als "Standard-Mischschaltung" Verwendung findet.

Für AM Empfänger setzten sich als Mischer die Misch-Hexode (z.B. ACH1, ECH4) bzw. die Oktode (z.B. AK2, EK8) durch. Bei Nachkriegsmodellen war die ECH81 der Standard-Mischer für AM und das bis zum Ende der Röhrenära.

 

 

Tropadyne Mischer zu Beginn der '20er Jahre

Während der "Superhet" als Industriegerät sich erst ab ca. 1932 durchsetzen konnte (Beispiel: Staßfurt 5W, siehe auch die beim Modell angefügten Posts.), gab es für Bastel-Geräte schon früh entsprechende Vorschläge mit Frequenzumsetzung. Die damals verwendeten ZF Frequenzen lagen im Bereich ca. 30 kHz - 60 kHz.

Bei Wigge [2] findet man eine Beschreibung der Tropadyne-Schaltung, einschließlich eines Bauvorschalges für die dafür verwendeten Spulen.

Die Aufgabe, den Empfänger nicht gegen die ankommende Welle verstimmen zu müssen und gleichzeitig die Ausstrahlung zu verhindern, kann am ehesten gelöst werden, wenn man Schwingungskreis und Empfangskreis voneinander trennt. Ein Beispiel hierfür bietet die in Fig. 103 dargestellte Schaltung von Armstrong-Preßley.

 

Es handelt sich zunächst um ein gewöhnliches rückgekoppeltes Audion, dessen Schwingungskreis durch die Spule L1 und den Kondensator C1 gebildet wird. Parallel zum Kondensator C1 liegen zwei kleine Kondensatoren C' und C", welche den Punkt B auf konstantem Potential erhalten, sobald sie gleich gemacht werden. An der Spule L1 kann man ebenfalls einen Punkt A finden, welcher spannungslos ist. Den Punkt B schließen wir direkt an die Erde. Legen wir nun zwischen A und B den Schwingungskreis, so kann von der selbsterregten Schwingung keine Energie auf diesen übergehen, wenn man dafür sorgt, daß direkte induktive Übertragungen ausgeschlossen sind. Der Punkt A der Spule L1 liegt wegen der Unsymmetrie der ganzen Schaltung nicht genau im Knotenpunkt der Spule. Man kann aber etwaige Ungleichmäßigkeiten sehr leicht durch Verändern der Kondensatoren C‘ und C' beseitigen. Die Schaltung ähnelt der Brückenschaltung von Scott-Taggart.


Die Schaltung dieser "Brückenschaltung" wird in Riepka [5] vorgestellt.

Im Unterschied zu Tropadyne liegt hier die Brücke im Anodenkreis. De facto handelt es sich dabei um eine Neutralisierungs-Schaltung, mit der die Schwingneigung von mehrstufigen HF Verstärkern unterdrückt wird.


Eine Vereinfachung der eben besprochenen Schaltung ist der in der Fig. 104 dargestellte Tropadyne-Empfänger von Fitch.

Dieser ist schon im 1. Band erwähnt worden als Beispiel für strahlungsfreie Rückkopplung. Der Schwingungskreis L3C3 wird zu ungedämpften Schwingungen durch die Rückkopplung angeregt, liefert also die Hilfsschwingung, während das Antennensystem mit dem Schwingungskreis L2C2 auf die ankommende Welle abgestimmt wird. Die Spule L3 wird im Knotenpunkt angezapft, so daß von der ungedämpften Schwingung nichts auf das Antennensystem übertragen werden kann, während die Empfangsschwingung über den Kondensator Cg ungehindert an das Gitter gelangt. Der Gitterwiderstand Rg sorgt für die Ableitung der Gitteraufladungen. Der Tropadyne-Empfänger ist ziemlich bekannt geworden, trotzdem er keineswegs anderen Superheterodyne-Schaltungen überlegen ist und die ihm nachgerühmte größere Empfindlichkeit nicht vorhanden ist.
Für die praktische Herstellung der Spulen gelten folgende Angaben: Die beiden Spulen L3 und L4 werden auf einen gemeinsamen Zylinder von 75 mm Durchmesser und 100 mm Länge gewickelt, und zwar bekommen die Spule L3 24 und die Spule L4 29 Windungen. Beide Spulen sind in demselben Sinne gewickelt und haben einen Abstand von 12 mm. Die Antennenspule bekommt 8 Windungen, die Sekundärspule 50 Windungen. Beide sind ebenfalls 12 mm voneinander entfernt.

Die Wicklungsanordnung ist aus Fig. 104 b und c zu erkennen. Die Anordnung der beiden Spulen im fertigen Empfänger muß so getroffen werden, daß eine gegenseitige induktive Beeinflussung nicht möglich ist. ........

 


 

Es ist jedoch, wie Fig. 115 zeigt, möglich, diese Hochfrequenzverstärkerröhre auch zur wirksamen Verstärkung heranzuziehen. Dieses Schaltbild ist ein Tropadyne-Empfänger, welcher mit einer Vorröhre versehen ist. Der Anodenkreis der Hochfrequenz-Verstärkerröhre ist abgestimmt. Durch diesen Abstimmkreis, welcher also mit der Antenne in Resonanz ist, besteht nun wieder die Gefahr der Selbsterregung in der Hochfrequenzverstärkerröhre. Sie wird durch Zusatz künstlicher Dämpfung bekämpft, indem die Erde und damit der Gitterkreis der ersten Röhre zum Gleitkontakt eines zur Heizbatterie parallel liegenden Potentiometers geführt wird. Der Zusatz künstlicher Dämpfung bedeutet immer einen Verlust in Verstärkung, weshalb man für die Bekämpfung der Schwingneigung der Hochfrequenzverstärkerröhre besser ein günstigeres Mittel verwendet, z. B. eine Neutralisierung.

[Anmerkung: Mit dem Potentiometer "p" wird für die HF Röhre eine negative Gittervorspannung - und damit der Arbeitspunkt - eingestellt. Zu Beginn der '20er Jahre wurden HF Verstärker-Röhren oft ohne extra Gittervorspannung betrieben. Die Amplituden der empfangenen HF Schwingungen waren ja sowieso sehr klein: wenige mV. Bei 0V Gittervorspannung haben die Röhren ihre maximale Steilheit und liefern die höchst mögliche Verstärkung. Bei den damaligen "Brett-Aufbauten" kann das schon zu ungewollten Rückkopplungen und damit zu "wilden Schwingungen" geführt haben.]

 

 

 

Eine ganz ähnliche Schaltung, allerdings ohne HF Stufe wird in Singelmann [3] gezeigt, Schaltbild 117.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Beispiele für Tropadyne Empfänger werden in Nesper [4] (Abb.268b) und Riepka [5] (Abb. 172) gezeigt.
[Die Form des "Gitters" ist typisch für die Darstellung bei Nesper und seinen Schülern.]

Aber auch bei Blake [6] findet man die Schaltung eines Tropadyne-Empfängers, hier noch mit dem für die '20er Jahre typischen Horn-Lautsprecher versehen, Fig 164c.

Leithäuser [12] gibt eine Tropadyne-Schaltung an, Abb. 20, die auch Angaben über die dabei übliche Zwischenfrequenz enthält. λ = 2000m - 4000m sind ZF Frequenzen fz = 150 kHz - 75 kHz. Aufgrund der sonstigen Angaben könnte die Schaltung sogar nachgebaut werden.

Auch Pfeiffer [13] zeigt eine Tropadyne-Schaltung, Abb. 136, auch wenn der erklärende Text dazu dann äußerst dürftig ausfällt. Tropadyne war zu den damaligen Zeiten offensichtlich "modern".

Der Aufwand an Röhren und (abzugleichenden) ZF Kreisen war bei allen diesen Tropadynempfängern gewaltig. Es mußte schon ein "betuchter" und sehr erfahrener Bastler sein, der sich einen solchen Empfänger selbst herstellen konnte. Der weiter unten zitierte "TOW7" von Lumophon war mit seinen 7 Röhren und einem Preis von RM 515,00 auch eher ein professioneller Empfänger, wie aus der Lumophon-Werbung mit seinem Einsatz bei der Deutschen Seewarte in Hamburg hervorgeht.

Daher ist es nicht verwunderlich, daß sich die Tropadynempfänger damals nicht durchsetzen konnten und der selbstschwingende Mischer mit einer Triode dadurch in Vergessenheit geriet.

 

Lehmann [7] gibt 1932 noch eine Verbesserung der Tropadyne-Schaltung an, Abb. 451 & Abb. 452. Diese betrifft die Reduzierung der Störstrahlung durch den "selbstschwingenden Mischer".

Während bei den frühen Tropadyne-Schaltungen stets die Spulen angezapft wurden, was in Bezug auf den "neutralen Punkt", also die Anzapfung, bei der keine Oszillator-Schwingung besteht, praktisch unmöglich ist, wird bei [7] der neutrale Punkt dadurch eingestellt, daß mit Hilfe eines Differential-Kondenstors D ein "Brücken-Abgleich"  realisiert wird, Abb 451.

In Abb 452 ist die Schaltung so umgezeichnet, daß die Brücke erkennbar wird. Im rechten Zweig dieser Brücke liegen die Eingangs-Kapazität der Röhre und der Neutralisierungs-Kondensator N.

Insgesamt läßt sich die Brückenschaltung damit so abgleichen, daß in der Diagonale, wo der Eingangskreis liegt (hier eine abgestimmte Rahmenantenne) keine Oszillator-Schwingung mehr ankommt.


Text von Schwandt, E. (Autor von Kap. 4) aus Lehmann [7] p. 276. Die zitierte Schaltung Abb. 450 entspricht ziemlich genau derjenigen von Pfeiffer [13], dort Abb. 136.

Ein nach heutigen Begriffen übersteigertes Interesse haben diejenigen Schaltungen gefunden, bei denen die Eingangsschaltung nur eine einzige Röhre aufweist, die gleichzeitig als erstes Audion und als Oszillator arbeitet. Hier ist die von Fitch [s. Text Wigge] angegebene sog. Tropadyne-Schaltung zu erwähnen, die wir in Abb. 450 zur Wiedergabe bringen, ausnahmsweise als vollständiges Schaltbild für Batteriebetrieb, also mit Zwischenfrequenzverstärker und zweitem Audion, während für alle anderen Systeme nur die eigentliche Eingangsschaltung bis zum Filter veröffentlicht wird. Die erste Röhre dieser Schaltung ist die Eingangsröhre, die mit der Gitterspule L1, dem Abstimmkondensator C2 und der Rückkopplungsspule L2 versehen ist; R und C1 bilden den auf die zu empfangende Station abzustimmenden Rahmenkreis. L1 und C2 werden dagegen auf die Hilfsschwingung abgestimmt. Für das einwandfreie Arbeiten der Tropadyne-Schaltung ist es wichtig, daß der Rahmenkreis vorn Oszillatorkreis vollkommen entkoppelt ist, da sonst eine Energieentziehung durch den Rahmenkreis stattfindet, die ein Aussetzen der Schwingungen zur Folge hat.  [Siehe Bemerkungen zur Synchronisation weiter unten.] Aus diesem Grunde wird der Rahmenkreis, dessen Ankopplung über den Blockkondensator C3 von etwa 500 cm erfolgt, genau in der elektrischen Mitte der Gitterspule angeschlossen; die elektrische Mitte braucht hierbei natürlich nicht immer die mechanische Mitte zu sein, und ein einfaches Abzählen der Windungen ist deshalb nur selten ausreichend genau.

Um diesen Nachteil zu vermeiden, ist von A. Cl. Hofmann die verbesserte Tropadyne-Schaltung der Abb. 451 angegeben worden, die sich dadurch auszeichnet, daß die elektrische Mitte der Spule durch den Differentialkondensator D eingestellt werden kann. Es ist bei dieser Schaltung möglich, während des Betriebes auf einfachste Weise, nämlich durch Drehen des Rotors von D, eine Verschiebung des gedachten Ankopplungspunktes vorzunehmen; man kann die Eingangsschaltung also nach dem Gehör so einstellen, daß eine wirkliche Entkopplung vorhanden ist. Dabei ergibt es sich dann häufig, daß der Kondensator D nicht seine Mittelstellung, sondern eine von dieser mehr oder weniger abweichende einnehmen muß, ein Zeichen dafür, daß eine Anzapfung der Gitterspule in der Mitte ein ganz falsches Resultat geben würde. Der Grund hierfür ist darin zu sehen, daß auch durch die Leitungen und durch verschieden große gegenseitige Kapazitäten der Schaltorgane eine gewisse Unsymmetrie bedingt wird.

Diese vereinfachte Tropadyne-Schaltung mit Differentialkondensator ist von Hofmann aus der ebenfalls von ihm angegebenen Brückenschaltung der Abb. 452 entwickelt worden. Die Brückenschaltung hat die grundsätzlichen Vorteile der Schaltung Abb. 451, ihr Aufbau ist nur etwas umständlicher, da es sich um eine echte Brücke handelt, in deren Zweigen die Röhrenkapazität, das Neutrodon N (das deshalb etwa auf die Röhrenkapazität eingestellt werden muß) und der Differentialkondensator D liegen, der hier, um den Brückencharakter erkennen zu lassen, aufgeteilt gezeichnet ist.

Zur Synchronisation mit der Frequenz des Eingangs-Signals, Abb 267. [14]

Die Tropadyne-Schaltung ist de facto eine "Audion"-Schaltung, die so stark rückgekoppelt ist, daß sie schwingt: "Schwing-Audion".

Im Unterschied zu einem "normalen" Audion wird beim Tropadyne-Mischer das Eingangs-Signal idealer Weise so über eine Anzapfung der Spule des Eingangs-Kreises zugeführt, daß es sich am Gitter der Röhre exakt aufhebt. Zur Verdeutlichung hier nochmal die Schaltung von Wigge, Abb 103.

 

 

 

 

 

 

Da nun aber die theoretisch gewünschte Symmetrie der Einkopplung des Empfangssignals praktisch nicht erfüllt ist, wird der Tropadyne-Mischer als "Schwing-Audion" von genügend starken Eingangs-Signalen in einem "Mitnahme-Bereich" vom Eingangs-Signal synchronisiert. Die Breite des Bereichs hängt ab von der Stärke des Eingangs-Signals und davon, wie "fest" die Rückkopplung des Schwing-Audions ist. Die Schwingung setzt also i.d.R. nicht aus, wie Schwandt das vermutet hat.

Damit nun der Tropadyne-Mischer von stärkeren Eingangs-Signalen nicht "mitgenommen" wird, muß die ZF Frequenz des Tropadyne-Empfängers mit 75 kHz bis 150 kHz relativ "hoch" gewählt werden, was bei den damals verfügbaren Trioden viele ZF-Stufen erfordert hat.

(Mitnahme-Demodulatoren , "locked-in-Demodulatoren", gab es bei frühen FM-Demodulatoren.)

Ein "Aussetzen" der Schwingung der Oszillator-Schwingung (gemäß Schwandt) könnte allerdings dann erfolgen, wenn die Entkopplung so gering wäre, daß während des Abstimmens des Tropadyn-Empfängers (mit Hilfe von 2 nicht gekoppelten Drehkos !) die Resonanzfrequenzen beider Schwingkreise zufällig übereinstimmen und dadurch die Dämpfung durch die Antenne den Oszillator am Schwingen hindert. Dieser Fall erscheint jedoch recht unwahrscheinlich zu sein, weil sonst aus dem gleichen Grunde auch kein Audion-Empfänger zum Schwingen gebracht werden könnte.


In allen Auflagen von Pitsch [8] findet sich die Tropadyne-Schaltung ebenfalls.

 

Pitsch betont die wesentlichen Eigenschaften der Tropadyne-Schaltung, nämlich die "Brücke" im Eingangskreis und die "selbstschwingende Mischstufe". Das kann bereits als Hinweis auf die spätere Anwendung beim UKW Empfang verstanden werden.

 

 

 

 

 

Der Tropadyne als Bastelgerät

Im "Funk-Bastler" 1925 Heft 8, pp. 571 - 574 schreibt Rolf Wigand einen Artikel "Der Überlagerungsempfänger im Laboratorium; Der Standard-Superheterodyne - der Ultradyne - und der Tropadyne" [9].
Das für den Tropadyne gezeigte Schaltbild entspricht genau denjenigen von Wigge [2], Fig. 104 bzw. Singelmann [3], Schaltbild 117. (siehe weiter oben)

Interessant ist die Bemerkung, daß es für den Tropadyne spezielle ZF-Übertrager für Bastler zu kaufen gab, die "Tropaformer", Abb. 15.

In Abb. 15 links ist die Schaltung und die Ansicht des Tropaformers zu sehen. "P" (plate) ist der Anodenanschluß; "F" (filament) ist der Anschluß an ein Ende des Heizfadens.

Die rechte Seite der Abb. 15 stellt einen Bastel-Vorschlag dar zur Herstellung des ZF Übertragers.

Der "Eisenkern" soll aus einem Gemisch von Eisenpulver (aus Silizium-Eisen) und Bienenwachs bzw. Paraffin hergestellt werden. Er soll so beschaffen sein, daß "ein kräftiger Magnet ihn nur schwach anzieht".

 

 

Der Tropadyne als Industriegerät

In 1926/27 brachte Lumophon mit dem Modell TOW7 einen Tropdadyne Super auf den Markt.

Für damalige Zeiten war das ein "Allwellen-Empfänger", denn er hatte 4 Wellenbereiche, die von ca. 120 kHz bis 2 MHz reichen.

Im Schaltbild-Ausschnitt ist der Tropadyne-Mischer farbig unterlegt.

Hans Knoll beschreibt in Heft 1/2020 der Zeitschrift des Rundfunk-Museums Cham die genaue Funktionsweise des TOW7.

Vergleich Tropadyne - Bigrille Mischer

In Frankreich gab es im gleichen Zeitraum den "Bigrille" Mischer. Hier das Beispiel des Ducretet "Supermodula à 5 Lampes". Bigrille Röhren haben 2 Steuergitter, vergleichbar mit der RE074d.

Radios mit Bigrille-Mischer haben weniger ZF-Stufen als solche mit Tropadyne-Mischer, wie sich aus dem Vergleich mit obigen Schaltbildern ergibt. Das hier gezeigte Modell hat sogar nur eine einzige ZF-Stufe. Allerdings erfolgt die Rückkopplung der Audion-Stufe nicht auf das eigene Gitter, sondern auf das der ZF-Stufe.

Auschlußreich ist jedoch der Vergleich der Größe der ZF Frequenzen:

  • Bigrille-Mischer: zwischen ca. 45 kHz und 60 kHz, wie an Beispielen früher ZF-Filter gezeigt wird.
  • Tropadyne-Mischer: zwischen ca. 75 kHz und 150 kHz, wie von Leithäuser oben angegeben.

Die frühen Trioden hatten geringe Steilheiten und im Bereich 75 kHz bis 150 kHz konnten nur geringere Verstärkungen realisiert werden als im Bereich 45 kHz bis 60 kHz. Folglich waren bei Tropadyne-Empfängern (viel) mehr ZF-Stufen erforderlich. Aus den obigen Schaltbildern ist zu sehen, daß da bis zu 3 ZF-Stufen erforderlich waren, wobei die Audion-Stufe hierbei nicht mit gerechnet ist.

Die "ungünstige" Wahl der ZF Frequenz bei Tropadyne-Empfängern ist darauf zurück zu führen, daß bei diesen frühen Geräten keine wirksame Entkopplung zwischen dem Eingangs-Kreis und dem Oszillator-Kreis realisiert war. (Das änderte sich erst mit den UKW Mischern, wo mit abgeglichenen Brückenschaltungen und Zweifach-Drehkos gearbeitet wurde.)

Die ungenügende Entkopplung von Eingangs-Kreis und Oszillator-Kreis brachte die Gefahr mit sich, daß beim Empfang stärkerer Sender die Oszillator-Frequenz auf die Empfangs-Frequenz  "umsprang". Diese Gefahr konnte durch die "höhere" ZF-Frequenz vermieden werden. Aber das bedeutete einen nicht unerheblichen Mehraufwand beim frühen Tropadyne-Empfänger.

 

Der Tropadyne als selbstschwingender UKW Mischer

Bei der Einführung des UKW Rundfunks 1949 setzte man im Empfänger zunächst oft die inzwischen (bei AM) bewährte Mischschaltung z.B. mit der ECH11 ein. Die dabei erreichbaren Rauschzahlen bzw. die Empfindlichkeiten waren jedoch unbefriedigend. Auch waren die Störstrahlungen nicht zu beherrschen. 

Eine Verbesserung ergab sich duch den Übergang von der multiplikativen Mischung mit Hexode oder Heptode zur additiven Mischung mit einer Triode.

Damit war man technisch wieder beim Tropadyne-Mischer angelangt, auch wenn das nun (etwas umständlich) "additive selbstschwingende Mischstufe" benannt wurde. 

In Nowak/Schilling [10] werden solche Mischstufen mit Penthoden und mit Trioden analysiert.

 

Abb. 7-12 (a) zeigt eine solche additive Mischstufe mit einer Triode, die aus dem Vergleich z.B. mit Abb. 4.52 [7], sich sofort als "Tropadyne" Mischer identifizieren läßt. 

Aufgrund der höheren Frequenzen im UKW Bereich spielt die Unterdrückung der Störstrahlung in Richtung der Antenne eine ganz entscheidende Rolle. Diese geschieht durch Abgleich mit dem Trimmer C6.

Abb 7-12 (b) zeigt die Ersatzschaltung der dabei verwendeten ZF Brücke für die ZF-Rückkopplung. Da die Spule L7 in der Diagonalen liegt, wirkt sich der (niedrige) Innenwiderstand der Misch-Triode nicht als Dämpfung für den ZF Schwingkreis aus.

In Prestin [11] gibt es eine Zusammenstellung der bei UKW-Empfängern (mit Röhren) üblicherweise verwendeten Schaltungen für den Mischer.

 

Bei allen Varianten dieser Schaltung ist die "Tropadyne" Brücke am Gitter gut erkennbar.

Je nach Variante eignen sich die Schaltungen eher für eine kapazitive (a & b) oder eine induktive (c & d) Frequenz-Abstimmung.

In den Schaltbildern Bild 56 ist angedeutet, daß für UKW i.a. vor dem Mischer eine HF Vorstufe geschaltet ist. Diese dient der Erhöhung der Empfindlichkeit und der Verminderung der Rauschzahl.

Als Röhre hat sich standardmäßig hier die ECC85 durchgesetzt. Ein Triodensystem als Vorstufe und das andere Triodensystem als selbstschwingender Mischer (Tropadyne!).

 

 

 

Beispiele für "Tropadyne"-Mischer im UKW-Tuner

Erstes Beispiel ist der Siemens G63 . Siemens hat über viele Jahre erfolgreich einen UKW-Tuner mit der EC92 sowohl in der Vorstufe, als auch im Mischer verwendet. Und das meist direkt auf dem Chassis und nicht in einer extra UKW-Mischer-Box.

Als weiteres Beispiel wird der Loewe-Opta Venus 560W  gezeigt. Hier kommt eine ECC85 zum Einsatz - wie bei vielen anderen Radios auch. Hier wird eine separate "Mischer-Box" (gestrichelt eingerahmt) verwendet. So eine Mischer-Box ist der Standard bei den meisten UKW-Radios.

Die UKW-Vorstufen unterscheiden sich bei den verschiedenen Radios. Die Mischer sind in ihrer Schaltung aber immer als "Tropadyne"-Mischer erkennbar.

 

 

Als 3. Beispiel dient der UKW Tuner des Grundig 5040W.

Bei diesem Gerät ist ebenfalls die Tropadyne-Schaltung beim Mischer erkennbar. Zusätzlich wird auch hierbei die ZF-Rückkopplung verwendet (10,7 MHz Übertrager h), damit der geringe Innenwiderstand der Triode sich nicht dämpfend auf die ZF Filter auswirkt.

Die UKW Vorstufe besteht hier aus einer Cascode-Stufe, gebildet durch die EC92 und die linke Triode der ECC81.

Während also bei den Schaltungen für die UKW Vorstufe eine "bunte Vielfalt" herrscht, wird die UKW Mischstufe fast immer als "Tropadyne-Mischer" realisiert.

Beim Übergang von Röhrenschaltungen auf Transistor-Schaltungen ändert sich das jedoch. Dort kommen dann durch die IC-Technik andere Prinzipien zum Einsatz.

 

 


Literatur

[1] Vilbig, F.: Lehrbuch der Hochfrequenztechnik, Bd. 2, 4.A., VAG, 1943

[2] Wigge, H.: Rundfunktechnisches Handbuch, 2. Teil, Krayn, 1927

[3] Singelmann, M.: Störbefreiung in der drahtlosen Nachrichten-Übermittlung, Meusser, 1926

[4] Nesper, E.: RT, Der Radio-Amateur, Radio-Telephonie, 6.A., Springer, 1925

[5] Riepka, H. C.: Die Röhre und ihre Anwendung, 3.A., "Bibliothek des Radio-Amateurs", Bd. 4, Springer, 1926

[6] Blake, G. G.: History of Radio Telegraphy and Telephony, Chapman & Hall, 1928

[7] Lehmann, W.: Die Rundfunk- und Tonfilm-Technik, 2.A., Killinger, 1932

[8] Pitsch, H.: Lehrbuch der Funkempfangs-Technik, 1.A., 1948  bis 4.A., 1964, VAG

[9] Funk-Bastler; Wigand, R.: Der Überlagerungsempfänger im Laboratorium, Heft 45, pp. 571 - 574, Weidemann, 1925

[10] Nowak, A.; Schilling, F.: Empfangstechnik frequenzmodulierter Sendungen, 2.A., Schütz, 1955

[11] Prestin, U.: Standardschaltungen der Rundfunk- und Fernsehtechnik, Franzis, 1968

[12] Leithäuser, G.: Kunstschaltungen; in Wagner, K.,W.: Die Wissenschaftlichen Grundlagen des Rundfunkempfangs, Springer, 1927

[13] Pfeiffer, H.: Reflex- und Superheterodyn-Empfänger; in Lertes, P.: Wegweiser durch die Radio-Technik, Bechhold, 1925

[14] Springstein, K. A.: Einführung in die Kurzwellen- und Ultrakurzwellen-Empfänger-Praxis, FV, 1953

  
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