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Drahtlose Telephonie im Wirtschaftsdienst

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Papers » Radio-History, beginning 1909 » Drahtlose Telephonie im Wirtschaftsdienst
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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16.Oct.20 17:36
 
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In den Zeiten der Hyperinflation, 1922 und folgende Jahre, richtete die Post einen drahtlosen Wirtschaftsdienst ein, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • Gute Fotos von einem Wirtschafts-Rundfunk-Empfänger sind unter "Wirtschafts-Rundspruch + Rundspruch-Empfänger nach Eildienst" zu finden. Siehe dort auch zu weiteren Details der Empfänger.
    Dort gibt es auch einen Querverweis zu einem Artikel "Der Rundspruch-Empfänger" in der "Funkgeschichte" 75 (1990).

In [1] beschreibt Thurn diesen Dienst. Sein Schwerpunkt liegt dabei u.a. auf der "Sende-Seite".

Schaltbilder der Sendeanlagen weiter unten.

In Banneitz [4] finden sich Informationen zum "Wirtschafts- und Presserundfunk".

1) Hahn, W.: Der drahtlose deutsche Telephondienst. Jahrb. f. drahtl. Telegr. 21, S150, 1923

Wirtschafts-Rundfunk und Presse-Rundfunk werden in Banneitz [4] wie folgt definiert. Hier nur auszugsweise wiedergegeben. (Text: Thurn, W.)

Man beachte die präzisen Vorgaben für die Empfangsanlagen und die Antennen (damals "Luftleiter" genannt).

Hahn [2] gibt den Verkehrsplan des Inlands-Funknetzes für 1922 an. Die Zahlen geben die Wellenlängen an, nicht die Frequenzen.

Sender für Presse- und Wirtschaftsrundspruchdienst

Informationen zu den Sendern findet man bei Hahn [3]. Hier werden nur die Schaltbilder bzw. Blockschaltbilder davon gezeigt. (Bilder 16 - 19)

Bild 16 ist der Schaltplan eines Senders in Königs-Wusterhausen. Es könnte sich um die Sender-Teile (c & e) der Abb. 1 aus "Funk 1924" handeln.

Die mit [7] bezeichnete Literaturstelle ist die von oben: 1) Hahn, W.: Der drahtlose deutsche Telephondienst. Jahrb. f. drahtl. Telegr. 21, S150, 1923

 

 

 

Zur damaligen Zeit gab es auch noch Maschinen-Sender System "Lorenz". Für Übertragungen auf der (kommerziellen) Langwelle waren Maschinensender z.T. noch üblich.

Die Modulation des Senders erfolgte mit Hilfe einer "Pungs-Drossel" (Telephonie-Drossel) in der Antennen-Leitung nach der Erde hin, Bild 17.

Weiteres zu Maschinensendern siehe "AM-Modulatoren" Kap. 2.1; zur "Pungs-Drossel" (Telephonie-Drossel) Kap. 2.2.

 

 

Die "Telephonie-Drossel" ist ein magnetischer Verstärker, dessen prinzipielle Konstruktion und Funktionsweise in Abb. 60 dargestellt ist. [6]

 

 

 

Der 10 KW Poulsen-Sender (Lichtbogen-Sender) ist im nächsten Bild von Thurn zu sehen.[11] (Siehe auch Fig. 18 in Wireless World: "German Broadcast Receivers".)

 

Eine noch bessere Aufnahme dieses Poulsen-Senders gibt es in Elwell [12], Abb. 44.

Im mittleren Feld (ohne Abdeckplatte) ist der Poulsen-Generator zu sehen.

 

 

 

Lichtbogen-Sender konnten (wie Maschinen-Sender auch) nur mit Hilfe einer Telephonie-Drossel (Pungs-Drossel) moduliert werden.

(Für Telegraphie mit Lichtbogen-Sendern, wie es zuvor üblich war, wurde in den Tastpausen nur die erzeugte Frequenz verändert. Der Lichtbogen als solcher ließ sich nicht so schnell löschen, wie das für Telegraphie nötig gewesen wäre.)

Die "Telephonie-Drossel" in Abb. 119 ist wie gezeichnet zwar theoretisch so möglich. In der Praxis wahrscheinlicher ist jedoch die Schaltung, wie sie von Hund [6] in Abb. 60 angegeben wird.  

 

In Bild 18 ist das Leitungs-Schema der Eildienst-Gesellschaft angegeben.

Bild 19 zeigt das Leitungs-Schema für Wolffs Telegraphisches Büro.

 

Empfänger für den Wirtschaftsrundspruchdienst

In Banneitz [4] hat F. Eppen das Kapitel zu den Empfängern verfaßt. Zum Wirtschaftsrundspruchdienst gibt es dazu folgende Ausführungen.

In Abb. 974a ist die Schaltung des Empfängers für ein Gleichstrom-Netz gezeigt. In Abb. 974b sieht man das Netzteil für ein Wechselstrom-Netz.

Zur damaligen Zeit gab es  noch viele Gleichstrom-Netze.

Beispiele für die verschiedenen Möglichkeiten, die einzelnen Komponenten zusammen zu schalten, werden in [3] gezeigt, Bild 20.

Die Abb. 973 zeigt die Empfangsanlage bei Banneitz [4]. Offensichtlich handelt es sich um die Variante "Schaltung 5" aus Bild 20.

Ein entsprechendes Bild gibt es bei Zenneck / Rukop [5].

Bei genauerer Betrachtung erkennt man, daß im Bild Abb. 973 aus [4] der Mann und der Schreibtisch aus Fig. 751 [5] weg retuschiert sind.

 

Es scheint so, daß es vom Pressedienst-Empfänger kein anderes Bild gibt. Man findet es auch in Lich [7], Abb. 58.

Dafür gibt es bei Lich ein Bild des geöffneten Empfängers, Abb. 59, und seine Schaltung, Abb.60.

 

 

 

Abb. 61 zeigt das Innere eines "Einröhren-Verstärkers" und Abb. 62 dessen Schaltung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom "Deutschen Presse-Funknetz" gibt es eine Graphik in Günther [8].

In der Abb. 16 [8] ist ein Empfansstelle für das Pressefunknetz dargestellt. Ein ähnliches Bild davon findet sich auch bei Nothdurft [9] als Abb. 65.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Ergänzung zwei Artikel aus der "Wireless World" [10] von 1923, die zusätzliche Fotos der Geräte zeigen.

Literatur:

[1] Thurn, H.: Drahtlose Telephonie im Wirtschaftsdienst, Funk 1924, pp. 34 - 36

[2] Hahn, W.: Das Entstehen drahtloser Nachrichtendienste und deren Weiterentwicklung durch die Deutsche Reichspost bis zum Ende des zweiten Weltkriegs, Archiv für das Post- und Fernmeldewesen, Nr. 4, 1963

[3] Hahn, W.: Über Funkanlagen der Deutschen Reichspost aus den Jahren von 1919 bis 1944, Archiv für das Post- und Fernmeldewesen, Nr. 6, 1964

[4] Banneitz,F.: Taschenbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie, Springer, 1927

[5] Zenneck, J.; Rukop, H.: Drahtlose Telegraphie, 5.A., Enke, 1925

[6] Hund, A.: Hochfrequenz-Meßtechnik, 2. A., Springer, 1928

[7] Lich, O.: Die Werkstatt des Radio-Amateurs, Schmidt, 1924

[8] Günther, H.: Radiotechnik, Frankh, 1921

[9] Nothdurft, O.: Rundfunk fürs Haus, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, o.J. (1921/22?)

[10] "Wireless World" ist ab 1911 komplett im Netz als .pdf zu finden.

[11] Thurn, H.: Die neuzeitliche Entwicklung der drahtlosen Telegraphie und Telephonie in Deutschland, Archiv für  Post und Telegraphie, Nr. 11, 1922

[12] Elwell, C.F.: Der Poulsen-Lichtbogengenerator, Springer, 1926 (Übersetzung aus dem Englischen 1923)

[13] Borgsmüller, W.: Das neue Rundspruch-Empfangsgerät, Telegraphen- und Fernsprechtechnik, X. Jahrgang, Nr. 12, Dez.1921 (Mit Schaltbildern für Empfänger, Empfänger mit Zwei-Röhren-Verstärker, Empfänger mit 3 Ein-Röhren-Verstärkern)


Mein Dank gilt den Kollegen Hans Knoll und Eckhard Kull für die Bereitstellung von Bildern und Texten.

MfG DR

  
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