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funke: RPG 4/3; Restaurierung, Umbau

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Hans-Dieter Haase † 5.2.18
Hans-Dieter Haase † 5.2.18
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07.Apr.11 09:43

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Über den Umbau des RPG4-3 nach Funke-Angaben ist hier schon geschrieben worden. Wenn man aber selbst das erste Mal vor dieser Aufgabe steht, kommt man doch ins Grübeln.

Das fängt bei der Gehäusefarbe an. Da die Gehäuse meist mehr oder weniger angerostet sind besteht Handlungsbedarf. Bei meinem Gerät habe ich den Eindruck, dass das Äußere schwarz ist, innen aber einen von Schwarz abweichenden Grauton hat. Die Fotos im RM belegen das teilweise, wobei auch einmal das Äußere im Grauton erscheint. Dieser Farbton ist mir im Zusammenhang mit der Berta-Restaurierung schon einmal begegnet, manchmal wurde das auch als "Stahlhelmfarbe" bezeichnet. Ich tendiere dazu das Gehäuse auch außen in diesem dunklen Grauton zu lackieren.

Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach aber der Umbau des Gerätes nach Funke-Anleitung. Vor dem Öffnen meines Gerätes hatte ich noch die feste Absicht, diesen Umbau durchzuführen. Da vom Hersteller selbst vorgeschlagen sehe ich hier keinen Stilbruch bzw. keine Verbastelung.

Der Umbau auf H2-Buchse, der Einbau der zweiten Octalfassung und das Auswechseln der Stahlröhrenfassung gegen die 10-polige Ausführung lassen sich noch einfach ausführen, danach wird es aber schwierig. Es existieren im Netz Fotos auf denen das relativ einfach aussieht. Bei meinen Gerät sitzen aber in diesem Bereich 4 Becherkondensatoren, die den Frontplattenbereich verdecken. Selbst das erforderliche Auswechseln der Netzzuleitung wird problematisch, weil der Anschluss am Netzspannungswähler nicht zugänglich ist.

Außer dem von Funke vorgeschlagenen Ausbau des Instrumentes muss wahrscheinlich auch die Kondensatorbatterie ausgebaut werden. Das hat allerdings den Vorteil, dass die Kondensatoren geprüft und gegebenenfalls restauriert werden können. Ein Ausbau der kompletten Frontplatte erscheint mir noch schwieriger. In Post 7 hat Herr Junginger andeutungsweise vom "nicht ganz trivialen Umbau" gesprochen. Die zusätzlichen Fassungen in den Deckel einzubauen wäre die einfachste Lösung, aber dort stehen nur acht Anschlüsse zur Verfügung.

Z.Zt.  tendiere ich zur Adapterversion. Für Rimlock- und Miniatur-Fassungen bietet sich die neue zweite Octalfassung an, für die Novalfassung die neue 10-polige Stahlröhrenfassung.

Wer kann über Erfahrungen bei der Restaurierung / Umbau berichten?

HDH

Edit Nachtrag: Mein Gerät hat die Werk-Nr. 4267. Der Trafo trägt einen Prüfstempel vom 30.Okt. 1944.

This article was edited 07.Apr.11 12:45 by Hans-Dieter Haase † 5.2.18 .

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Hans-Dieter Haase † 5.2.18
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01.May.11 15:34
 
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Nachdem sich niemand berufen fühlt seine Erfahrungen hier kund zu tun werde ich das nun nach erfolgtem Umbau meines Geräte machen.

Vorweg aber einige Anmerkungen. Es ist das serviceunfreundlichste Gerät welches mir in den letzten Jahren in die Hände gekommen ist. Denn gerade Verschleißteile wie Röhrenfassungen sollten eigentlich gut zugänglich sein. Deswegen meine Warnung an alle, die den Umbau vornehmen möchten. Es ist viel Geduld und Fingerfertigkeit erforderlich um ein handwerklich ordentliches Ergebnis zu erzielen.

Es wird viel über Funke-Röhrenprüfgeräte geschimpft und zugegeben, es gibt bessere. Trotzdem muss man der Idee von Herrn Funke  Respekt zollen. Damals ein Gerät zu entwickeln, welches es Laien erlaubte, fast jede beliebige Röhre in kürzester Zeit zu überprüfen, war schon eine beachtliche Leistung. Er hat ja dann auch ein Patent dafür bekommen. Dass sich bei der Vielzahl der Karten Fehler eingeschlichen haben liegt in der Natur der Sache. Es gab schließlich noch keine Rechner zur Datenverwaltung. Dass man Röhren korrekter prüft, indem man die vom Hersteller angegebenen Betriebsdaten anlegt, ist jedem Techniker klar, und so mache ich das bei meiner einfachen Selbstbauanordnung (Post 10) auch. Herr Roschy hat mit seiner Meinung (Post 2) möglicherweise Recht, ich kann das nicht beurteilen. Trotzdem haben sich die Funkegeräte durchgesetzt. Wenn man so ein Gerät günstig erstehen kann reizt trotz der Nachteile doch die Restaurierung und das Arbeiten damit.

Ein erste Überraschung barg das Typenschild, welches lose im Prüfkartenfach lag. Die Vorderseite zeigt das übliche Bild wobei der Text "Bittorf &" herausgefräst ist. Auf der Rückseite ist eine zweite schächere Gravur aufgebracht mit der gleichen Werknummer wie auf der Vorderseite. Das Fertigungsjahr ist mit 1946/47 angegeben. Also eine Nachkriegsfertigung mit noch vorhandenen Teilen, denn der Trafo trägt einen Prüfstempel vom 30. Oktober 1944.

Typenschild Vorder- und Rückseite

Damit hat sich die Frage nach der Gehäusefarbe ansatzweise geklärt. Die Geräte vor 1945 gefertigt für Wehrmachtseinsatz waren vermutlich grau mit in großen schwarzen Buchstaben aufgebrachter Typenbezeichnung. Die nach Kriegsende gefertigten Geräte waren wie mein Gerät vermutlich schwarz.

Da bei der Netzzuleitung hinter der Einführung in das Gehäuse die Aderisolierung zerbröselt war, musste die Leitung ausgewechselt werden bevor überhaupt ein Funktionstest erfolgen konnte. Wie in Post 1 beschrieben war der Anschluss am Spannungswähler durch die Becherkondensatoren verdeckt. Und hier nochmals eine Warnung: Arbeiten an diesem Gerät sind nichts für ungeduldige Leute. Das Auswechsen der Netzuleitung kann dann schon einmal mehrere Stunden dauern, weil immer wieder die Muttern herunterfallen.

Also musste die Kondensatorbatterie ausgebaut werden. Die Befestigungsschrauben waren wie alle anderen Schrauben auch mit Sicherungslack gesichert; dunkelgrauer Lack bei den Schrauben auf dunkelgrauem Blech und brauner Lack im Bereich der braunen Pertinaxfrontplatte. Da war man offensichtlich sehr eigen.

Die Muttern waren für Schraubenschlüssel jeglicher Art kaum zugänglich. Hier hilft für das Lösen der Schrauben ein Tropfen Azeton, aufgebracht mit einer Einwegspritze. So ließen sich die "angeweichten" Muttern mit dem Finger festhalten. Der Zugang zu den Schraubenköpfen in dem engen Prüfkartenfach mit einem kurzen Schraubendreher erfordert auch einiges an Geschicklichkeit, noch schwieriger ist das im Kabelfach bei der Zugentlastungsschelle.

 

 

Schlecht zugängliche Schrauben der Zugentlastungsschelle im Kabelfach, etwas für Leute mit kleinen Händen.

 

 

 

 

Die Kondensatorbatterie bestand aus 4 Blöcken a 4 µF, je zwei Blöcke waren mit Blechstreifen zusammengelötet und mit passend zugeschnittenen Befestigungswinkeln versehen. Das sah absolut professionell aus, muss aber wohl nachträglich gemacht worden sein, oder aber es stand der original vorgesehene Kondensator nicht mehr zur Verfügung. Ein mit Bleistift aufgebrachtes "E" und eine Unterschrift deuten darauf hin. Der graue Sicherungslack deutet auf Bau oder Reparatur bei Funke hin. Für die Befestigung waren zwei zusätzliche Bohrungen (nicht angesenkt) angebracht worden.


 

 

 

Die eingebaute alte Kondensatorbatterie

 

 

 

Eine Überprüfung der Kondensatoren ergab, dass diese noch in Ordnung waren. Trotzdem wurden sie wegen der besseren Zugänglichkeit zu den dahinterliegenden Bauelemente durch kleine Bauformen ersetzt. Wegen der möglichen 500 V - Anodenspannung wurden 2 x 2 16 µF- Kondensatoren a 450 V gewählt. Für einen ersten Probebetrieb musste das reichen. Später können die Kondensatoren wegen der Optik in einen passenden Becher gesetzt werden.


 

 

 

 

 

 

 

Die erste Inbetriebnahme zeigte keine Reaktion. Ursache waren Kontaktprobleme am Netzschalter und im Spannungswähler / Sicherungshalter. Nach Beheben dieser Störungen ließen sich Röhren prüfen. Leider hakt das Anzeigeinstrument in der Skalenmitte. Das fällt nur auf, wenn bei einer indirekt geheizten Röhre der Anodenstrom langsam ansteigt oder der Messwert in diesem Bereich liegt, also immer wenn das auf die Drehspule wirkende Drehmoment klein ist. Leichtes Klopfen auf das Instrument bringt dann meist Abhilfe.

Jetzt stand die endgültige Entscheidung an: Einbau der neuen Röhrenfassungen oder Bau von Adaptern. Da die Modifizierung nach Funke-Anleitung ohnehin ein Ausbau des Messinstrumentes erforderlich macht war die Entscheidung klar: Einbau der Röhrenfassungen in das Gerät. Relativ schonend geht das für die großen Löcher mit einem Schälbohrer oder Stufenbohrer, aber nicht ohne vorher eine Probebohrung an einem Stück Pertinax gemacht zu haben. Bei vorsichtiger Arbeit brechen die Ränder auch nicht aus.


 

 

oben Schälbohrer, unten Stufenbohrer

 

 

Hier lauert bereits eine Falle. Man ist geneigt, die Fassungen soweit als möglich nach oben anzuordnen um evtl. noch Platz für eine vierte Fassung zu haben. Da aber die Prüfkarten ca. 5 mm über das Steckbrett nach unten herausragen, sollte genügend Abstand gelassen werden. Da man beim Anzeichnen der Bohrungen normalerweise keine Karte auflegt, kann es sonst später bei einer Rimlock-Fassung mit Kragen eng werden. Ich habe diesen Fehler gemacht, da ich aber eine kragenlose Rimlockfassung verwendet habe, ist das kein Problem sondern bestenfalls ein Schönheitsfehler.

Spätestens jetzt sollte man sich Gedanken über die Verdrahtung machen. Die Umbauangaben von Funke geht man am Besten der Reihe nach durch und überlegt sich, wie man mit dem Lötkolben an die Lötstellen herankommt. Notfalls mit dem kalten Kolben üben, damit später nicht zu viel Drähte verschmort werden. An manchen Stellen hat mir die gute alte Engel-Lötpistole mit eingebauter Lötstellenbeleuchtung geholfen. Der Hinweis von Funke, dass man an die entsprechenden Kontakte der vorhandenen Fassungen anlöten solle, ist nicht immer optimal. Bei den meisten Verbindungen sind die blanken Drahtbrücken auf dem Steckbrett als Verfielfacher besser geeignet. Lediglich an die Brücke für Potential "1" und "K" ist nicht heranzukommen, da diese durch den Trafo verdeckt werden. Potential "H1" steht nicht als Brücke zur Verfügung und muss von einer vorhandenen Fassung geholt werden.

Generell ist zu überlegen, ob nicht vorher der Netztrafo ausgebaut werden sollte. Im nachhinein tendiere ich dazu, da man dann die H2-Buchse und den Anschluss 5 der 8-poligen Außenkontaktfassung besser erreichen kann und generell für alle anderen Arbeiten mehr Platz hat. Wegen der vielen Anschlüsse am Trafo und der schlecht erreichbaren hinteren Befestigungsschrauben habe ich davon Abstand genommen. Dafür musste ich aber die vorderen Drähte an der 8-poligen Außenkontaktfassung ablöten um an Anschluss 5 zu kommen. Ebenfalls mussten Drähte an der Hochspannungsschaltbuchse abgelötet werden um die Buchse H2 verdrahten zu können. Die abzulötenden und frei hängen zu lassenden Drähte isoliert man am Besten mit Schrumpfschlauch.

 

 

 

8-polige Außenkontaktfassung vor dem Umbau, irgend jemand hat hier schon einmal Drähte angeschmort.

 

 

 

 

 

8-polige Außenkontaktfassung, Drähte abgelötet und hochgebogen, jetzt kommt man an Anschluss 5 hinter dem jetzt mit Schrumpfschlauch isolierten früheren gelben Draht "K".

 

 

 

Die neuen Fassungen habe ich vor dem Einbau mit Anschlussdrähten versehen. Zur Vorbeugung gegen wilde Schwingungen habe ich über die Anschlussdrähte Ferritperlen geschoben und mit Schrumpfschlauch fixiert.

 

 

 

 

 

 

Die Heizungsanschlüsse habe ich auf kurzem Weg nach dem Einbau verdrahtet, da hier keine Ferritperlen erforderlich sind.

Die Drähte führt man entlang der Kabelbäume, sortiert sie entsprechend und fasst dann gleiche Anschlüsse zum Verlöten zusammen. Wenn man die Original-Drahtfarben verwendet hat, geht das relativ problemlos. Das Fixieren mit modernen Kabelbindern möge man mir verzeihen, aber Bindegarn stand nicht zur Verfügung und wäre auch bei der Enge im Gerät zu mühsam gewesen.

Vor dem Einbau des Instrumentes erfolgte das Entrosten und Lackieren des Gehäuses. Der alte Lack ließ sich mit Azeton anlösen. Nach dem Anschleifen ließen sich so Übergänge egalisieren. Perfektionisten hätten natürlich den alten Lack komplett abgewaschen. Da der genietete Blechkasten aber ohnehin keine Schönheit ist und auch einige Dellen hatte, habe ich mich für das Überspritzen entschieden. Bei der Farbwahl ist man dann stark eingeschränkt, da man im Baumarkt als Sprühlack nur schwarz oder anthrazit bekommt. Ein Probespritzen mit mattschwarz ergab eine schlechte Optik da viel zu schwarz. Anthrazit matt wirkte da viel besser. Es hätte etwas dunkler sein können, ist aber ein guter Kompromiss zwischen innen und außen.

 

 

 

 

 

 

 

Gehäuse vor und nach dem Neulackieren.

Nach dem Trocknen konnten die Holzleisten montiert und letztlich auch das Instrument wieder eingebaut werden. Auf ein Öffnen des Instrumentengehäuses zur Untersuchung des "Zeigerhängers" habe ich verzichtet. Man kann das meistens nur Verschlimmbessern. Die Überprüfung der Umbauarbeiten habe ich nach der Funke-Liste vorgenommen und keine Fehler festgestellt. Jetzt konnte ich endlich mal meine alten Wehrmachtsröhren überprüfen.

Hier noch zwei Bilder des fertigen Gerätes:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die Verwendung der original Drahtfarben und schwarzer Kabelbinder fallen die Umbauten in der Verdrahtung kaum auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein letzter Hinweis sei noch gegeben. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass bei den Lötarbeiten das Lötzinn schlecht floss. Besonders fiel mir das bei den Drahtbrücken am Steckbrett auf. Ob das nun an der Qualität des damals verwendeten Lötzinns lag oder ob das alte Lötzinn einen höheren Schmelzpunkt hat vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls brachte eine Erhöhung der Lötkolbentemperatur auf 400 °C eine Verbesserung.

 


 

This article was edited 01.May.11 15:54 by Hans-Dieter Haase † 5.2.18 .

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