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Gegenkopplung im NF-Teil. Wo und wie wird sie eingesetzt?

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Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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15.Jan.16 11:14
 
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Eine Frage von Herrn Ingenieur R. Drabek  zum  Artikel "Toleranzen von Röhren mit zwei gleichen Systemen" :  Ich weiss ja nicht welche Anforderungen an die Verstärker gestellt werden. Klirr , Dämpfung etc. Aber bei allen Beispielen erkennt man eine Leitung von "hinten nach vorne" wenn ich es richtig sehe.

Diesen Einwand von H. Drabek verstehe ich leider nicht gänzlich. Da die Antwort auf diese Frage im Thread zu den Toleranzen von Röhren mit zwei gleichen Systemen etwas "off topic" wäre, soll sie hier beantwortet werden, um dort den Gedankengang nicht zu unterbrechen.

Es ist seit 1936 Stand der Technik, im NF Teil von Radios mit Gegenkopplung zu arbeiten, wie im Band 2 der "Fortschritte der Funktechnik"  (1937) bereits auf S. 1 nachzulesen ist.

Zitat: "Jedenfalls kommt die Erkenntnis von der Bedeutung der Dreipol-Endröhre für die Tongüte etwas verspätet, da es im letzten Jahr [1936] gelungen ist, die durch die Fünfpol-Endröhre bewirkten nichtlinearen Verzerrungen mit Hilfe der Gegenkopplung (feed-back) stark herabzusetzen. Über diese Schaltart und ihre Einwirkungen auf die Röhrendaten werden wir weiter hinten gleichfalls noch sprechen."

Über Gegenkopplung im NF Zweig von Radios findet man nicht nur etwas in Band 2 (1937) der "Fortschritte der Funktechnik und ihrer Grenzgebiete", sondern in jedem weiteren Band ein Kapitel über Gegenkopplung. In den späteren Bänden wird das Thema dann noch gründlicher behandelt und durch Schaltungsbeispiele angereichert.

K. Posthumus (PHILIPS) erfand im Jahre 1928 die heute übliche starke Gegenkopplung zur Verzerrungsminderung, mit der gleichzeitig die Verstärkung wesentlich herabgesetzt wird.
DRP #709528, 1928. Quelle: Lehrbuch der Funkempfangspraxis  PITSCH, Band1 §308-326 S. 492

Daher die Antwort zur Frage am Anfang der Seite: Richtig ! Alle Schaltungen im Artikel arbeiten mit einer Gegenkopplung. Das ist heute der Standard, noch mehr als in den '30er Jahren!

 

Hier die Version "Fusspunkt-Gegenkopplung" im MENDE 216GW von 1939

 

oder im SCHAUB SUPER KW 40W 

Ob Klirrfaktoren als Anforderungen von Belang sind steht ab hier nochmals, wie schon im Originaltext bei BRAUN RC9 und GRUNDIG NF10

Der Dämpfungsfaktor wird beim GRUNDIG NF10 genannt und als Bedingung für ein HiFi Modell in den Ausschnitten der DIN 45600 Blatt 6, ebenfalls im Originaltext. 

Beim BRAUN RC9 steht ein Klirr = 0,8% bei 5Watt Ausgangsleistung.

 

 

 

 

 

 

 

Beim GRUNDIG NF10, findet man im Text: Klirr <1% bei 1000Hz und 8,5Watt /Kanal,
Dämpfungsfaktor: D= 6,25 oder 15,9dB: 5Ω Last zu 0,8Ω Innenwiderstand
Frequenzgang: 30 bis 20.000 Hz +/- 1dB und vieles mehr.

Davon dass die Entwickler bei allen Modellen, die im Artikel angeführt sind, eine Gegenkopplung vom Lautsprecher-Ausgang zum Signaleingang benutzt haben, kann man ausgehen.      

Die Schaltungen aus der Zeit vor der HiFi Revolution, benutzten vom Einkreiser bis zum Spitzensuper, negative Rückkopplungen im Sprachgebrauch als Gegenkopplung bekannt. Ja selbst der als "Göbbels-Schnauze" bekannte DKE hatte eine Gegenkopplung! Diese Schaltungenart der Signalrückführung, wurden nicht nur zur Reduktion von Verzerrungen, sondern gleichzeitig zur Klangbeeinflussung benutzt.  Typisch die Rückführung in das untere Ende (Fusspunkt) der Lautstärker-Stellers. Im Fachjargon daher: Fusspunkt-Gegenkopplung.

 Als Beispiel "Einkreiser" 88GW von 1950 (ID:1855)

 als Fusspunkt-Gegenkopplung "PK58"

In  hochwertigen Verstärkerschaltungen, werden bis auf wenige Ausnahmen, die Klangbeeinflussungen in den Vorstufen vorgenommen. In den Endstufen sieht man nur lineare Gegenkopplungen in denen nur der Phasenfehler der Schaltung, vorzugsweise die der Übertrager, kompensiert wird. Daher liegt dort nur ein Widerstand dem eine Kapazität direkt parallel geschaltet ist, oder selten eine Serienschaltung von R und C, die dann aber parallel zum Gegenkopplungswiderstand liegt.

Als erstes Beispiel:  der GRUNDIG NF10  (Die Drossel in der Gegenkopplung ist ein Bauteil zur EMV-Entstörung des Verstärkers. Die Lautsprecherleitungen wirken sonst als UKW-Antennen.)


Als zweites Beispiel: der SCOTT 272

Und zuletzt:  der SABA-TELEWAT mit zwei Gegenkopplungen.

 

 

zum SABA zwei unabhängige Messungen eines Audio-Fachmannes in einer HiFi-Zeitschrift

 

 

 

 

 

 

 

V

 

 

Vergleicht man den linken mit dem rechten Kanal, kann man leicht erkennen, dass eine Gegenkopplung alleine nicht alles in Ordnung bringt. Man muß sie auch an der richtigen Stelle abgreifen!


Der Grundig NF10 wurde nach Werksangaben, im Gegensatz zum Vorgänger NF1, natürlich wieder mit Gegenkopplung versehen, dazu aber die Ausgangstrafos mit Spezialblechen ausgestattet.
Die Kurven dazu hier:
 

Der im Originaltext erwähnte GRUNDIG NF20 wird mit dieser Kurve vorgestellt.

Hier nochmals das vereinfachte Schaltbild vom NF-teil des NF20

Ein weiteres bisher nicht gezeigtes und hochgelobtes GRUNDIG Modell, das Steuergerät 6199.
Ein Modell, das ohne HiFi-Norm angeboten wurde. Mit 2x ELL80 und Gegenkopplung.

 

Schaltbild GRUNDIG 6199 Jahrgang 1960

 

Die Ausgangsdaten des GRUNDIG 6199 ( nicht HiFi) mit 2x ELL80 und Gegenkopplung. Vergleicht man dessen Werte mit dem HiFi Verstärker NF10, ebenfalls 2x ELL80, oder dem BRAUN RC9 mit ELL80 und  0,8% bei 5Watt,  kann man erkennen, dass es die Gegenkopplung alleine es auch nicht bringt.

Deren Anwendung oder Vorhandensein, ja der Inhalt der Frage des Herrn Ing. R.  Drabek war.  


Nachtrag: der GRUNDIG HiFi Verstärker NF1 genügt zu zwar auch zu 100% der DIN 45500.

Wenn Sie genau vergleichen,  sowohl am  unteren als auch am oberen Bereichsende zeigen sich doch wesentliche Abweichungen zum verbesserten NF10. Obwohl beide natürlich gegengekoppelt sind. Wie schon erwähnt, wurden die Ausgangstrafos verbessert. Bild aus Grundig TI man hat mit unterschiedlichen Frequenzen gearbeitet, um  sicher unter der DIN Grenze zu bleiben. 

Hans M. Knoll

This article was edited 16.Jan.16 15:44 by Hans M. Knoll .

  
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