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siemens: Anmerkungen zur Schatulle M57

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Eike Grund
Eike Grund
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14.Mar.09 14:08

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Dies ist kein umfassender Reparaturbericht. Am Beispiel der SIEMENS Kammermusik-Schatulle M 57 habe ich einige Hinweise zum Umgang mit den Schatullen zusammengefasst. Ich habe dabei versucht, zu Fragen die schon früher unter der M57 diskutiert wurden, etwas ausführlicher Stellung zu nehmen. Auch der Ersatz verschmutzter Türbespannungen - ein typisches Schatullenproblem - wird ausführlicher behandelt.

Ich hatte schon an anderer Stelle auf die besondere Eignung des Chassis der kleineren Schatulle H42 zur Restauration durch den noch weniger erfahrenen Restaurateur hingewiesen. Das gilt auch für die M57, wenn man von der anspruchsvolleren Technik (mehr Hf-Kreise und Gegentaktendstufe) absieht: Keine unübersichtlichen spannungsführenden Teile, gute Zugänglichkeit zu den Bauteilen, insbesondere zu den Tastenkontakten, gute Qualität bei den Bauteilen, die aus der hauseigenen (S&H) Fertigung stammen, mit einem deutlichen Anteil von Styroflexkondensatoren. Der Eigenfertigunganteil lag bei den S&H-Schatullen fast bei 100%, außer den Drehkondensatoren konnte ich kein Bauteil entdecken, das nicht aus der Fertigung S&H stammt. Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit (und damit auch der Bedarf an Bauteilen) der S&H lag aber bei der kommerziellen Nachrichtentechnik (Fernsprechtechnik und Weitverkehrstechnik). Die Einstellung der eigenen Rundfunkfertigung Anfang der 60er löste daher auch kein Erdbeben aus.

Zurück zum Thema:  ... Und dann das Erfolgserlebnis für den Restaurateur durch den gewaltigen Klang des technisch überprüften Radios, wenn alle Ströme und Spannungen wieder im Grünen Bereich liegen. Der Spannungswähler konnte hier auf 250 Volt eingestellt werden. Die Heizspannung stimmt damit ziemlich genau, die Anodenspannung musste etwas angehoben werden. In der 220-Volt Position läge die Heizspannung deutlich über 7 Volt. Ich nehme noch ein weiteres Erfolgserlebnis vorweg: Die Empfangsleistung übertrifft die meines Freiburg 9 deutlich.

Zu Beginn das vorher - nachher - Bild der hier besprochenen M57

 Was sonst noch auffällt:

Die gut zu reinigenden Tastenkappen und C im Glas

Bei den Schatullen stecken die Wickel der ungeliebten Folienkondensatoren gut geschützt in einem beidseitig vergossenen Glasröhrchen. Daher halten diese nach meinen Erfahrungen einer Messung im Durchschnitt besser Stand, als andere Typen. Bei dieser Schatulle konnten (vorerst) alle Kondensatoren belassen werden. Eine diesbezügliche Prüfung wird nach einigen Wochen beaufsichtigten Betriebes wiederholt werden. Nur die beiden 5nF C's, die die Netzspannung auf Masse legen (s. im Bild 2), wurden vorsorglich ersetzt. Der gewissenhafte Restaurateur hat zudem die Möglichkeit, einen Ersatzkondensator unsichtbar in dem Röhrchen verschwinden zu lassen. Zum Verschluss gibt es schwarze Patronen für Heißklebepistolen.

Links: Wo sind die Kondensatoren? Die Kondensatoren im Röhrchen findet man immer mit Kontakt zum Chassis, meistens noch mit einem Kleber fixiert. Das hat einen gewissen Schirmungseffekt und schützt die Glasröhrchen bei Reparaturarbeiten und vor allem während der Fertigung am Fließband, denn die zuerst eingebauten C's waren erst einmal aus dem Weg (die Lötkolben waren noch etwas größer und ziemlich heiß).

Rechts (Bild 4): Da ist viel Platz auf dem Chassis, gute Bedingungen für die Wärmekonvektion.

 

Links (Bild 5): Zur Einstellung der AM-Bandbreite werden zwei der drei Kombinationsbandfilter manipuliert.

Rechts (Bild 6):  EM80 (SIEMENS) aus neuerer und aus alter Fertigung.

Der Leuchtschirm der "richtigen" Röhre (Bild 7), aus zeitgenössischer Fertigung, die hier wieder eingesetzt wurde. Dieses wertvolle Teil kann auch geschont werden: Beim Schließen einer der beiden Türen erlischt das grüne Licht. Bild 8 zeigt die zur Reinigung gut zugänglichen Tastenkontakte. In den kleinen Bechern stecken die Spulen der FM- Bandfilter, die noch vor der ECH81, vor den Kombinationsbandfiltern, arbeiten. Bei der H42 stehen dort die Spulen für die UKW-Ortssendertaste.

 

Rechts sehen wir eines der Kombinationsbandfilter. Es gibt keine Ferritkerne mit Gewinde. Das hat zunächst den Vorteil, dass hier noch kein Bastler vor uns dran gedreht haben kann. Die hier verwendeten Ferritkerne, die in so genannten Abgleichhalmen stecken, wurden ab Werk am äußeren Rand fixiert, die überstehenden Halme wurden vorher bündig abgetrennt. Darüber hinaus wurden die Löcher des Gehäuses werkseitig mit Tesafilm verschlossen. Ab Werk wurden auch Ersatzhalme beigefügt, die in einem kleinen Tütchen aufbewahrt sind. Findet man dieses Tütchen noch, so ist das ein gutes Zeichen. Diese Bandfilter müssen daher selten nachgeglichen werden (was auch an den hochwertigen Styroflexkondesatoren liegt). Wenn doch, wird es etwas mühsam: Der Hersteller empfiehlt, die Fixierung der Halme mit Hilfe eines Spiralbohrers zu lösen und dann weiter mit einer spitzen Pinzette zu operieren. Das funktioniert auch, aber die äußeren Halme (die auch die Spulen tragen), brechen dabei leicht auf. Bei dieser Schatulle war nicht der geringste Nachgleich bei den Bandfiltern erforderlich. Und so sieht das Tütchen aus (Bild 9, links), mit einer Ersatzsicherung und neuen Abgleichhalmen, manchmal etwas versteckt an einer Seitenwand befestigt.

Nur der Schaltplan dieser M57 hatte schon vorher den Eigentümer gewechselt.

Noch ein Blick auf die (rötlich schimmernd beleuchtete!). Bedieneinheit: Netzschalter und Lautstärke sind auch bei geschlossenen Türen erreichbar. Bei geschlossenen Türen sind Skalenlämpchen und die Abstimmanzeige ausgeschaltet, aber das rötlich schimmernde Stellrad zeigt die Betriebsbereitschaft an.

Mit der Gehäusekosmetik beginnt man zweckmäßigerweise erst nach erfolgreicher Sanierung der Technik. Diese Schatulle war auch bezüglich der Stoffe noch vollständig, aber die Türstoffe mit großflächigen Flecken wurden auch durch eine Wäsche nicht mehr sauber, im Gegenteil waren danach die Flecken noch besser zu sehen. Geeignete Türstoffe sind relativ leicht zu finden. Leider findet man auch Schatullen ohne den Stoff in den Türen vor. Diese wurden vermutlich wegen Verschmutzung entfernt, Schatullen mit noch sauberen (dekorativen!) Türstoffen sind eher selten. Die Schallwand, durch die Türen geschützt, findet man dagegen eher in gutem Zustand.

Auch in diesen Fällen lohnt sich eine Wäsche, wie man im Bild rechts sieht. Dadurch wird auch der Stoff vor den Lautsprecheröffnungen wieder straff. Zur Wäsche bleibt der Stoff auf der Schallwand, die Lautsprecher müssen entfernt werden. Man muss schnell arbeiten und schnell und gründlich trocknen (hier: saugende Unterlage, Heißluftgebläse und Backofen). Es gibt verschiedene Methoden zur Reinigung der Schallwände, die auch hier im RMorg schon beschrieben wurden.

Nun zum Ersatzstoff für die Türen: Bild 12 zeigt einen für eine H52 über ebay bezogenen Ersatzstoff, der dort gelegentlich für jede Schatulle fertig zugeschnitten angeboten (www.1r2.de) wird. Das Bild zeigt Schallwand und Tür der Schatulle H52 mit diesem Ersatzstoff. Er passt auch für die H42, die Metallflügel sind identisch.

Für meine M57 standen 3 Stoffe aus eigenen Vorräten zur Auswahl. Der Farbton und die Feinstruktur müssen zur Schallwand passen, die Türbespannung sollte keine Musterung aufweisen. Nur meine im Jahre 1965 im B-Lager der SIEMENS AG fabrikneu erworbene Schatulle M47 hatte ein Muster in der Türbespannung - aber deshalb stand sie schließlich 10 Jahre im Lager für nicht verkäufliche Sachen. Bild 13 zeigt die Originale und drei in Frage kommende Ersatzstoffe für die Türen, auf der Schallwand liegend.

Bild 14 zeigt die Feinstruktur in Nahaufnahme. Ganz links die Schallwand, daneben der originale Türstoff.

Es kann sinnvoll sein, bei Ersatzstoffen vor deren Verwendung diese auf Verfärbung durch UV-Licht zu prüfen. Dazu legt man eine Probe einige Tage in grelles Sonnenlicht oder, was schneller geht, unter einen UV-Strahler (Höhensonne).

Zur Anbringung von Stoffen verwende ich beidseitiges Klebeband. Man darf es nicht in weiß verwenden, weil dies durchscheint. Die meisten dieser Klebebänder gibt es aber ohnehin in dem passenden dunkleren (beige) Farbton. Für die schmalen Türrahmen eignet sich das ebenfalls schmale so genannte Bastlerband, das hier (Bild 15) auf dem bereits auf einer glatten Fläche vorgespannten - vorher über Wasserdampf geglätteten - Ersatzstoff liegt.

Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass man den Versuch wiederholen kann, wenn die erste Sichtkontrolle negativ ausfällt. Ist man zufrieden, drückt man den Stoff richtig fest, an den später nicht sichtbaren Rändern gehe ich für eine bessere Haftung mit meinem (!) Bügeleisen drüber.

Auch wenn es bezüglich der Türbespannung keinen Handlungsbedarf gibt, sollte man die Rahmen mit dem Stoff entfernen, damit die Metallgitter gründlich gereinigt werden können. Dazu zieht man die wieder verwendbaren Nägel an der Rückseite heraus.

Nun noch zu einer ebenfalls bereits diskutierten und von Herrn Rudolph hier schon beantworteten Frage: Die Verbindung der Zierleisten mit angelöteten Drähten bei den Schatullen. Eine Verbindung mit dem üblichen - bei der M57 etwas kümmerlich aussehenden - eingebauten Dipol ist für die Wirkung auf den Dipol nicht erforderlich. (Vgl. Direktoren und Reflektoren bei den alten Fernseh- Hausantennen). Bei den Schatullen wirkt die räumliche Anordnung der verbundenen Zierleisten (dessen Länge bei den Schatullen ziemlich genau die Wellenlänge im UKW-Bereich trifft) auch der Richtwirkung des Dipols entgegen: Guter Empfang aus allen Richtungen. Den Dipoldraht findet man auch bei der H52, bei der H42 gibt es die übliche Folie. Ein Blick in die größere P48 ist mir leider nicht möglich.

Eike Grund

Cet article a été édité 14.Mar.09 15:33 par Eike Grund .

  
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