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Siemens E311E1 – Beobachtungen an einem Neuzugang

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Eilert Menke
 
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12.Apr.19 23:10

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Das - defekte – jedoch optisch sehr gut erhaltene Gerät stammt von einem befreundeten Funkamateur, der es vor längerer Zeit von einem Dritten bekam (dieser soll es vor Jahren auf der HAM-Radio in Friedrichshafen erworben haben. Davor endet die Spur im Dunkel der Geschichte). Der OM hat einen anderen Hobbyschwerpunkt und legt keinen Wert auf schwere HF-Technik in seinem Shack, weswegen er es mir kürzlich verkaufte.

Diagnose: NF-Wiedergabe sehr leise bis nicht vorhanden und dabei stark verzerrt, auch bei voll aufgedrehtem Lautstärkeregler. Die zusätzlichen NF-Abgänge zeigen das gleiche Symptom. Nach längerer Fehlersuche an den falschen Stellen mußte ich schließlich zur Erkenntnis kommen, daß nicht nur die berüchtigten MP-Kondensatoren, sondern auch die eher unproblematischen MKL-Typen Fehlverhalten an den Tag legen können: C14 (100nF) auf der NF-Verstärkerplatine hatte einen beständigen Widerstand in Höhe von etwa 5,4 kOhm, wodurch der Arbeitspunkt der als NF-Vorstufe agierenden Röhre 9/I (E88CC) unzulässig verschoben und das NF-Eingangssignal praktisch nach Masse kurzgeschlossen wurde. Wieso ausgerechnet dieser ansonsten unauffällige Kunststofffolienkondensator (Dielektrikum Zelluloseazetat) solch ein Verhalten entwickelte kann ich leider nicht erklären. Nach Austausch desselbigen war die NF-Wiedergabe einwandfrei.

 

 

Nach kurzer Betriebszeit stellte sich dann jedoch ein anderes Problem dar: Das Frequenzzählwerk zeigte in gerastetem Zustand über den gesamten 100-kHz-Bereich zu hohe Frequenzen an. Lag die Abweichung im Wellenbereich 1 etwa bei plus zwei kHz, waren es im Bereich 5 bereits etwa plus sechs bis acht kHz. Nach Kontrolle sämtlicher für die Frequenzaufbereitung zuständiger Baugruppen, insbesondere auch des einwandfrei abgeglichenen Interpolators, ließ sich das Problem in der Rasterbaugruppe in Form des 100-kHz-Thermostatenquarzes lokalisieren. Es war auch nicht möglich, mit dem zuständigen Trimmer C1 die Frequenz bis auf genau 100 kHz zu ziehen. Auch bei ganz herausgedrehtem C blieb die Quarzfrequenz unter 100 kHz. Aufgrund der Konstruktion der Frequenzaufbereitung vervielfacht sich die Abweichung vom Sollwert reziprok je höher die Empfangsfrequenz ist.

Für Irritation sorgte außerdem die vom Schaltplan abweichende – nachträglich veränderte – Verschaltung der Loktalfassung des Quarzthermostaten, was mich nun dazu veranlaßte, diesen genauer zu untersuchen. Nach Öffnen des Gehäuses war die Überraschung groß:

 

 

 

Im Inneren des - ausgeschlachteten - Thermostaten war ein gewöhnlicher 100-kHz-Eichquarz der Bauform HC-6/U, nur höher, versteckt. Auch die Bezeichnung auf dem – äußerlich gleichwertigen – Thermostatengehäuse entspricht nicht dem Sachnummernverzeichnis des Handbuchs zum E311E. Hier hat wohl ein findiger Bastler sein Improvisationstalent versucht unter Beweis zu stellen:

 

 

Ich habe die Originalverschaltung der Lokalfassung zunächst wieder hergestellt und den vorgefundenen Eichquarz in der Weise, wie sie bereits Hans-Dieter Haase (†) beschrieben hat, innerhalb der Baugruppe befestigt. Leider kann Hans-Dieter keine Auskunft mehr darüber geben, ob sich bei seinem Gerät mit dem Eichquarz ebenfalls eine derartige Frequenzabweichung ergab. Das leere Thermostatengehäuse habe ich, da nicht zum Gerät gehörig, beiseite gelegt.

Die Schaltung des Quarzoszillators ist nicht für gewöhnliche 100-kHz-Eichquarze geeignet, weil sie diese zu sehr in kapazitiver Weise belastet und deshalb die Quarzfrequenz nach unten zieht, vermute ich. Schaltungsänderungen kommen für mich jedoch aus prinzipiellen Erwägungen nicht infrage. Ich werde also damit vorlieb nehmen, bis ich irgendwann vielleicht einen originalen 100-kHz-Quarzthermostaten bekomme.

Das Gerät funktioniert ansonsten einwandfrei. Alle anderen Parameter entsprechen den Vorgaben des Handbuchs.

Vertiefende Informationen zur Siemens-E311-Gerätefamilie finden sich insbesondere hier

This article was edited 13.Apr.19 01:01 by Eilert Menke .

  
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