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VE 301-Frage

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Stefan Hammermayer
Stefan Hammermayer
 
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09.Feb.19 21:46

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Guten Abend,

nachdem seit Kurzem wieder ein Volksempfänger VE 301 in meiner Sammlung eingezogen ist, wage ich die Spezialfrage: Das Gerät hat, wie allgemein bekannt, Langwelle und Mittelwelle. Warum aber sind die beiden Schalterstellungen des Wellenschalters mit "L" und "K" bezeichnet? Wollte man den Menschen damals etwa vorgaukeln, das Radio könnte Kurzwelle?

Mir ist das ein Rätsel, warum da "L" und "K" steht statt "L" und "M". Alle Versuche, sich einer Auflösung des Rätsels durch einschlägige Literatur und sonstige Informationsmöglichkeiten zu nähern, waren vergeblich. Weiss eventuell hier jemand etwas dazu?

´Viele Grüsse

Stefan Hammermayer

Bernhard Nagel
Bernhard Nagel
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10.Feb.19 02:25
 
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Auch wenn der Begriff Mittelwelle für Wellenlängen von 200-600 m schon in der Vorkriegszeit verwendet wurde, fand er kaum Angabe auf den Empfängern. Das Kürzel MW auf Skala und Wellenschalter (Taste!) verbreitete sich so richtig erst ab Anfang der 1950er Jahre.

Als der Unterhaltungsrundfunk Ende 1923 in Deutschland begann, gab es zunächst nur Empfänger für den Wellenbereich etwa 200-600m. Umschaltung auf eine andere Wellenlänge war für wenige Radios durch Auswechseln von Steckspulen oder Spulenkästen möglich.

Etwa ab 1925 zog der 2. Wellenbereich mit rund 1000-2000 m (300-150 kHz) mit einem Griff umschaltbar in die Radios ein, Siemens Rfe10 und Rfe12 sind frühe Vertreter dieser Gattung. Der Umschalter wechselt zwischen Wellenbereich I und II,

Links der Wellenschalter vom Philips 2514, das rechte Bild zeigt den Schalter des Siemens Rfe18.

Es wurden auch Bezeichnungen wie 600 und 2000 am Wellenschalter verwendet (MW und LW entspechend), ab vielleicht 1927/28 kam dann auch Lang - Kurz auf, wie es dieser Signalbau Huth E82G zeigt. Und der im Eingangspost genannte VE301 vereinfachte das auf L und K.

Damit war aber nicht Kurzwellen-Bereich gemeint, K(urz) stand für kürzere Wellenlängen als Langwelle, eben der Bereich 200-600 m.

Da die Mittelwelle nach dem Krieg noch der Standard-Wellenbeich war, gab es auch den Begriff der Normalwelle (NW), zu sehen auf der Skala des Schaub 2K47-U71 des Jahrgangs 1947/48

Die französischen Wellenbereichsangaben PO (Petite Onde, kleine Welle) und GO (Grande Onde, grosse Welle) sind vergleichbar unseren früheren Begriffen Kurz und Lang.

This article was edited 10.Feb.19 02:30 by Bernhard Nagel .

Stefan Hammermayer
Stefan Hammermayer
 
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10.Feb.19 07:44
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Herzlichen Dank für Ihre Erklärungen.

Es scheint sich also in etwa um dasselbe zu handeln, wenn Leute im Orchester von Geigen reden und andere dasselbe meinen und das Wort Violinen gebrauchen. Gleiche Sache, verschiedene Bezeichnungen. Meine Kollegin im Orchester redet bei ihrem Instrument auch grundsätzlich nur von Bassgeige, das Wort Kontrabaß kommt ihr nur in Ausnahmefällen über die Lippen.

Ein Jahr nach Vorstellung des VE 301 scheint man sich in der Radioindustrie schon auf die heute noch üblichen Bezeichnungen Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle geeinigt zu haben. Zumindest bei meinem Körting Supramar S 5340 von 1934/35 steht es schon so in den zugehörigen einzeln beleuchteten Anzeigefenstern der Wellenbereichsanzeige.

Beim VE hat man es wohl einfach unterlassen, im Lauf der Bauzeit irgendwelche Anpassungen vorzunehmen.

Mir war es früher noch nie aufgefallen, aber als ich kürzlich eine VE-Bedienungsanleitung bekam, war ich etwas überrascht und verwundert, da drin von verschiedenen Antennenbuchsen für  "Lang" und "Kurz" zu lesen.

 

Viele Grüsse

Stefan Hammermayer

Jacob Roschy
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10.Feb.19 08:19

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Die Bezeichnungen „Lang“ und „Kurz“ oder L & K waren bis in die früheren 1930er Jahre gebräuchlich, wobei mit „Lang“ = Langwelle der Wellenbereich ca. 1000 – 2000 m gemeint war, was unverändert beibehalten wurde, sowie „Kurz“ für den Wellenbereich 200 – 600 m, worunter man später Mittelwelle verstand.

Nicht nur der Volksempfänger VE 301 hatte diese Wellenbereichsangabe, sondern viele Empfänger aus dieser Zeit, so auch der Seibt 31W.

Dies waren die seinerzeit erschlossenen Wellenbereiche, die von den damaligen Geradeaus- Empfängern beherrscht wurden. Der Begriff „Mittelwelle“ war bis dahin praktisch unbekannt.

Die eigentliche (später so verstandene) Kurzwelle mit Wellenlängen unter 50 m gelangte erst an Bedeutung, als diese mit höher entwickelten Superhets bequem empfangbar war. Daraus ergab sich, den Wellenbereich 200 – 600 m ab dann als Mittelwelle zu bezeichnen.

M. f. G.
J. R.

 

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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10.Feb.19 11:01

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Die Bezeichnung für "Lang" und "Kurz" verwendet Hanns Günther bereits 1921 (!) in seinem Schaltungsbuch für Radioamateure. Das also noch vor dem offiziellen Start des Rundfunks in Deutschland.

Die Empfänger, meist Detektoren, aber auch bereits Geräte mit Röhren, verwendeten i.a. einen Schwingkreis, der zwischen den Wellenbereichen "Lang" und "Kurz" umgeschaltet wurde.

In Stellung "Lang" war das ein Parallel-Kreis und in Stellung "Kurz" ein Serien-Kreis, aber jedes Mal das gleiche L und C.

Die Schaltungsbeschreibungen sahen dort z.B. so aus. Hier als Beispiel für die Schaltung "Lang". Für reinen MW-Empfang,  also der Mittelwelle oder auch "Rundfunkwelle", wie es damals auch hieß, wurden aber auch Parallel-Kreise verwendet.

Da man zu diesen Zeiten mit "Brettschaltungen" gearbeitet hat, war dann auch der Blick auf die Röhrenfassungen "von oben". Mit der Einführung des Radio-Chassis hat sich dan auch der Blick auf die Röhrenfassungen und auf die Pinbelegung bei Röhren geändert.

MfG DR

This article was edited 10.Feb.19 11:04 by Dietmar Rudolph .

Wolfgang Holtmann
Wolfgang Holtmann
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10.Feb.19 20:03
 
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Zufälligerweise habe ich das von Herrn Rudolph erwähnte 1. Schaltungsbuch (H. Günther) vor mir liegen, weil ich im Moment einige der Vorschläge experimentell nachvollziehen will.

Auf Seite 40 sehen wir in Abb. 220 (siehe weiter oben) die Umschaltung zwischen "kurz" und "lang". Das ist schon richtig, nur die Erklärung, dass damit der Empfangsbereich umgeschaltet wird, ist nicht schlüssig.

Klar, das muss ich auch beweisen können...
Dazu wurde eine schon bestehender, einfacher, Audionaufbau durchgemessen.

Wie schon angemerkt, der Drehko plus die Spule sind jedesmal gleich.
In Stellung "kurz" wird der Drehko parallel an die Spule geschaltet. Das ist gedacht für kurze (Behelfs-) Antennen, mit wenig Eigenkapazität.

In Stellung "lang" liegt der Drehko in Serie mit der Spule. Das ist günstig bei sehr langen Hochantennen, wie sie in jener Zeit üblich waren. 30 bis 50 Meter waren keine Ausnahmen! Deren Eigenkapazität ist entsprechend viel größer und würde einen Parallelkreis zu stark verstimmen, um mal vom resultierenden, schlechten L/C Verhältnis ganz zu schweigen.

EDIT:
Meine obigen Ausführungen beziehen sich auf die Abstimmung nur mit dem gezeigten Drehko und der Spule.

Beim genauen Betrachten der dazugehörigen Schaltungen von Hanns Günther auf Seite 39 und 41 wird mir erst jetzt klar, dass dort die Ankopplung der Antenne induktiv geschiet, wobei dieser getrennten Antennenspule (Primärkreis) umschaltbar ein zusätzlicher Drehko parallel für die  langen Wellen, und in Serie, für die kurzen Wellen liegt.

Damit wird einer langen Antenne (mit hoher Eigenkapazität) ein variabler Verkürzungskondensator hinzugefügt. Die eigentliche grobe Wahl des Empfangsbereichs wird mit den Anzapfungen an der Sekundärspule gemacht.

Das habe ich in meinem obigen Experiment leider nicht mitgenommen....

MfG

 

This article was edited 11.Feb.19 00:48 by Wolfgang Holtmann .

  
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