radiomuseum.org

 
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.
  The thread rating is reflecting the best post rating. Have you rated this thread (best post)?

Zwischenfrequenzen älterer AM-Geräte

Moderators:
Ernst Erb Jürgen Stichling Bernhard Nagel 
 
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Technique, Repair, Restoration, Home construction ** » Alignement of radios: Superhet and TRF » Zwischenfrequenzen älterer AM-Geräte
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
Editor
D  Articles: 2129
Schem.: 792
Pict.: 443
12.Jun.11 11:47
 
Count of Thanks: 21
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Während sich heute allgemein eine ZF-Frequenz von 455 kHz durchgesetzt hat, weil alle modernen Geräte mit AM-Teil hierfür keramische Filter verwenden, gab es zu Beginn der Superhet-Ära (frühe '30er Jahre) eine bunte Palette von Zwischenfrequenzen.

Davor gab es (in D), von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen,  praktisch keinen industriell gefertigten Super. Super waren als Bauvorschläge den Bastelzeitschriften (z.B. Funkbastler, Funk) vorbehalten. Die ZF-Kreise waren meist als Einzelkreise ausgeführt. Die hierbei verwendeten Zwischenfrequenzen lagen bei ca. 30kHz bis 60kHz.

Die ersten industriell gefertigten ZF-Filter hatten noch keine Ferrit-Kerne bzw. entsprechendes "Hochfrequenz-Eisen" (Ferrocart etc.), sondern waren im Prinzip "Luftspulen" ohne magnetisches Material im Inneren.  Um in solchen Fällen eine ausreichende Güte der Spulen und damit die gewünschte Bandbreite erreichen zu können, mußte eine relativ niedrige ZF-Frequenz von ca. 128 kHz  gewählt werden. Um Störungen durch "Spiegelfrequenzen" (welche um 2mal die ZF-Frequenz höher liegen) zu vermeiden, benötigten diese Geräte eine ausreichende Vorselektion. (Bandfilter-Eingang und gelegentlich auch noch eine HF-Vorstufe, wie z.B. der Staßfurt 5W, der deshalb einen 4-fach Drehko hat.)

Erst als Anfang bis Mitte der '30er Jahre Ferritmaterial zur Verfügung stand, konnte auch bei "höheren" ZF-Frequenzen eine ausreichende Güte der ZF-Bandfilter realisiert werden. Aber ein einheitlicher Wert für die Zwischenfrequenz hat sich erst allmählich herausgebildet.

Wer ein solch frühen Super abgleichen möchte, sollte daher auf den korrekten Wert der ZF achten.

Interessant sind die unterschiedlichen ZF-Frequenzen der ansonsten baugleichen Typen "Telefunken Nauen" und "Siemens 36WL", beides sogenannte "Sparsuper" mit nur 2 Röhren im HF/ZF-Teil, bei denen die ZF zwischen dem Empfang von LW und MW umgeschaltet wird. Der "Nauen" litt darunter, daß der Langwellensender Luxemburg auf seine ZF-Frequenz "durchschlug", weshalb dann unabhängig von der Abstimmung Pfeifgeräusche entstanden: "pfeifende Johanna".

Bei den Vorkriegs-Super hat sich schließlich mehrheitlich die ZF-Frequenz 468 kHz durchgesetzt, allerdings mit einem "Schönheitsfehler". Auch hier schlug eine Oberschwingung (Oberwelle) des Senders Luxemburg auf die ZF durch. Daher gab es für viele Geräte zusätzlich eine "Westausführung" (Stempel "W"), die eine ZF von 473 kHz hatten.

MfG DR

Uwe Ronneberger
Uwe Ronneberger
Editor
D  Articles: 454
Schem.: 73
Pict.: 451
01.Feb.15 18:47

Count of Thanks: 6
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2

Wenn die Zf unbekannt ist


Es kommt häufig vor, daß ältere Rundfunkempfänger in die Werkstatt zur Reparatur
kommen, von denen man nicht weiß, mit welcher Zwischenfrequenz (Zf) sie arbeiten.
Unterlagen von derartigen Geräten sind meistens nicht vorhanden, und Angaben über die
Zf sind auch sonst nirgends im Gerät zu finden (unsere Fabriken waren früher vorsichtig).
Oft ist auch das Teil, auf dem die Zf verzeichnet sein könnte, nicht mehr vorhanden,
nämlich die Rückwand. Noch schlimmer ist es meistens bei ausländischen Geräten.
Man muß aber nicht gleich verzweifeln, wenn man die Zwischenfrequenz alter Empfänger
nicht kennt. Es gibt verschiedene Wege, um diese zu ermitteln. Man kann z. B.
das L (die Induktivität) der Saugkreisspule (sofern vorhanden) messen oder das L einer
Spule des ZF-Bandfilters feststellen und aus dem Induktivitätswert mit Hilfe der Kapazität
des Kondensators die Resonanzfrequenz ausrechnen. Man k a n n , aber das setzt
voraus, daß ein zuverlässiges L-Meßgerät vorhanden ist — und daran mangelt es in
mancher Werkstatt, weil man ein derartiges Instrument nur selten gebraucht und sich
daher die Anschaffung kaum lohnt.
Besser ist deswegen die folgende Methode, zu deren Durchführung nur ein Prüfsender
nötig ist, und den sollte heute jede Werkstatt besitzen. Erforderlich ist ferner ein Instrument,
mit dem die Ausgangsspannung am Empfänger gemessen werden kann. Hierzu
kann man einen Ausgangsspannungsmesser (Outputmeter) oder ein Röhrenvoltmeter
verwenden, es kann aber auch ein Vielfachmeßinstrument benutzt werden, das es sicher
überall gibt.
Der Empfänger mit der unbekannten Zwischenfrequenz wird so vorbereitet, als ob
man den Zf-Teil abstimmen wolle, d. h. der Oszillator wird außer Betrieb gesetzt, indem
der betreffende Drehkondensator kurzgeschlossen oder das Oszillatorgitter an Masse gelegt
wird. Die Schwundregelung wird durch Verbindung mit Masse unwirksam gemacht.
Nach diesen Vorbereitungen legt man unter Zwischenschaltung eines Kondensators
nun die Hf-Spannung des Prüfsenders an das Steuergitter der Mischröhre, wobei darauf
zu achten ist, daß das Gitter infolge der Abtrennung des Vorkreises nicht „offen" ist.
Diese Gefahr besteht vor allem bei den alten Mischröhren mit Glaskolben (z. B. ECH 3
und dergleichen), bei denen der Vorkreis einfach durch Abnehmen der Gitterkappe abgetrennt
werden kann. Dann aber fehlt der Ableitwiderstand, und das Gitter ist, wie
man sagt, offen. Man muß dann einen Widerstand von 10 bis 20 kOhm vom Gitteranschluß
nach Masse legen. Schließlich muß der Ausgangsspannungsmesser — wie beim Empfängerabgleich
— angeschlossen werden. Der Lautstärkeregler des Empfängers wird natürlich
voll aufgedreht.
Nun sind wir mit unseren Vorbereitungen zur Ermittlung der unbekannten Zwischenfrequenz
fertig. Wir drehen nun den Prüfsender — bei 100 kHz beginnend, weil es
früher auch Empfänger mit der Zf 110 kHz gab — langsam durch und beobachten dabei
den Ausschlag am Ausgangsspannungsmesser. Man wird dabei eine Stelle finden, an
welcher der Ausgangsspannungsmesser den größten Ausschlag bei geringster Eingangsspannung
(vom Prüfsender her) aufweist. Bei dieser Einstellung kann dann die gesuchte
Zwischenfrequenz des Empfängers am Prüfsender abgelesen werden.
Man ist nun in der Lage, die eigentliche Reparatur durchzuführen, beispielsweise den
Neuabgleich vorzunehmen, die Skala zu eichen oder dergleichen. Damit wir diese Prozedur
nicht noch einmal bei späterer Gelegenheit durchführen müssen, sollten wir es
nicht versäumen, die ermittelte Zf an gut sichtbarer Stelle anzubringen, etwa durch
Aufkleben kleiner Zettel auf den Zf-Filtern. Dies kann man dauerhaft machen, wenn
man den Zettel mit Tesafilm überklebt.

 

Quelle : Das junge Elektro-Handwerk, Heft 9/1962

Wolfgang Holtmann
Wolfgang Holtmann
Editor
NL  Articles: 851
Schem.: 37
Pict.: 29
02.Feb.15 14:08

Count of Thanks: 9
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3

Außer einem einfachen Prüfsender, ist ein 2. Radio und ein Frequenzzähler erforderlich.

Prozedur:
Der Empfänger mit der fraglichen ZF wird auf einen bekannten Sender im unteren MW-Bereich optimal eingestellt, z.B. Langenberg auf 720 kHz.

Mit dem 2. Radio daneben lässt sich sicherlich die höher gelegene Oszillatorfrequenz abhören.

Nun überlagern wir mit dem Prüfsender, welcher mit dem Frequenzzähler verbunden ist, obige Oszillatorfrequenz im 2. Radio. Ist die abgelesene Frequenz bei Schwebungsnull 1188 kHz, dann beträgt die ZF 468 kHz.

Diese Methode ist nicht brauchbar bei den sogenannten "Einbereichsuperhets", mit einer ZF oberhalb des MW-Bereiches. Es sei denn, wir verfügen über einen Allwellenempfänger.

MfG 

 

 

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
Editor
D  Articles: 2129
Schem.: 792
Pict.: 443
02.Feb.15 16:34

Count of Thanks: 10
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4

Die Frage, welche ZF-Frequenz ein älterer Empfänger tatsächlich hat, tritt dann auf, wenn die Schwingkreis-Kondensatoren  in den ZF-Filtern "abgefault" sind, deren Wert nicht lesbar ist und demzufolge praktisch nichts mehr "durchkommt". 

Dieser Fall dürfte bei ca. 80 Jahre alten Geräten, die z.B. ungünstig gelagert waren, heute durchaus vorkommen.

Die Tabellen aus "Papst, B.: Anleitung zur Fehlersuche für Rundfunkempfänger, 3.A., Teubner, 1960" können dann als Hinweis dafür dienen, welches die korrekte ZF-Freuenz sein könnte. Bei einem Fehlabgleich auf eine andere ("modernere") ZF-Frequenz - was natürlich möglich ist - stimmen dann aber der Gleichlauf und die Frequenzangaben auf der Skala nicht mehr. Zusätzlich kann sich der Kopplungsfaktor und damit die Durchlaßkurve des Bandfilters ändern. Man muß dann (mindestens) den Gleichlauf wieder herstellen und dazu z.B. die Padding-Kondensatoren verändern. Das ist aber insgesamt eine mühsame Prozedur und sicher auch nicht das Ziel einer Restauration, wenn Wert auf den Ursprungszustand gelegt wird.

Wenn aber der ZF-Verstärker im Prinzip noch geht und nur etwas verstimmt ist, läßt sich die ZF-Frequenz z.B. mittels eines Frequenz-Zählers einfach bestimmen. Man braucht nur einen genügend starken Sender zu empfangen und geht dann mit der Tastspitze für den Zähler an die Sekundärseite eines ZF-Bandfilters. So erhält man die ZF-Frequenz ohne Kopfrechnung.

Hat man jedoch einen Prüfsender (dessen Frequenzangaben meist auch  nicht genau sind), läßt sich mit dem gemäß den bekannten Verfahren (Einspeisen der ZF-Frequenz am Mischer und Abgleich auf Maximum am Demodulator) dieser Empfänger nachgleichen. Ob man dabei dann den Wert der ZF-Frequenz exakt bestimmen kann, ist im Prinzip unwesentlich.

MfG Dr

  
rmXorg