• Jahr
  • 1933–1938
perfect model
  • Kategorie
  • Rundfunkempfänger (Radio - oder Tuner nach WW2)
  • Radiomuseum.org ID
  • 216543

Klicken Sie auf den Schaltplanausschnitt, um diesen kostenlos als Dokument anzufordern.

 Technische Daten

  • Anzahl Röhren
  • 3
  • Hauptprinzip
  • Geradeaus oder Audion mit Rückkopplung; 1 NF-Stufe(n)
  • Anzahl Kreise
  • 1 Kreis(e) AM
  • Wellenbereiche
  • Langwelle, Mittelwelle (LW+MW).
  • Betriebsart / Volt
  • Wechselstromspeisung / 110-220 Volt
  • Lautsprecher
  • Magnetischer Lautsprecher, Freischwinger (erst ab 1932 möglich) / Ø 24 cm = 9.4 inch
  • Material
  • Bakelit (Pressstoff)

Die GFGF Zeitschrift Funkgeschichte bringt interessante Artikel zu Radios, Funkwesen und Medien. Bei Radiomuseum.org finden Sie die vollständigen Hefte früherer Ausgaben als PDF zum Download.

  • von Radiomuseum.org
  • Modell: Volksempfänger VE301W - Schaleco - Schackow, Leder und
  • Form
  • Tischgerät, Hochformat (höher als quadratisch, schlicht, keine Kathedrale).
  • Abmessungen (BHT)
  • 280 x 385 x 177 mm / 11 x 15.2 x 7 inch
  • Bemerkung
  • Gehäusegestaltung durch Prof. Walter Maria Kersting (1889 - 1970).
    Da nur Rückwand und meist das Typenschild den Hersteller zeigen, kann nicht immer nach diesem sortiert werden. Im übrigen sind die Produkte der verschiedenen Hersteller identisch.
    Eine Auflistung aller deutschen Hersteller ist hier zu finden.
  • Nettogewicht
  • 5 kg / 11 lb 0.2 oz (11.013 lb)

 Sammlungen | Museen | Literatur

Sammlungen

Das Modell Volksempfänger befindet sich in den Sammlungen folgender Mitglieder.

Museen

Das Modell Volksempfänger ist in den folgenden Museen zu sehen.

 Forum

Forumsbeiträge zum Modell: Schaleco - Schackow,: Volksempfänger VE301W

Threads: 1 | Posts: 1

Manchmal muss man einfach Glück haben: Im großen Internetauktionshaus war ein VE301W sofort zu kaufen und sah ganz manierlich aus: Bis auf einige Bohrlöcher für nachträglich angebrachte Bananen- und Diodenbuchsen ( da wollte jemand tatsächlich mit einem Volksempfänger Schallplatten hören) war alles komplett: Alle Röhren, der Lautsprecher, Netztrafo, NF-Übertrager. Da habe ich zugeschlagen. Wenige Tage später war das in Bakelit gegossene Art-Deko-Kunstwerk da. Innen richtig verstaubt - eigentlich in gutes Zeichen, denn da hatte sich schon lange niemand mehr dran gemacht.

Für eine Restaurierung musste das Gerät zunächst mal entkernt werden. Erst mal den Lautsprecher entfernt, damit konnte man auch das unsäglich moderne Alu-Streifen-Lautsprechergitter wegnehmen. Dann die erste Überraschung: Ein Vorbesitzer hatte die Hälfte einer Eierschale auf die Lautsprechermitte geklebt, wahrscheinlich um das Klangverhalten im Hochtonbereich zu verbessern, eine Hochtonkalotte sozusagen. Der Frequenzgang war mit einem Übertragungsbereich von 100 Hz bis 3,3 kHz (gemessen mit einem Tongenerator und dem in Ehren gealtertem Ohr des Autors) trotzdem überschaubar. Das Ei habe ich belassen.

Nach der Lautsprecherdemontage kann man das Chassis bequem entfernen. Dazu muss man nicht einmal mehr die filigrane Skalenscheibe, deren obere Teile sich unter dem Lautsprecherrand verstecken, verbiegen.

Die nächste Entdeckung: Die Antennenankopplungsspule hatte zwei Anschlüsse zuwenig und sah etwas angeschmort aus. Da hat wahrscheinlich jemand während eines Gewitters Radio gehört.

 

Nachdem das Chassis viel Rost angesetzt hatte, habe ich mich entschlossen, alle, wirklich alle Bauteile, einschließlich des Typenschildes zu entfernen und das Gerät nach einer Aufarbeitung des Chassis wieder neu aufzubauen. Besondere Sorgfalt ist bei der Entfernung der Keramik-Röhrenfassungen notwendig: zwei davon sind mit Nieten befestigt. Hier darf man nur von der Blechseite her aufbohren. Die Eingangsröhre REN 904 ist mikrofonieempfindlich. Deshalb ist die betreffende Fassung nicht mit dem Chassis vernietet, sondern unter Zwischenlage von Gummischeibchen mit dem Chassis verschraubt.

 

Dann ging es erst mal an die Äußerlichkeiten: Das Bakelitgehäuse sah nach einem Bad in Geschirrspülmittel schon manierlicher aus. Die nachträglich angebrachten Bohrlöcher habe ich mit 5-Minuten Epoxy verschlossen, das mit Graphitpulver angemischt wurde. Damit erreicht man zwar nicht exakt die Bakelitfarbe, das Gemisch härtet aber so dunkel aus, dass nur das geübte Auge den Unterschied sieht. Um eine glatte Oberfläche an der Außenseite der Fehlstellen zu erzielen, habe ich diese von außen zunächst mit Tesafilm in passender Größe überklebt und anschließend den Klebstoff von innen in die so entstandene Vertiefung eingefüllt. Auch ein Schraubengewinde im Bakelit war teilweise ausgebrochen; nach Eindrehen einer passenden Schraube in das Restgewinde habe ich 5-Minuten Epoxi darum herum geschichtet. Die Schraube wurde vorher mit Ballistol (wahrscheinlich geht auch alles andere, von Vaseline bis zum Salatöl) benetzt, damit sie sich später wieder aus dem Klebstoff herausdrehen lässt und nicht verklebt. Mit dem Entfernen der Schraube sollte man nicht zu lange warten; 30 Minuten Aushärtezeit sind hier genug.

 

Nach 90 Jahren wird die Oberfläche auch beim besten Bakelit stumpf. Man sollte aber hier keinesfalls mit Schleifpapier darangehen. Die einstmals glänzende Oberfläche ist bei der Herstellung durch Sinterungsvorgänge an der Kontaktstelle zwischen dem flüssigen Phenolharz und der heißen Matritze entstanden und lässt sich später kaum mehr wiederherstellen. Ich habe das Gehäuse zunächst mit einem Wattebausch, der mit Acrylpolitur (da bringt man sogar Kunststoffskalenscheiben an Transistorradios wieder zum glänzen) getränkt war, vorsichtig poliert, mit Wasser gereinigt, nach dem Trocknen mit Autohartwachs bestrichen und mit Watte auspoliert. Das Autohartwachs, angeblich das härteste Wachs der Welt, sollte man in mehreren Schichten auftragen; das ergibt einen edel-matten Glanz.

 

Die Bespannung des Lautsprechers ist im Originalzustand an der Gehäuseinnenwand festgeklebt und wird vom Lautsprecherrand zusätzlich fixiert. Das Ankleben einer Ersatzbespannung ist diffizil, gelingt aber gut mit folgendem Trick: Eine kreisrunde Sperrholz- oder MDF-Platte, deren Durchmesser knapp geringer ist als die im Gehäuseinneren kreisförmig um die Lautsprecheröffnung ziehende Sicke, wird mit PE-Folie (z.B. Haushaltsfolie ) überzogen, damit sie später nicht festklebt. Anschließend legt man das Gehäuse auf die Frontseite, benetzt die rauhe, direkt an die Lautsprecheröffnung grenzende Klebefläche mit reichlich Weißleim (bitte nur wasserlöslichen Kleber verwenden, sonst ärgern sich künftige Restauratoren), legt den neuen Lautsprecherbespannstoff über die Öffnung, dann die vorbereitete PE-Folie-überzogene Platte darüber, zupft den Bespannstoff ohne zu große Spannung glatt und beschwert die Platte bis zum Aushärten des Klebers mit Gewichten ( am besten über Nacht in Ruhe lassen).

 

Das Chassis wurde mit einer Nylon-Topfbürste entrostet und dabei weitgehend von der ursprünglichen Farbschicht befreit. Anschließend habe ich zur Konservierung Zinkfarbe aufgetragen. Das Typenschild war mit Miniatur-Nieten befestigt, die schwer erhältlich sind. Ich habe stattdessen passende Aderendhülsen (ohne Kunststoffkragen) durch die Befestigungsöffnungen an Schild und Chassis gefädelt und an der Innenseite einfach umgebogen. Hält mindestens genauso.

Das Isoliermaterial der Röhrenfassungen und des Drehkondensators besteht aus edler Keramik. Da war damals nur das Beste gut genug. Im Lauf der Jahre hat sich die ursprünglich weiße Oberfläche mit Staub und Schmutz zugesetzt und war mit Bürstchen nicht mehr zu reinigen. Nach Einschäumen mit Backofenreiniger und einem Ultraschallbad waren die Teile wieder wie am ersten Tag. Sogar der Staubbelag auf den Lamellen des Drehkos war verschwunden.

 

Ein besonderes Highlight stellt der Mehrfachkondensator im Chassisinneren dar. Leider hat auch daran der Zahn der Zeit heftig genagt: Isolationswiderstände zwischen 5 und 20 Megaohm. Eigentlich zum Wegwerfen. Oder Restaurieren: Zunächst wurden die Haltelaschen am Metallgehäuse vorsichtig aufgebogen, die Isolierstoffplatte mitsamt den Lötstützpunkten entfernt und die darunterliegende Asphalt-Vergussmasse bröckchenweise abgehebelt. Dann kam brachiale Gewalt zum Einsatz: mit einem 3mm-Bohrer habe ich Sacklöcher in die Kondensatorwickel gebohrt, eine passende Spax-Schraube hineingedreht und mit einer Rohrzange die Schraube samt Kondensatorwickel aus dem Gehäuse gezogen. Zur Neubefüllung habe ich aus beschichtetem Platinenmaterial einen Haltewinkel gelötet, der auf der Stirnseite Lötösen entsprechend den ursprünglichen Lötstützpunkten trägt und der innen mit zeitgemäßen Kondensatoren ausgestattet ist. Man kann durchaus auch Elektrolytkondensatoren für die größeren Werte verwenden. Dabei muss man allerdings beachten, dass der Minus-Anschluss des Ladekondensators an die Anode der Gleichrichterröhre gehört. Die Kapazitätswerte habe ich zur besseren Siebung vergrößert: statt des 2 uF-Lade- und 4 uF Siebkondensators neu jeweils 10uF/450V, im Gegenzug zwischen Gleichrichter-Anode und Ladekondensator noch einen 680 Ohm/5W-Widerstand eingefügt. Damit ergibt sich eine Spannung von 206 V (Sollwert 210 V) am Siebkondensator und eine Spannung von 188 V (Sollwert 190 V) an der Anode der RES 164. Der Widerstand schützt den Trafo vor Stromspitzen bei Laden des (im Vergleich zum Original größeren) Kondensators.

Der Netztrafo ist für 220 V ausgelegt. Bei 235 V Netzwechselspannung kommt man schon in den Grenzbereich der verwendten Bauteile, insbesondere bei der Heiz- und Anodenspannung. Deshalb habe ich in Reihe mit der Primärwicklung noch einen Widerstand 200 Ohm/5W geschaltet. Damit ergibt sich eine Spannung von 220 V RMS über der Primärwicklung. Die Stromaufnahme des Geräts liegt im Betrieb bei 75 mA. Deshalb habe ich die im Original sehr üppig dimensionierte (400 mA) Feinsicherung in der Netzzuleitung durch 100 mA / träge ersetzt.

 

Nachdem wegen der teilweise verschmorten Antennen-Ankopplungsspule eine der Antennenbuchsen nicht mehr benötigt wurde, habe ich diese über einen 12 pF-Kondensator direkt mit der Schwingkreisspule verbunden. Diese kapazitive Antennenankopplung führt zu einer verbesserten Fernempfangsempfindlichkeit, wurde vermutlich aber bei der ursprünglichen Konzeption aus politischen Gründen („Feindsender“) nicht realisiert.

Die gummiisolierten und baumwollumsponnen Verbindungsdrähte habe ich durch PVC-isolierte Drahtleitungen ersetzt. Ist zwar nicht mehr sooo original, aber elektrisch bedeutend sicherer. Sämtliche Festwiderstände wiesen noch den aufgedruckten Wert auf; deshalb habe ich sie wieder eingebaut. Dann kam der große Moment: Einschalten – Stromaufnahme im grünen Bereich – starkes Brummen. Der Schleifer des Symmetrierwiderstandes für die Heizleitung (100 Ohm) hatte keinen Kontakt zur Drahtwicklung. Ersatzweise habe ich von jedem Pol der Heizleitung einen 56 Ohm-Widerstand an Masse gelötet, was die Lösung des Problems war.

 

Mit meinem NF-Modulator kann ich über eine Entfernung von bis zu 10 cm auf die Schwingkreisspule magnetisch koppeln. Die Empfindlichkeit ist also nicht sehr hoch und erklärt, dass damals bereits für den Empfang des Ortssenders lange und möglichst hohe Außenantennen verwendet werden mussten.

 

Fazit nach gefühlt tausend spiritusgetränkten Wattestäbchen, einer Portion Backofenreiniger, einer Flasche Autohartwachs und mindestens zwei Metern Lötzinn : Sieht aus wie fabrikneu, klassisches Art-Deco-Design, Blickfang, Klangerlebnis in Telefonhörerqualität, die Empfangsleistung auch für damalige Verhältnisse am unteren Ende des Spektrums und eine Nervenprobe für die Zuhörer, wenn man die Rückkopplung zu stark anzieht.

 

 

 

 

 

 

 

Elmar Gerhardinger, 19.Aug.26

Weitere Posts (1) zu diesem Thema.