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Eine Chance für den Sender Wilsdruff

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » Eine Chance für den Sender Wilsdruff
           
Wolfgang Lill
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23.Jun.19 16:23
 
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Wegen der Überlänge des Beitrages zur Sendergeschichte, jetzt eine weitere Information zu diesem Thema.

Mein Ziel ist es, die Mitglieder und auch Freunde des Radiomuseums. auf dem Laufenden zu halten.

Letzte Woche Montag trafen sich die Freunde des Vereines wieder . Es wurde über den aktuellen Arbeitsstand gesprochen, der Förderverein "Funkturm Wilsdruff e.V. " wurde am 20.05.2019 gegründet und ist nun auch eingetragen.

Es wäre sehr sehr schade, wenn der letzte Funkmast dieser Bauart in Deutschland gesprengt würde.  Leider hat das Werk der Zerstörung schon angefangen, trotzdem der Besitzer der Liegenschaft die ehemaligen 2-läufigen gekröpften DDR- Sicherheitszäune noch mit Stacheldraht verbessert hat und sicher auch Überwachungstechnik installiert wurde.

Der Verein stellt sich die Aufgabe, diese noch denkmalgeschützte Anlage zu erhalten.

Besser gesagt, die Gesamtanlage ist noch denkmalgeschützt, nur der 153 m hohe Sendemast wurde aus dem Denkmalschutz herausgenommen.

Nun ist es über die Jahre häufig zu einem Besitzerwechsel gekommen, von der Deutschen Post, die es für eine symbolische D-Mark an die Bundespost abgab, über die Telekom, über eine ausgegründete Verwaltungsfirma, es soll sogar mal kurzzeitig einer französischen Gesellschaft gehört haben, bis hin zum letzten Grundbesitzer der Deutschen Funkturm GmbH und der Mast selbst gehört noch dem ehemaligen Betreiber der Media Broadcast.  ( eine Marke der Freenet Group) .  Mit jedem Besitzerwechsel, so scheint es, ist der Wert des ehemaligen Volksvermögens höher geworden.

Jeder der Betreiber, oder sprechen wir jetzt von Besitzer, will und muss etwas daran verdienen.

Damit begann bereits vor Jahren ein Kampf gegen den Denkmalschutz des Gesamtensembles.  Im dritten Anlauf gelang es nun der Media Broadcast, dies durchzusetzen. Der Denkmalschutz ist aufgehoben. Die Freunde des Technikvereines machten sofort gegen diese Entscheidung mobil.

Es begann eine große Online- Petition.Die Freunde sammelten auch fleißig - hier auf dem Marktplatz in Wilsdruff- Unterschriften. Insgesamt wurde eine Liste mit  4323 Unterschriften am 18.04. 2019 an den Landrat des Landkreises "Sächische Schweiz", Herrn Michael Geisler übergeben.

Die Freunde hoffen auch, das sich die Stadtverwaltung nun neu positioniert hat, denn der Wahlkampf sieht nach  der Unterstützung des Vorhabens durch die CDU Wilsdruff unter der Leitung des Bürgermeisters Herrn Ralf Rother aus, er fuhr ein Rekordergebnis ein, man hatte mit dieser Wahlwerbung auf Emotionen gesetzt ;          Wer Denkmale abreißt, vernichtet Heimat !
Aber es besteht nach wie vor das Risiko; der Denkmalschutz ist aufgehoben, der Mast kann jederzeit umgelegt werden.

Die Nutzung aller Möglichkeiten, und da kam uns die Initiative des Sächsischen Ministerpräsidenten Herrn Michael Kretschmer zugute, die Bürgerwerkstätten.  Hier werden Vorschläge, Einschätzungen , Ideen gesammelt. In offener Diskussion wurden vor prominenten  Gesprächspartnern die Dinge angesprochen, welche die Menschen in Sachsen bewegen. Die Regierung wird diese Vorschläge auswerten und hoffentlich vielen sinnvollen Ideen eine Realisierungschance geben.

Letzten Freitag, den 21.Juni 2019 war es soweit. Als Leiter des Technikvereines Wilsdruff wurde Herr Jürgen Juhrig und ich  zur Abschlußveranstaltung in die "Sächsische Staatskanzlei" eingeladen.

Nach einem buntem Programm erfolgte eine Auswertung des "miteinander reden !" Der Theologe und CDU-Politiker Heinz Eggert aus Zittau moderierte hier Vorschläge.

Der Ministerpräsident hatte zuvor mit Frau Prof. Lorenz typische Tendenzen aus dieser Aktion vorgestellt.

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links Frau Prof Astrid Lorenz, auf der rechten Seite der Ministerpräsident, daneben Heinz Eggert

Wir hatten Gelegenheit mit der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Frau Eva- Maria- Stange SPD, sehr ausführlich über die Problematik Denkmalschutz zu sprechen auch im Hinblick auf das in Arbeit befindliche Projekt " Schülerrundfunk " nach US- amerikanischem Vorbild. Es wäre für das in Wilsdruff entstehende Gymnasium eine feine Sache zur sinnvollen Freizeigestaltung.

Hier ein kleiner Auszug aus dieser Studie.

Natürlich gibt es noch mehr Möglichkeiten der sinnvollen Nutzung der ehemaligen Sendeanlagen, aber wir wollen hier nicht vorgreifen.

Höhepunkt unseres Abends war in jedem Falle ein fast 10 min Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Herrn Michael Kretschmer, eben ein Mann der zuhört und sicher auch kluge Entscheidungen trifft.

Wir hoffen, das die  Rettung des Technischen Denkmales gelingt...ich halte unsere Leser vom Radiomuseum auf dem Laufenden . 

This article was edited 25.Jun.19 18:48 by Wolfgang Lill .

Ernst Erb
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20.Jul.19 21:07

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Lieber herr Lill
Sie können einen Beitrag als Frage formulieren, also mit Fragezeichen im Titel. Doch hier haben Sie statt Beitrag "Frage" gewählt, was ein rotes Fragezeichen zu Beginn im Titel generiert.

Wenn da nicht innerhalb einer Woche eine Antwort erfolgt, also ein zweiter Post, dann fällt das immer wieder ins Talk, also in das interne Board und ist für Gäste nicht mehr zu lesen. Darum habe ich jetzt diesen Beitrag geschrieben - und nun kann ich auch wieder in die Öffentlichkeit verschieben - und der Thread bleibt dann auch dort.

This article was edited 20.Jul.19 21:18 by Ernst Erb .

Wolfgang Lill
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21.Jul.19 11:32
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weiter geht es mit der Information zum Sender Wilsdruff. Sicher interessiert das nicht nur die Mitglieder vom Radiomuseum, sondern auch Andere...

Am Dienstag, den 11.Juli stellte sich der neue Förderverein " Funkturm Wilsdruff" im Vereinshaus in Wilsdruff der Öffentlichkeit vor.

Die Vorsitzende des Vereins, Frau Sabine Neumann ( zweite von links), erklärte anfangs, " Das Vorhaben des Vereins, das noch unter Denkmalschutz stehende Gesamtensemble einschließlich dem aus dem Denkmalschutz  herausgelösten Funkturm zu erhalten," . Der 153 m hohe Mittelwellensendemast soll nun abgerissen werden. 

Der Eigentümer die Media Broadcast ist im Besitz einer Zusage des Denkmalschutzamtes des Landkreises "Sächsische Schweiz".

Inzwischen organisiert sich zunehmend Widerstand gegen diese Entscheidung, nicht nur die Petition mit  4323 Unterschriften sondern auch  nach wenigen Tagen hat der Verein schon 26 Mitglieder.

Es gibt nicht nur eine Konzeption zum Aufbau eines Mittelwellenschülerrundfunks auf der historischen Frequenz 1044 KHz sondern auch weitere Überlegungen, die ich hier kurz vorstellen will:

Herr Jörg Weidehaas, er ist ebenfalls Vereinsmitglied . Er ist beim DARC Sachsen stellv. Districtsvorsitzender und Verbindungsbeauftragter B NetzA sprach über HAM- Radio 2019 und auch über die Verantwortung der Funkamateure bei Haverie- oder Katastrophensituationen, da ja die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Bonn, erstellte Konzeption des Einsatzes der Rundfunksender im AM- Bereich nach dessen kompletter Abschaltung nicht mehr umsetzbar ist. 

und dann kam der Breitbandspezialist Matthias Hälsig und erklärte in seinem Statement für die Erhaltung der Anlage gegenüber der Vereinsvorsitzenden und den Gästen

das es Untersuchungen bereits gibt. daß der Standort aufgrund der topografischen Lage für autonomes Fahren ( A 4 ) und weitere Strecken, daß im Aufbau befindliche G5- Netz für die Autobahn , auch für die Versorgung der dortigen Gewerbegebiete mit Digital / BOS- Funk bestens geeignet ist.

Deshalb will auch er nicht tatenlos zusehen, wie dieser einmalige Standort vernichtet wird.

Über die nächsten Aktivitäten werde ich hier weiter berichten. 

Aber nun zurück zur Anlage selbst:

Dieses Foto von der Reusenleitung stammt nicht aus dem Jahre 2019 sondern von 2002 , da war die Welt noch in Ordnung. 

und heute ? ist diese unter Denkmalschutz stehende Leitung schon nicht mehr da.

Das Antennenhaus unter dem Sendemast ( auch ein historisches Foto aus dem Jahre 2002)

Hier sind Bilder, die vor wenigen Tagen im Antennenhaus entstanden, die uns freundlicherweise von einem Kollegen, der die Zutrittsberechtigung hat, für Infozwecke überlassen wurden. 

Damals gab es auch den Zweifrequenzbetrieb auf 1044 KHz (20KW) und 1431 KHz (10KW).Die hier zu sehenden Bauteile sind überwiegend noch aus der Anfangszeit des Senders, etwa 1953.

Der  jetzige Drahtzaun war früher eine Blechwand mit Glas-Scheiben.

Das sieht doch noch gut aus und ist denkmalgerecht gesichert !  Weitere Berichte folgen.

This article was edited 22.Jul.19 08:06 by Wolfgang Lill .

  
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