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graetz: Fernsehtruhe F14 - welche Bildröhre?

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Jens Dehne
 
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14.Feb.09 22:12

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Die Fernseh-Luxustruhe F14 von Graetz aus der Saison 1953 / 1954 fällt jedenfalls auf, auch der stolze Preis von seinerzeit über 5000 DM. Ich kenne dieses Gerät nur aus der Literatur und aus der Werbung für das Gerät.

Man warb nicht nur mit exzellenter Qualität, mit eingebautem Radioteil mit 8W Gegentaktendstufe sondern auch mit extra großer Bildgröße von 48 mal 35 cm!
 
 
Der originale Schaltplan fehlt beim Gerät, der hinterlegte Plan zeigt eine Bildröhre vom Typ MW43-61.
 
Auf diesem Foto erscheint die Bildgröße auch gar nicht so "extra" groß, oder doch?
 
 
Kann jemand den Originalplan zur Verfügung stellen, eventuell auch einen Auszug aus der originalen Reparaturdienstliste? Dort sollte ja auch der Bildröhrentyp vermerkt sein.
 
Ich freue mich über eine Info!
Jens Dehne
Jens Dehne
 
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16.Feb.09 11:30

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Nochmals zur Bildröhre, ich habe in verschiedenen Veröffentlichungen der Graetz KG über das neue „Fernsehen“ (um 1953) weiter recherchiert.

Man kann zum Fernsehgerät „F14“ immer wieder lesen: Es handelt sich um eine 21“ (21 Zoll) Bildröhre amerikanischer Bauart mit dem Format 350 mal 480 mm.

Allerdings weiß ich nicht, wie die Bildgröße gemessen wurde - vermutlich der sichtbare Teil. Dann könnte die AW 53-80 passen.
 
War die Bildröhre AW 53-80 schon im Jahre 1953 verfügbar und handelt es sich bei dieser Röhre um eine nach „amerikanischer Bauart“?
 
Hier noch ein Foto vom Messestand "Graetz-Fernsehen" auf der Rundfunk- Phono- und Fernsehausstellung 1953 in Düsseldorf:

This article was edited 16.Feb.09 11:31 by Jens Dehne .

Andreas Steinmetz
 
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16.Feb.09 12:20

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Hallo Jens,

eine AW kann es nicht sein, denn die gab es erst später, und sie hatte normalerweise einen Ablenkwinkel von 90 Grad. Wahrscheinlicher ist es eine Röhre vom Typ MW, so wie sie kurze Zeit später als MW53-20 auf den europäischen Markt kam. Das war damals die größte 70 Grad-Röhre. Damit wäre sie hinsichtlich der Ablenkstufen weitgehend kompatibel zur MW43-61, wie sie im Schaltplan angegeben ist. Als amerikanischer Vorläufer zur MW53-20 kann die Typen-Familie 21ZP4 angesehen werden. Diese Röhren waren noch nicht ganz so weit entwickelt wie die MW53-20: Sie hatten ein einfacheres Elektrodensystem (ein Gitter weniger), 0,6 A statt 0,3 A Heizstrom und ein um 90 Grad um die Achse gedrehtes Strahlsystem. Der Ionenfallenmagnet muss also in horizontaler Richtung statt in vertikaler Richtung aufgesetzt werden. Ansonsten gibt es für den Anwender keine relevanten Unterschiede.
Die MW53-20 haben übrigens ein sehr gutes, bis in die Ecken scharfes und helles Bild. Aber bei 70 Grad Ablenkwinkel sind sie natürlich riesengross.

Es gibt einige Beispiele, wo deutsche Hersteller seinerzeit ihre Luxus-Geräte alternativ (oder solange die europäische MW53-20 noch nicht lieferbar war) mit amerikanischen Bildröhren bestückten. Hier seien exemplarisch genannt:

1. In meinem Blaupunkt Jamaica war ursprünglich eine Röhre 21ZP4A vom amerikanischen Hersteller Sylvania eingebaut gewesen. Da sie einen etwas ungewöhnlichen Fehler hatte (siehe dort meinen Post Nr. 7), musste ich sie gegen eine MW53-20 austauschen. Der Blaupunkt war für beide Röhren vorbereitet, siehe Schaltplan, besonders die Heizkreisumschaltung am Netztrafo! Leider musste ich die defekte Sylvania-Röhre seinerzeit aus Platzgründen entsorgen. (Vielleicht habe ich das System noch irgendwo herumliegen.)

2. Im Grundig 760 wurde laut Lange-Schaltplan alternativ zur MW53-20 eine 21ZP4 verwendet. Da hier gleich mehrere Röhren separat geheizt wurden, war der Heiztrafo entsprechend stark ausgelegt und brauchte keine Heizkreisanpassung bei Verwendung der 21ZP4.

Was den Graetz F14 betrifft: Hier ist die Bildröhre ebenfalls separat geheizt (Heiztrafo mit Bezeichnung "MW"). Je nachdem, wie hoch der Innenwiderstand des Trafos ist, wird es hier für die Bestückungsvariante 21ZP4 vmtl. auch eine Modifikation des Heizkreises gegeben haben.

Auch wenn wir bisher keine eindeutigen Belege haben, so liegt es doch sehr nahe, dass auch beim Graetz F14 eine Bildröhre aus der Typen-Familie 21ZP4 zur Anwendung kam. Offensichtlich waren diese Typen als Importröhren seinerzeit in Deutschland durchaus geläufig.

Gruss,

Andreas

This article was edited 17.Feb.09 21:56 by Andreas Steinmetz .

Jens Dehne
 
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16.Feb.09 13:53

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Danke Andreas, wieder etwas über Bildröhren gelernt!

Ja, so einfach wird man die große 21ZP4A Bildröhre wohl nicht bewegt haben, wie hier bei der Fertigung des F6 in der Fabrik bei Graetz….
 
Andreas Steinmetz
 
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17.Feb.09 15:57

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Hallo Jens,

aufgrund weiterer Erkenntnisse und um Missverständnissen vorzubeugen, habe ich meinen Post Nr. 3 überarbeitet.
In diesem Post Nr. 5 wollte ich ursprünglich einen Überblick über die amerikanischen 21"-Bildröhren geben, doch wie ich jetzt feststellen musste, gibt es sogar in der Klasse mit 70 Grad-Ablenkwinkel eine derartige Typenvielfalt, dass eine Auflistung zumindest hier an der falschen Stelle platziert wäre. Ausserdem fehlen mir Kenntnisse über die Markteinführungen und darüber, welche Typen als Standardtypen eine weite Verbreitung gefunden hatten und welche nur eine Aussenseiterrolle gespielt hatten. Es lässt sich aber sagen, dass es auch in Amerika für die 70 Grad-Technik wohl bei max. 53cm Bilddiagonale geblieben ist. (Es gab sogar eine Type mit 72 Grad Ablenkwinkel: 21AVP4 bzw. 21AUP4.) Die meisten Typen gab es in verschiedenen Varianten, unterscheidbar an dem letzten Buchstaben der Typenbezeichnung (nicht einheitlich).

Für die 21ZP4-Familie sei das hier beispielhaft dargestellt:

21ZP4:  Grundversion mit magnetischer Fokussierung und magnetischer Ablenkung. Einfaches Strahlsystem. Schirm nicht aluminisiert. Ionenfalle. 70 Grad Ablenkwinkel.
21ZP4A: Wie 21ZP4, aber mit leitender Aussenbeschichtung des Kolbens.
21ZP4B: Wie 21ZP4A, aber mit aluminisiertem Schirm.

Andreas

This article was edited 17.Feb.09 22:31 by Andreas Steinmetz .

Bernhard Nagel
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Bei der Suche nach Original-Werkstattunterlagen zum Graetz F14 hatte ich leider nur indirekt Erfolg. Im mir leihweise überlassenen Rundfunk- und Fernseh-Katalog 1953/54 des Franzis-Verlags (Herausgeber: VRG e.V.) ist das Modell F14 gelistet, der Bildrohrtyp ist mit GE 21EP4B angegeben. Das ist eine 21" 70° Röhre mit zylindrischer Schirmfläche, aluminiumhinterlegter Leuchtschicht und Ionenfalle.

Dieses Bildrohr wurde von General Electric und Sylvania hergestellt. Die maximale Beschleunigungsspannung beträgt 18 kV, daher hat man bei diesem Modell F14 eine von der Horizontalablenkung getrennte Hochspannungserzeugung eingesetzt.

Im mir vorliegenden VDRG-Katalog 1953/54 ist das Modell F14 übrigens nicht enthalten.

Bernhard Nagel

Andreas Steinmetz
 
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20.Feb.09 20:27

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21EP4B 

Hallo Bernhard,

tja, wenn Franzis sich nicht irrt, dann war wohl meine Vermutung in Post Nr. 5 falsch, obwohl sie sehr naheliegend war. Dann kann man die amerikanische Type wegen der abweichenden Bildschirmwölbung natürlich auch nicht durch eine MW53-20 ersetzen. Man kann es also nicht oft genug sagen: Nur Fakten zählen! Vielleicht haben wir ja noch irgendwann Glück, dass jemand originale Graetz-Unterlagen vorlegen oder sogar ein originales Gerät auftreiben kann...

Andreas

This article was edited 20.Feb.09 20:29 by Andreas Steinmetz .

  
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