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Revox A76 UKW Tuner

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Papers » Basic principles of radio technique » Revox A76 UKW Tuner
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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16.Apr.21 17:16
 
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Die Vorgeschichte

Im Jahre 1969 fand die "Internationale Funkausstellung" (IFA) in Stuttgart auf dem Killesberg statt. Zur damaligen Zeit war ich wissenschaftlicher Assistent am neu errichteten Lehrstuhl und Institut für Hochfrequenztechnik der Uni Stuttgart. Zusammen mit den Kollegen wurde die IFA besucht. Die zur damaligen Zeit angeboteten UKW Empfänger fanden wir alle nicht überzeugend, weshalb bereits darüber nachgedacht wurde, wie man einen optimalen UKW Empfänger selbst herstellen könnte. Gegen Ende des IFA Besuches fanden wir dann noch in einem kleineren Ausstellungsraum den Stand von Revox, auf dem u.a. der A76 UKW Tuner gezeigt wurde. "Das ist er!" Genau so eine Technik hatte uns vorgeschwebt. Im Heft 16 von 1969 der Funkschau (S. 533 - 536) gab es dann eine ausführliche technische Beschreibung des Revox A76 durch dessen Entwickler Marcel Siegenthaler und Ernst Mathys. 

Im A76 waren alle Empfangs-Prinzipien realisiert, die uns aus dem "Philip F. Panter: Modulation, Noise, and Spectral Analysis, McGraw-Hill, 1965" als wesentlich für einen optimalen FM-Empfänger bekannt waren. Also, warum dann noch selber bauen?

Das ist das originale Prospekt vom A76, das es auf dem Stand von Revox auf der IFA 1969 gab.

Es gab nur einen "Wermutstropfen": Mit DM 1340,-- überstieg sein Preis das damalige monatliche Netto-Einkommen eines wissenschaftlichen Assistenten. Und wo kann man das Gerät schließlich dann auch kaufen? Am 11.03.1970 konnte ich schließlich einen A76 mit #1168 kaufen, nachdem auch meine Frau zugestimmt hatte. Allerdings war ich schlußendlich der einzige der Instituts-Kollegen, der so viel in einen UKW Tuner investierte. Dafür existiert er noch heute. 

Auf einer Innenseite des Prospekts mit 4 Seiten gab es dann noch das Blockschaltbild des Gerätes. Das war überzeugend!

 

Im Bericht hier wird dargestellt, wie dieser A76 UKW Tuner #1168 (Typ "MK1") für den UKW Fernempfang "aufgerüstet" wurde und es wird ein Vergleich gemacht mit einem gleichartigen originalen A76 UKW Tuner #1864 (Typ MK1), der kürzlich bei Ebay Kleinanzeigen extra dafür gekauft wurde, sowie mit einem "späten" A76 UKW Tuner #27338 (Typ MK3), der bei Ebay ersteigert wurde, aber leider nicht mehr original war. Dazu später mehr.  

Die Revox A76 "Familie"

Der A76 wurde von 1968 bis 1977 gebaut. Während dieses Zeitraumes gab es drei Modifikationen des Gerätes, genannt MK1 (1968 - 1971), MK2 (1971 - 1974)  & MK3 (1974 - 1977).  Wie "so üblich", gab es dabei sowohl schaltungsmäßige Verbesserungen als auch Einsparungen, die sich jedoch funktionsmäßig nicht nachteilig auswirkten.

A76 MK1

Typisch für die erste Generation ist die silbrig glänzende Front, passend zum Verstärker A50 und zum Tonbandgerät A77. Die Fertigung des A76 MK1 war in der Schweiz.

In der (schwarzen) Beschriftung konnte man lesen: "High Fidelity" und "All Silicon..." Speziell die Tatsache, daß die Schaltung ausschließlich nur Silizium-Halbleiter enthält, war zur damaligen Zeit neu. Praktisch alle 1969 angebotenen UKW Empfänger enthielten entweder nur oder aber zusätzlich (auch) Germanium-Transistoren.

Die UKW Skala umfaßt den Frequenzbereich von ca. 87,5 MHz bis 108 MHz. Die Beschriftung der Skala ist (von der Rückseite her) gefräst. In Deutschland war damals der Bereich 87,5 MHz bis 100 MHz, später bis 104 MHz üblich bzw. "zulässig". Oberhalb von 100 MHz war damals auch nichts zu empfangen.

A76 MK2

Typisch für die 2. Generation ist die Frontblende in "Anthrazit" und die grün gedruckte Beschriftung der Abstimm-Skala. Die rechte der 5 Tasten heißt nun "Stereo Filter".  Gefertigt wurden die Tuner nun in Löffingen im Schwarzwald.

A76 MK3

Die Tasten und die Abstimm-Knöpfe sind nun aus Aluminium. Die Skala ist weiß beschriftet und das Firmen-Logo ist in blauer Farbe aufgebracht. An der Fuktion der Tasten hat sich gegenüber MK2 nichts verändert.

Hier noch einmal die Front eines MK3. Die Witwe eines Kollegen hat mit schwarzem Filzstift auf ihrem Gerät die Frequenzen markiert, wo sie die sie interessierenden Sender empfangen kann. (Schön ist das nicht, aber so kann man das natürlich auch machen, wenn das Gedächtnis nach läßt.)

Aus den Bedienanleitungen

Die Bedienanleitungen zum A76 MK1 und zum A76 MK2 zeigen die Vorder- und Rückansicht des A76, wobei alle wesentlichen Teile eine Nummer tragen, deren Beschreibung ebenfalls angegeben wird. Hier aber nur die entsprechenden Bilder.

Stereo-Filter

Der Unterschied zwischen dem Typ MK1 (oben) und dem Typ MK2 (unten) besteht in der Belegung der Taste "50".

Das "Stereo-Filter" vermindert die Kanal-Trennung der Stereo-Kanäle für höhere NF-Frequenzen. Da das Rauschen bei Stereo mit höhereren NF-Frequenzen ansteigt, läßt sich so das Rauschen auf Kosten der Kanal-Trennung reduzieren.

Das Bild links (Abb. 8.2 aus "Digitalisierung des UKW Rundfunks") zeigt die (relative Größe der) Störleistungs-Dichte in einem Stereo-Signal in Abhängigkeit der NF Frequenz bzw. MPX-Frequenz.

Grün ist die Rauschleistung im "Mono"-Signal, während die Fläche der rot gezeichneten Störleistung des "Differenz"-Signals beim Empfang von Stereo-Signalen hinzu kommt. Man erkennt, daß das Rauschen bei Stereo stark ansteigt. Durch das "Stereo-Filter" wird dieser Rauschanteil erniedrigt - zu Lasten der Trennung der Stereo-Kanäle.

Digitale "Zusatz-Signale" (magenta) gab es zu damaligen Zeiten noch nicht.

Multipath-Indikator

Das Lämpchen "42" in der Bedienanleitung ist der Indikator für "Multipath", d.h. Mehrwege-Empfang. Unter Mehrwege-Empfang versteht man eine Situation, wo der empfangene Sender über mehrere (unterschiedlich lange) Wege beim Empfänger ankommt. Das ist eine typische Situation für eine bergige Landschaft, Fig. 18.

[Anmerkung:
Beim digitalen Mobilfunk (mit dem Smartphone) führen die Echos zu Verzerrungen der Daten-Symbole, was durch verschiedene Strategien "bekämpft" werden muß, damit die Fehler-Rate ausreichend klein wird.]

Fig. 18 empfiehlt, die empfangsseitige Richt-Antenne so weit zu drehen, daß die reflektierten Signale praktisch nicht mehr empfangen werden können. Das geht natürlich nur zu Lasten der Größe des Empfangs-Signals, was aber meist keine weitere Auswirkung hat, als daß die Anzeige der Empfangs-Feldstärke geringer ausfällt.

In Fig. 11-5 (aus der oben zitierten Literaturstelle) ist beispielhaft dargestellt, wie sich ein solches "Echo" beim Mehrwege-Empfang auswirkt. Die Berechnung erfolgte hierbei für den Fall, daß die (gewünschte) Modulation nur aus einem Cosinus-Ton besteht. 

Typisch für Mehrwege-Empfang ist dabei, daß - abhängig von der Größe des Echo-Signals - im demodulierten NF-Signal nadelförmige Spitzen entstehen, die zu internen Übersteuerungen des Demodulators führen und sich (bei Musik) gehörmäßig so auswirken wie "Papier im Klavier".

Da die Dauer der Spitzen sehr kurz ist, wird deren Dauer zur Steuerung der Anzeige mit Hilfe eines Monoflops so weit verlängert, daß das Glühlämpchen "42" deutlich erkennbar leuchtet. Die Anzeige-Schaltung ist empfindlich, so daß das Lämpchen "42" bereits flackert oder leuchtet, auch wenn im demodulierten Signal noch nichts direkt hörbar ist. In einem gebirgigen Land, wie der Schweiz, war das Lämpchen "42" sicher ein sehr wichtiger Indikator zur Einstellung der Richtung einer drehbaren Antenne.

Pegel-Anzeige

Das Instrument für die Pegel-Anzeige "43" hat 5 Felder, die i.w. logarithmisch unterteilt sind, so daß aus der Zeigerstellung recht gut auf die Empfangs-Spannung für die Sender geschlossen werden kann.

Stereo-Empfang ist aufgrund der erhöhten Rauschleistung im Differenz-Kanal immer weniger verrauscht, je größer der Ausschlag der Pegel-Anzeige ausfällt.

 

 

 

Der A76 von innen

Wird das Gehäuse aus Holz entfernt, erhält man das Chassis, welches oben und unten mit einem angeschraubten Lochblech abgedeckt ist, so daß sich der eigentliche Empfänger in einem Faradyschen Käfig befindet. Das UKW Empfangs-Signal kommt nur über die entsprechenden Buchsen hinein. Buchsen "58" für 240 Ω symmetrische Antennen-Leitung bzw. BNC-Buchse "59" für 60 Ω koaxiale Leitung.

Das Gerät ist modular aufgebaut - wie ein professioneller Empfänger. D.h., der Empfänger hat mehrere getrennte Platinen, wie aus dem Bild für die Steckverbindungen hervor geht, das die Ansicht von oben zeigt. Die Spannungsversorgung der Platinen erfolgt über eine durchgehende "Schiene" mit Hilfe von gesteckten farbigen Leitungen. 

Die Bezeichnungen der Module hier unterscheiden sich teilweise von denjenigen im Prospektblatt von der IFA 1969.

  • Unten ist der ZF-Streifen "B" mit dem 8 kreisigen linearphasigen ZF-Filter (rechte Seite), das auf 8 Becher verteilt ist. Links daneben folgt der 5 stufige ZF Begrenzer-Verstärker (mit IC's).
  • Darüber ist links der FM-Demodulator "C". Auffällig sind die beiden dick schwarz gezeichneten koaxialen Verzögerungs-Leitungen dieses "Leitungs-Demodulators".
  • Rechts neben "C" ist der Anzeige-Teil "F", der u.a. den (schmalbandigeren) FM-Demodulator enthält, der die Anzeige des "Mitten-Instruments" "44" steuert.
  • Rechts neben "F" ist die Hilfsträger Erzeugung "D". Der Stereo-Hilfsträger wird benötigt zur Stereo-Demodulation.
  • Rechts neben "D" ist der Stereo-Multiplex-Decoder "E".
  • Rechts neben "E" ist die UKW Empfangs-Box mit dem vierfach Drehkondensator zu erkennen.
  • Ganz links ist das Netzteil angeflanscht, erkennbar an den 3 Sicherungshaltern am oberen Ende.

Der MK1 von innen

Der kürzlich bei Ebay Kleinanzeigen gekaufte Revox A76 MK1, verwendet, wie zu erkennen ist, durchweg Glasfaser verstärkte Printpatten (FR4; FR: flame retardant, flammenhemmend). Diese Art von Printplatten kann nur gebohrt werden. Der Deckel des Tuner-Kästchens ist abgenommen.

Der MK3 von innen

Der wesentliche hier erkennbare Unterschied zum MK1 besteht darin, daß die Printplatinen beim MK3 aus anderem FR4 Material bestehen. Bei dieser Art von Printplatten mit oranger Farbe können die Löcher gestanzt werden. Ausnahmen davon sind die Platinen des Spannungs-Verteilers und im UKW Tuner-Kästchen, dessen Deckel angenommen ist. 

Die Schaltung des UKW-Tuners und des ZF-Verstärkers

Bei der Schaltung von UKW-Tuner und ZF-Verstärker gibt es Unterschiede zwischen MK1 und MK2 bzw. MK3.

Zunächst der MK1:

Die Serie "MK1" geht offensichtlich bis zur Fabrik-Nummer 3175. Typisch für diese Serie ist, daß

  • der ZF-Ausgang nur einpolig erfolgt und
  • der Oszillator aus 2 NPN Transistoren besteht, jedoch keine Trennstufe hat, sowie
  • die Größe des ZF-Signals (nach Gleichrichtung durch D104) zur Verstärkungs-Regelung des Dual Gate Mosfets der UKW Vorstufe verwendet wird.
  • in den ZF-Begrenzerstufen das IC CA3028A verwendet wird.

Nun der MK2:

Folgende Änderungen gegenüber der 1. Serie sind erkennbar:

  • der ZF-Ausgang erfolgt zweipolig und
  • die Trennstufe zwischen Oszillator (NPN Transistor) und Mischer (Dual Gate Mosfet) ist ein FET sowie
  • die UKW Vorstufe wird nicht geregelt. Als MOSFETS kommen MFE 3007 zum Einsatz.

Der Schaltplan zeigt auch die Struktur des linearphasigen 8-kreisigen ZF-Filters mit Gauß-förmiger Durchlaßkurve. Daneben die Schaltung des im ZF-Begrenzer-Verstärker verwendeten ICs CA3053.

Jetzt der MK3:

 

Gegenüber der Serie MK2 ist keine wesentliche Änderung erkennbar - außer daß hier eine "amerikanische" bzw. internationale Darstellung für die Bauelemente verwendet wird.

In den Schaltbildern der UKW-Tuner des MK2 und des MK3 sind keine Trennwände eingetragen - im Unterschied zum Schaltbild des MK1.

 

 

Aus dem Datenblatt für die CA3028A, CA3028B , CA3053 "Familie" ist zu entnehmen, daß der Wechsel vom CA3028A des ZF Begrenzerverstäkers im MK1  zum CA3053 in den Begrenzerverstärken im MK2 & MK3 "höchst wahrscheinlich" eine Verbilligung der Herstellungskosten erbrachte. 

Allerdings - und das geht aus dem Datenblatt eindeutig hervor - ist der CA3053 als ZF Verstärker auf 10,7 MHz völlig ausreichend.

Gezeigt ist hier nur Seite 1 des 11 seitgen Datenblattes.

 

 

 

 

 

Obwohl sich im Bereich UKW Tuner / ZF-Filter die Serien unterscheiden, können die ZF-Filter mit Hilfe einer Anpaß-Schaltung Bild 4.2.-1 gemessen werden. Bei der Serie MK1 muß die Spannung -23 V extra zugeführt werden. Zu beachten ist dabei, daß sich die Generator-Spannung bei Anpassung halbiert, bezogen auf die Spannungs-Anzeige des Meß-Senders, Bild 4.2.-4.

Bilder der UKW-Tuner

Tuner des MK1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Im Bild links ist der geöffnete UKW Tuner des MK 1 zu sehen (Deckel abgenommen). Man erkennt den 4-fach Drehko (Dau), darunter die Schwingkreis-Spulen und weiter darunter die Transistoren. In der rechten Ecke ist das Abschirmblech für die Eingangs-Stufe zu sehen.
  • Im Bild rechts ist der geschlosssene UKW Tuner des MK1 von unten zu sehen. Der Deckel hat insgesamt 8 Löcher für den Abgleich des Tuners.

Tuner des MK3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Im Bild links ist der geöffnete UKW Tuner des MK3 zu sehen (Deckel abgenommmen). Im Unterschied zum UKW Tuner des MK1 gibt es hier eine zusätzliche Trennwand nach dem 1. Paket des Drehkos links.
  • Im Bild rechts sieht man die Unterseite des UKW Tuners des MK3 bei abgenommenem Deckel. Zu sehen sind die Schraubgewinde der Spulen-Kerne. Der Deckel des MK3 Tuners hat keine Löcher für den Abgleich. [Wenn die Abgleich-Bedingungen (für die Fertigung) bekannt sind, kann man auch bei geöffnetem Deckel korrekt abgleichen.]

weitere Bilder der beiden Chassis

MK1 und MK3 von unten

 

 

 

 

 

 

Von ihrer Unterseite her unterscheiden  sich die beiden Chassis i.W. nur durch die Farbe der Printplatinen. Beim MK3 (rechts) fehlt noch der Deckel der UKW-Box.

MK1 und MK3 von schräg oben vorne

 

 

 

 

 

 

Man erkennt nur geringe Unterschiede. Die Frontplatte bei beiden ist aus Aluminium. Dagegen sind die anderen Bleche beim MK1 "Weißblech" und beim MK3 ist die Oberfläche der Bleche mit Cadmium passiviert.

Die Geräte beim Kauf

Damit ein Vergleich mit dem für UKW Fernempfang erweiterten Gerät #1168 zu original erhalteten Geräten erfolgen kann, wurden die beiden bisher beschriebenen Geräte gekauft.

Hier die Fotos der Verkäufer für beide Geräte.

Das Gerät MK1

Der Revox Tuner vom Typ MK1 #1864 ist sehr gut original erhalten. Er wurde bei Ebay Kleinanzeigen gekauft. Einzig das obere Ende der Front ist etwas fleckig geworden. Das läßt sich aber einigermaßen "weg polieren".

Das Gerät MK3

Dies ist eines der Fotos des A76 #27338 aus dem Ebay Angebot. Der rechteckige Ausschnitt oberhalb der Skala erschien (auf allen gezeigten Fotos) wie ein Aufkleber. Auch gab es in der Beschreibung bei Ebay keinerlei Hinweis (!) zu diesem Ausschnitt. Dies ist um so erstaunlicher, als der Verkäufer nicht nur "OM", sondern sogar ein Fachmann für Hochfrequenztechnik ist und ein Ingenieurbüro unterhält. Bei Ebay hat er zu 100% positive Bewertungen !?

Bei Ebay gab es zum Kauf des A76 ca. 10 Angebote dieses Typs von Geräten. Manche davon sogar aus Polen - die allerdings zum dreifachen Preis. (Bekanntermaßen sitzen vor den Werkhöfen i.d. R. Aufkäufer von "wieder verkaufbaren" Geräten.) Offensichtlich ist der A76 z.Z. "wohlfeil".

Der Revox A76 MK3 war "verbastelt"

Nach der Öffnung des Gerätes und der Abnahme der Frontblende zeigte es sich, daß in diesem Gerät ein Zähler nachgerüstet war. In dem besagten Ausschnitt befindet sich eine 5 stellige Anzeige mit roten 7 Segment Anzeigen - gemäß dem technischen Stand der '70er Jahre.

Der Zähler auf einer Euro-Platine befand sich in einer Schirmbox aus Weißblech. Diese Schirmbox füllte den Raum zwischen der Oberseite der Platinen des A76 und dem oberen Schirmblech des Gerätes fast vollständig aus. Für den Zähler war ein extra Netzteil vorne auf dem Frontblech des Empfänger-Chassis montiert. Die Band-Leitungen zwischen dem Zähler und dem Display verliefen quer durch das Gerät.

Da die Skala des A76 sehr präzise ist, wenigstens bei meinem MK1, ist ein extra Zähler bei diesem Gerät ungefähr so "überflüssig wie ein Kropf". Die in die Frontplatte eingelassenen 7 Segment Anzeigen wurden belassen, aber die Leitungen abgezwickt.  Das Rechteck in der Frontplatte ist zwar ein "Schönheitsfehler", stört aber weiter nicht.

[Wenn jemand an dem Zähler Interesse haben sollte: bitte melden.]

UKW Fernempfang

Während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Hochfrequenztechnik der Uni Stuttgart wohnten wir südlich von Stuttgart auf einer Anhöhe mit Blick auf das Tal des Neckars und auf die Schwäbische Alb. Für UKW Fernempfang war das eine sehr günstige Lage.

Im UKW Senderplan von 1965 ist die damalige Position südlich von Stuttgart mit gelben Linien markiert.

Da es zur damaligen Zeit noch keine "Privat"-Funker gab, war das UKW Band noch nicht so übervoll wie heute.

Vom damaligen Standort aus konnten so UKW Programme vom BR, SDR, SWF, HR, SR, aber auch aus der Schweiz, aus Frankreich und aus Österreich empfangen werden.

Zur damaligen Zeit gab es auch noch echte "Radio"-Zeitschriften, die eine wöchentliche Übersicht über die Rundfunk-Programme der Sender abdruckten. Damit war es möglich, gezielt interessierende Sendungen anzuhören, die man sich im Voraus in der Programm-Zeitschrift markiert hatte.

Radio hören war dadurch eine "aktive" Tätigkeit und nicht, wie heute zumeist, ein "Nebenher-Gedudel".

 

 

 

 

Da der Standort südlich von Stuttgart topographisch für den Fernempfang günstig war, genügte als drehbare Antenne die Hirschmann U6.

Nach dem Umzug 1973 nach Berlin sah die Sache aber "ganz anders" aus.

Für UKW Fernempfang gab es nun 3 interessante Sender, die jedoch praktisch schon jenseits des Radio-Horizonts lagen - wenigstens für die meisten UKW Radios.

Im Sender-Plan von 1965 sind die damals wichtigen Empfangs-Richtungen mit blauen Linien markiert. Die hierbei interessierenden Sender waren der NDR (vom Harz), der HR (vom Hohen Meißner) und der BR (vom Ochsenkopf).

In Berlin herrschte im Radio-Programm damals "kultureller Notstand". Der SFB, der ursprünglich das Kultur-Programm NDR3 des Norddeutschen Rundfunks ausgestrahlt hatte, war der Meinung, daß Kultur im Radio eigentlich nicht mehr nötig sei und hatte die Programmübernahme ersatzlos gestrichen.*) Es gab dann damals eine Bürgerinitiative, die nach mehreren Jahren erreichte, daß im SFB die Kultur doch wieder notwendig war. 


*) Beim RBB ist man heute wieder entsprechender Meinung, daß es nämlich genüge, Kultursendungen nur noch per Potcast für Smartphones anzubieten, weshalb man dann die Sender für "lineare" Ausstrahlung abschalten  könne. Da scheint einiges aus dem Ruder zu laufen.


Bei den DDR Programmen war es nur DDR2, das hin und wieder ein Konzert ("E"-Musik) brachte.  Also insgesamt kultureller Notstand in den Radio-Programmen. 

[In Österreich war die Kultur im 1. Programm, im SDR, SWF, BR und HR gab es Kultur in den 2. Programmen, aber nördlich des "Weißwurst-Äquators" gab es die Kultur erst in den 3. Programmen. Was sagt uns das?]

In Berlin war UKW Fernempfang folglich "lebensnotwendig" - und eine bessere Richtantenne als die U6 erforderlich.

 

Dieses Stolle Antennen-"Geweih" wurde nun auf dem Wohnblock montiert, wo wir zuerst wohnten. Es war eine extra "Antennen-Genehmigung" des Vermieters erforderlich.

Die Antenne erfeute sich großer Beliebtheit bei den Tauben, da sie eine gute Rundumsicht bot. Leider setzten sich die blöden Viecher nicht in die Mitte der Antennen-Stäbe, sondern fast immer ganz außen hin. Da die Stäbe der US14V nicht durchgehend sind, sondern in der Mitte geteilt, hatte das zur Folge, daß sich über kurz oder lang die Stäbe lockerten und dann teilweise auch herunterfielen. Was die Tauben nicht "schafften", besorgte der Wind.

Um aber die UKW Fern-Sender tatsächlich empfangen zu können, war es erforderlich, den Revox A76 aufzurüsten. Es war eine schmalere Bandbreite des ZF Filters erforderlich, weil speziell der Sender des NDR nur einen Kanal (300 kHz) neben RIAS (Ortssender mit 100 KW Strahlungsleistung) lag. Ein schmaleres ZF Filter mußte jedoch trotzdem eine konstante Gruppen-Laufzeit (und damit eine lineare Phase) haben, weil ansonsten unzulässig große Verzerrungen im demodulierten FM-Signal entstehen würden.

Als die Tauben die "Stolle" Antenne "geschafft" hatten, gab es als Ersatz eine entsprechende Antenne, die von Fa. Ankaro vertrieben wurde. Produziert wurde diese Antenne vermutlich in der damaligen DDR.

Diese hatte nun durchgehende Antennen-Stäbe. Auch bei dieser Antenne wurden alle Schrauben und Muttern durch solche aus V2A Edelstahl ersetzt und alle Teile mit farblosem Lack gestrichen, damit sie der Witterung besser standhalten konnten.

Leider war diese Antenne ebenfalls bei Tauben sehr beliebt, was im Laufe der Zeit auch sie ruinierte.

Da mittlerweile aber auch die Qualität der Kulturprogramme von NDR und HR abgenommen hat, wurde diese Antenne nicht mehr ersetzt. Zwischenzeitlich ist auch der Empfang von Kultur- und Klassik-Sendungen über Rundfunk-Satelliten attraktiver geworden.

Umschaltbare Bandbreite für den A76

Zusammen mit einem Kollegen an der damaligen Fachhochschule der Deutschen Bundespost Berlin, der sich ebenfalls für den UKW Fernempfang interessierte, wurden am 25.01.1977 zwei (reparierte) Revox ZF-Streifen (1.076.170) über eine Revox Vertragswerkstatt zu insgesamt DM 448,44 beschafft. Der Kollege hatte einen A76 MK3. Und - wohl aus Zufall - war ein ZF-Streifen von einem MK1 und einer von einem MK3. Hat also jeweils genau gepaßt.

Die Idee war also ganz einfach, wenn auch nicht ganz billig.

Bild 3.4-1 ist die (betragsmäßige) Dämpfungs-Kurve des ZF-Filters. Die für FM wichtigere Kurve ist die in Bild 3.4-2 dargestellte Gruppen-Laufzeit des ZF-Filters. Diese ist, wie für eine verzerrungsfreie FM erfordrlich, konstant im Bereich zwischen ± 100 kHz bezüglich der Mittenfrequenz (10,7 MHz) des Filters. Da der Dämpfungsverlauf in Bild 3.4-1 ziemlich genau einer Parabel entspricht, hat die Durchlaßkurve betragsmäßig einen Gauß-Glocken förmigen Verlauf. Da die Dämpfung außerhalb von ± 100 kHz stark ansteigt, haben die Spektral-Anteile außerhalb dieses Bereichs nur sehr kleine Beträge, so daß sich die Änderung der Laufzeit außerhalb dieses Frequenzbereichs folglich praktisch nicht bemerkbar macht.

Bild 3.4-3 zeigt den Signal-zu-Geräusch-Abstand für Mono und für Stereo bei unterschiedlich großen Frequenz-Hüben (entsprechend zur Signal-Amplitude). Der geringere Signal-zu-Geräusch-Abstand bei Stereo erklärt sich unmittelbar aus der größeren Störleistungs-Dichte des Differenz-Signals, s. Graphik weiter oben.  

  • Aufgrund der Kurven Bilder 3.4.-1 und 3.4.-2 konnte man also davon ausgehen, daß eine Ketten-Schaltung von 2 derartigen ZF-Streifen erstens den konstanten Verlauf der Laufzeit nicht beeinträchtigt und zweitens aber eine schmalere ZF-Bandbreite realisiert. Das hat sich in der Praxis bestätigt.

Blockschaltbild und Verbindungs-Schaltbild A76 original

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Blockschaltbild (links) zeigt - gestrichelt eingerahmt - die Baugruppen des A76. Im Verbindungs-Schaltbild (rechts) sind die (gesteckten) Verbindungsleitungen und ihre Farben verzeichnet. Rechts oben - direkt unter dem Buchstaben "G" ist die Schaltung aus 2 Widerständen und einem Elko erkennbar, die das "Stereo-Filter" bewirkt.  Diese wurde anläßlich der Umschaltung der ZF-Bandbreite im Gerät #1168 nachgerüstet. 

Blockschaltbild des Gerätes mit umschaltbarer Bandbreite

Der nachgerüstete 2. ZF-Streifen ist im Blockschaltbild unten eingefügt. Die erforderlichen neuen bzw. geänderten Verbindungsleitungen sind in magenta gezeichnet.

 

 

Die 2. Triggerschaltung "Muting 2 für Revox" ist auf einer kleinen Platine realisiert. Diese ist im Gerät vor der Alu-Platte des Chassis und damit unmittelbar hinter der Frontblende montiert.

Als Komparator wird ein Differenz-Vertsärker Typ 709 verwendet.

 

 

 

 

Das Foto zeigt die Front des umgebauten A76 MK1. Man erkennt rechts neben den originalen Tasten den Kippschalter (doppelpoliger Umschalter), mit dem die ZF-Bandbreite um geschaltet werden kann. Daneben ist ein Drehknopf, der das Poti des Komparators bedient.

 

Innenansichten des umgebauten A76

Der 2. ZF-Streifen befindet sich in einer "Wanne" aus Weißblech (von einer Konserven-Dose) direkt oberhalb des originalen ZF-Streifens. Er trägt den Datums-Stempel vom 25.02.77, damit man später auch noch weiß, wann der Einbau erfolgte.

Die Spannungs-Zuführungen erfolgen alle mit Hilfe von Durchführungs-Kondensatoren und die Versorgungs-Spannungen sind verdrosselt (Ferrit-Kerne, mit Draht bewickelt). (Weißblech läßt sich gut löten.)

Hinter dem 8 kreisigen ZF-Gauß-Filter ist eine Lochraster-Platine zu sehen, auf der 2 Elkos, 2 Dioden und 4 Widerstände zu sehen sind. Es ist dies die Zeitverzögerung für die Umschaltung der ZF-Bandbreite. Damit wird vermieden, daß gleichzeitig das einfach gefilterte und das doppelt gefilterte ZF-Signal an der Trennstufe des Leitungs-Demodulators ankommen, was ansonsten zu Störgeräuschen führen würde.

Bei dieser Aufnahme sind der Leitungs-Demodulator und die zusätzliche Lochraster-Platine gut erkennbar. Wichtig ist auch noch die Änderung im Netzteil (links). Die Vorwiderstände 330 Ω und 390 Ω zur Gewinnung der + 6V bzw. - 6V sind entfallen und wurden durch Festspannungs-Regler 7806 bzw. 7906 ersetzt. Diese sind vorne an das Alu Frontblech zwecks Kühlung angeschraubt. Die Änderung war notwendig, weil bei der gewählten Art der Umschaltung beide ZF-Streifen ständig unter Spannung bleiben. (Es werden nur die ZF-Signale umgeschaltet.)

Bei dieser Aufnahme ist links unten, also ganz vorne, die Platine der 2. Triggerschaltung (für Muting) zu sehen.

In der Unteransicht des A76 MK1 mit umschaltbarer Bandbreite ist im Foto oben mittig der (winzige) Doppel-Loch-Ferrit-Übertrager zu sehen, mit dem das ZF-Signal im Kollektor des ersten Differenz-Verstärkers ausgekoppelt wird. Die graue Koaxilal-Leitung führt zur Oberseite bis zum Anfang des nachgerüsteten zweiten ZF-Streifens.

[Die Öffnung des Gerätes wurde gleich dafür benutzt, um die beiden weißen Elkos (50μF/25V) im Modul des Leitungs-Demodulators durch Elkos (47μF/100V) zu ersetzen.]

Dies ist ein Foto des Netzteils des MK3 Gerätes, das jedoch gegenüber dem MK1 Gerät praktisch keine wesentlichen Änderungen aufweist. Man sieht den Schnittband-Kern des Netztrafos und die Kühlkörper der Regeltransistoren BC140C. Im umgebauten MK1 arbeitet das entsprechende Netzteil seit vielen Jahren ohne Probleme. Die zusätzliche Strombelastung durch den 2. ZF-Streifen wird ohne Probleme verkraftet.

Die Ankopplung des 2. ZF-Streifens

Durch den Einbau des 2. ZF-Streifens darf die Funktion des 1. ZF-Streifens nicht verändert oder beeinträchtigt werden. Aufgrund der Schaltung des Revox A76 ist das in der Tat problemlos möglich.

Auskopplung hinter dem ZF-Filter des 1. ZF-Streifens

In Bild 2 aus der Beschreibung in der Funkschau ist mit einem Pfeil markiert, an welcher Stelle eine Leitung unterbrochen und da ein Doppel-Loch Ferrit-Übertager eingefügt wird.

Ein solcher Doppel-Loch-Ferrit-Übertrager (sehr kleiner Bauform) wird mit einer seiner Wicklungen an der Stelle des Pfeils eingefügt. Die andere Wicklung geht dann über eine "Anpaß-Schaltung" entsprechend zu Bild 4.2-1 (weiter oben) auf den Eingang "AB1" des 2. ZF-Streifens. Da der Eingang "AB1" des ZF-Streifens auf den Emitter eines in Basisschaltung betriebenen BF115 geht, ist der Eingangswiderstand gering. Dieser geringe Widerstand transformiert sich zu einem entsprechend geringen Widerstand auf der Sekundärseite des Doppel-Loch-Übertragers, so daß der Kollektor des linken Transistors des Differenz-Verstärkers im IS 201 immer noch fast einen Kurzschluß sieht. Gegenüber den ursprünglichen Verhältnissen also praktisch kein wesentlicher Unterschied.

Die Auskopplung hinter dem 2. ZF-Streifen

Vom ZF-Streifen geht es dann zum Leitungs-Diskriminator. Dieser hat einen symmetischen Aufbau, denn jede der elektrisch λ/8 langen Leitungen liegt jeweils im Kollektor eines Transistors von einem Differenz-Verstärker. Bild 6 aus der Funkschau zeigt dies. Der Pfeil gibt wieder an, wo eine Änderung erfolgen muß. Die Basis des rechten Transistors T303 (MPS3563) wird von Masse abgetrennt und dann entsprechend zum linken T302 mit dem ZF Ausgang "BC1" des 2. ZF Streifens verbunden.

Die Umschaltung zwischen Bandbreite "breit" und "schmal"

Die Umschaltung zwischen "normaler" ZF-Bandbreite (Gauß-ZF Filter des 1. ZF-Streifens) und "schmaler" ZF Bandbreite (die ZF-Filter beider ZF-Streifen in Serie) erfolgt nun damit, daß

  • in der Stellung "normal" der 2. ZF-Streifen über Muting stumm geschaltet wird und
  • in der Stellung "schmal" der 1. ZF-Streifen über Muting stumm geschaltet wird.

Damit wird auch verständlich, daß die Umschaltung verzögert erfolgen muß, damit nicht während des Umschaltens beide ZF-Streifen ihr Signal an den Diskriminator liefern.


Beide "neu" beschafften A76 funktionieren nun wieder zu 100%, wie ein Test ergeben hat.

Mein Dank geht an Hans Knoll für wichtige technische Hinweise.

MfG DR

  
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