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Der "Original Telefunken" Rundfunk-Empfänger

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Papers » Basic principles of radio technique » Der "Original Telefunken" Rundfunk-Empfänger
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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18.Oct.21 10:20
 
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Im April 1924 gab Telefunken die Beschreibung des "Original Telefunken" Rundfunk-Empfängers heraus, der aus 2 Bausteinen bestand und deren Namen "Telefunkon G" und "Telefunkon C" lauteten.

Diese Beschreibung umfaßt 16 Seiten und hat die Abmessungen 19 cm * 12,5 cm. Im Scan sind diese Abmessungen größer.

 

Den "Telefunkon G" findet man unter "Telefunkon GK".

Der "Telefunkon C" ist unter "Telefunkon C" zu finden. Hier sind auch Schaltpläne dabei.

Die Zusammen-Schaltung von "Telefunkon G" und "Telefunkon C" wurde auch als "D-Zug" bezeichnet.

Parallel-Geräte

Zum "Telefunkon D-Zug" gab es Parallel-Geräte von Siemens und von der AEG. Diese Parallel-Geräte unterscheiden sich nur etwas im Design, z.B in der Art des Holzes für die Gehäuse. Auch gab es nicht alle "Kästchen" von jeder der drei Firmen.

Dieses Parallel-Angebot von Rundfunk-Empfängern wurde anschließend dann allerdings verlassen und erst wieder mit den Empfängern der Saison 1932 wieder aufgegriffen.

Siemens "D-Zug"

Der "Siemens D-Zug" hat hier auf der linken Seite noch einen HF-Verstärker vor-geschaltet. Damit war er bereits für Fernempfang geeignet. Die Bausteine hatten jeweils einen einstellbaren Draht-Widerstand (Dreh-Regler) zur Regulierung der Heiz-Spannung der Röhren (markiert mit "Heizung"). Die Vorschrift besagte, nicht weiter auf zu drehen als unbedingt notwendig. Zu helles Glühen der Heizungen der Röhren erhöhte zwar den Anodenstrom (mehr als ausreichend), schadete jedoch den Röhren, weil deren Lebensdauer dadurch stark verkürzt wurde. Rein praktisch gesehen wurde dann auch der Heizakku schneller entladen und mußte i.d.R. zum Aufladen weg gebracht werden.

Die größte Vielfalt hatte der "D-Zug" von Siemens zu bieten, so z.B. auch ein Kästchen Rfms3, das ein Meßgerät enthielt. Ein Umschalter erlaubte es, sowohl die Spannung der Anoden-Batterie als auch die des Heiz-Akkus zu kontrollieren.

So sah 1924 ein kompletter Siemens D-Zug aus. Zu seiner Ausstattung gehörte noch ein 4 Volt Akku für die Heizung der Röhren (links hinten), eine Anoden-Batterie (Pertrix, mittig hinten) und ein Horn-Lautsprecher (Rfl1 bzw. EH329).

Da die Röhren fertigungstechnisch noch nicht gleichmäßig ausfielen, mußten sie für die jeweilige Funktion selektiert werden. Für die Verstärkung geeignete Exemplare wurden mit gelber Farbe markiert. Röhren, die sich besonders als Audion eigneten, erhielten eine rote Markierung ("Rotkäppchen").

Eine zeitgenössische Beschreibung des "Siemens D-Zuges" stammt aus der Siemens Zeitschrift vom Juli 1924.

Bei der Verwendung der RE84 genügt ein 2V Blei-Akku für die Heizung. (Die RE84 darf nicht mit der RE084 verwechselt werden. Daten der RE84 findet man z.B. auch in der Beschreibung zu "Owin 74, ein Batterie-Radio".)

Die in den Jahren 1924/25 verfügbaren Röhren

 

Bei den Sockeln der damals verfügbaren Röhren herrschte noch eine bunte Vielfalt, wie aus Abb. 740 - 745 hervor geht.

So gab es z.B die RE84 mit dem "Telefunken" Sockel Abb. 744, aber die (elektrisch) gleiche als RE88 mit "amerikanischem" Sockel Abb. 745,sowie als  RE95 mit "englisch-französischem Philips-Sockel". 

Genau dieser "engl.frz." Sockel hat sich anschließend bei den "RE, REN, RENS Stift-Röhren" durchgesetzt.

Warum? Weil für diese Art des Sockels keine Lizenz-Gebühren zu entrichten waren - er war als einziger nicht patentiert.

 

Aufgrund der Beschreibung in der Siemens Zeitschrift und des Zusatz-Kästchens mit dem Meßgerät kann man davon ausgehen, daß der "D-Zug" bei Siemens im "Werner-Werk" entwickelt wurde. Auch spricht der an "Telephon-Technik" erinnernde Realisierungs-Aufwand dafür.

Nachfolge-Geräte des D-Zuges bei Siemens

Die Nachfolge-Geräte des D-Zuges bei Siemens bestanden nur noch aus einem Gehäuse, in welches die Technik des D-Zuges eingebaut war - mit Verbesserungen entsprechend dem technischen Fortschritt. In der Bezeichnung wurde die Buchstabenfolge "Rfe" beibehalten.

Unmittelbarer Nachfolger war der Rfe9a, ein Steilpultgerät mit oben stehenden Röhren.

Diesem folgte der Rfe10, ebenfalls ein Steilpultgerät mit oben nach vorne heraus ragenden Röhren.

In Deutschland gab es damals noch nicht überall eine öffentliche Strom-Versorgung. Andererseits bestand auch in diesen Gebieten der Wunsch "Fernempfang" zu betreiben.

Diese Art der Steilpult-Geräte gab es dann noch bis 1929, hier als Rfe22.

Der Einbau in ein Gehäuse und der damit verbundene gedrängtere Aufbau führten beim HF-Verstärker zur Instabilität, so daß eine Neutralisation erforderlich wurde. Die Wirkungsweise dieser Neutralisierung war allerdings nicht einfach zu durchschauen.

Die Siemens Steilpult-Geräte gehörten zu den hochpreisigen Radios.

Nachfolge-Geräte des D-Zuges bei Telefunken

Bei Telefunken war Graf Arco für die Entwicklung zuständig. Dieser versuchte, die Technik der Empfänger zu "optimieren", so daß diese billiger hergestellt werden konnten: "Die Rundfunkgeräte der Arcon-Reihe".

Der "Arcon-D-Zug" hat zwar noch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem "Telefunkon-D-Zug", ist jedoch von seiner Technik her viel billiger und daher primitiver gebaut.

Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß mit der Eröffnung des "Unterhaltungs-Rundfunks" 1923 auch einige andere Firmen Radio-Geräte auf den Markt brachten, so daß ein Preis-Druck entstanden ist.

Nesper stellt in "Der Radio Amateur, Radio-Telephonie, 6.A., Springer, 1925" u.a. Röhren-Empfänger von folgenden Firmen vor: (Dr. Eugen Nesper legte Wert auf Titel.)

 

 


Mein Dank gilt Rolf Weth, der im RBF den Nachbau eines D-Zug mit heute verfügbaren Mitteln  beschreibt und die Übernahme des Scans aus der Siemens-Zeitschrift erlaubte.

Inzwischen ist der Nachbau des D-Zuges komplettiert und mit Miniatur-Röhren ausgestattet, die stilvoll im Glaskolben von Retro-Leuchten verborgen sind. Es gibt auch ein Video dazu, das eine Empfangs-Situation demonstriert.

This article was edited 28.Oct.21 13:05 by Dietmar Rudolph .

  
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