radiomuseum.org

 
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.
  The thread rating is reflecting the best post rating. Have you rated this thread (best post)?

loewe-opta: 2781W (2781 W); Meteor Restauration

Moderators:
Martin Renz Ernst Erb Vincent de Franco Martin Bösch Mark Hippenstiel Bernhard Nagel Otmar Jung Eilert Menke 
 
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Radios and other type of sets (Physics) etc. » MODELS DISPLAYED » loewe-opta: 2781W (2781 W); Meteor Restauration
           
Jochen Amend
Jochen Amend
Editor
D  Articles: 529
Schem.: 40
Pict.: 2016
26.May.06 12:02
 
Count of Thanks: 31
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Liebe Radiofreunde,

mit diesem Threat möchte ich meine Arbeit an meinen Geräten einmal dokumentieren. Auch möchte ich neue oder unentschlossene Mitglieder dazu ermuntern, keines der historischen Geräte aufzugeben, egal in welchem Zustand es sich befindet.


Hier zunächst einmal ein Bild, in welchem traurigen Zustand sich das Loewe Opta 2781W befand, als ich es aus dem Container der Elektroschrottentsorgung Hanau fischte:



Nach dem Öffnen der Rückwand gab es schon die ersten Überraschungen. Negativ fiel auf, dass der Versteifungsrahmen sich komplett gelöst hatte. Die Positive Überraschung bestand in der neuen EM80, die links unten im Gerät, von irgend jemandem einmal als Reserve hineingelegt wurde.



Der erste Schritt bestand darin, das Chassis aus dem Gehäuse auszubauen.



Nachdem ich die Knöpfe für die Lautstärke- und Sendereinstellung abgenommen hatte, lies sich auch das Skalenglas unter ganz vorsichtigen Bewegungen abnehmen. Dieses sollte unbedingt geschehen, da es sonst völlig ungeschützt vom Gehäuse, leicht zu Bruch geht.

Dahinter kamen dann die ziemlich verrosteten, beleuchteten "Gondelchen", in denen die Zeiger montiert sind und das noch mehr korrodierte Reflektorblech der Skalenbeleuchtung zum Vorschein.



Ebenfalls zugänglich wurden dann die Kontakte der Schalter für die Klangwahl, die nur so für eine Reinigung zugänglich waren.



Aber die Instandsetzung der Technik möchte ich hier gar nicht näher behandeln. Hierfür sind meine Kenntnisse noch nicht fundamentiert genug und ich suche mir auch immer Hilfe in Foren und Fachliteratur.

Also rückte ich zunächst einmal dem Rost zuleibe. Mit Scotch-Gewebeschleifband entrostete ich das Blech und die Gondelchen vorsichtig. Danach mussten die Teile grundiert und -in meinem Fall mit Heizkörperlack- lackiert werden. Hier war es hilfreich mit einem Heißluftföhn das Blech ein wenig auf Temperatur zu bringen.



Die Gondelchen lackierte ich mit einem feinen Pinsel. Dafür den Heißluftföhn nicht verwenden! Das gibt Schäden am Chassis!



Das Ergebnis war ein gut gelungenes, wie neu aussehendes Reflektorblech und eine frische Zeigerbeleuchtung in den Gondelchen.





Als nächstes nahm ich mir die abgelösten Gehäuseteile vor. Vor dem weiteren Bearbeiten, wie zum Beispiel Schleifen, musste die Stabilität wieder hergestellt werden. Hierzu benötigte ich lediglich Ponal Holzleim und Schraubzwingen.



Jetzt konnte ich vorsichtig die vordere Zierleiste und das "LOEWE OPTA" Emblem aus ihren Positionen entfernen.



Auch bot sich so die Möglichkeit, die Lautsprecher gründlich zu entstauben. Am besten tut man das im Freien. Ich stellte mich mit dem Rücken in den Wind und blies kräftig in den Korb. Die Staubwolke konnte ich noch lange beobachten, bevor sie sich auflöste.



Nun war echte Muskelkraft gefragt. Schleifpapier ab 80ger Körnung feiner werdend, und ein Schleifklotz waren die einzigen Werkzeuge, die ich benutzte, um den restlichen Lack zu entfernen. Elektrische Hilfsmittel wie Schwingschleifer oder gar Bandschleifer sind zu grob und beschädigen das teilweise nur 0,5mm starke Furnier.

Hier das Ergebnis nach viel Schweiß:



Jetzt kamen auch die teilweise tiefen Beschädigungen im Korpus deutlich zum Vorschein. Hier nur ein Beispiel von 9 tiefen Macken.



Da half nur noch Spachtelmasse. Ich benutzte eine bereits voreingefärbte der Firma "CLOU"



Nachdem die Spachtelmasse trocken war, schliff ich sie wieder glatt, spachtelte nach, schliff wieder, bis das Ergebnis meinen Vorstellungen entsprach. Zum Schleifen benutzte ich aber nur noch Papier mit 600er Körnung und feiner.

Danach entfernte ich den Staub gründlichst und versah das Gehäuse mit der neuen Beize.



Nun stellte sich mir die Frage, wie stelle ich die vier goldfarbenen Zierstreifen wieder her. Hierzu wendete ich mich ebenfalls ins Forum des RM und bekam prompt Hilfe von Herrn Martin Renz, dem ich hier an dieser Stelle noch einmal danken möchte. Jeder, der sich an die Arbeit macht und Gehäuse wieder originalgetreu und wohnzimmertauglich herstellen möchte, kommt an den Beiträgen von Herrn Renz nicht vorbei!

Hier meine Arbeit des Abklebens und Ausschneidens der Zierstreifen mit Hilfe einer Anreißschieblehre und eines Einwegskalpells:



Das Auspacken nach dem lackieren:



Und die fertigen Streifen:



Aber Vorsicht! Nur ganz dünne Lackschichten mehrfach nacheinander auftragen.

Nun kam das allerwichtigste. Herr Renz sagte mir, dass ich nun eine dünne Schicht Klarlack auf die durchgetrockneten Streifen aufsprühen müsse. Und das war gut so! An einem Stück Spanplatte probierte ich mal, was passiert, wenn ich die goldene Farbe einfach überlackiere. Sie lief mit dem Klarlack einfach auseinander.

Also: dünn überlackieren, trocknen lassen und nochmals eine dünne Schicht Klarlack über die Goldstreifen sprühen. Danach sind sie für weitere Lackierarbeiten geschützt.



Nun war es Zeit, die Messingteile wieder zum strahlen zu bringen. Da die Frontzierleiste vom Zahn der Zeit richtiggehend schwarz war, musste ich die erste Schicht... sagen wir ruhig Dreck, mit 1200er Nassschleifpapier entfernen. Danach konnte ich wunderbar das Messing mit Chrompolitur feinpolieren.



Nun war die Zeit reif, das Gerät wieder zu montieren. Die Technik setzte ich in den Trocknungszeiten der Lackierungen wieder instand und möchte hier nicht näher drauf eingehen.



Jetzt musste ich noch den Schmutz von der Skalenscheibe entfernen. Hierzu benutzte ich lauwarmes Wasser und "Quick'n'Brite". Es löst den Schmutz hervorragend und schont die Druckerfarbe auf der Rückseite. Aber bevor ich daran ging großflächig zu reinigen, kontrollierte ich, ob nicht etwa an einigen Stellen die Druckfarbe lose war.



Mit der selben Seifenlauge reinigte ich nun noch die Reglerknöpfe, trocknete sie gründlich, ölte die Madenschrauben leicht mit "Centralin" Nähmaschinenöl und montierte sie nach dem Skalenglas wieder am Chassis.


Nach ziemlich genau 25 Arbeitsstunden hatte ich wieder ein Radio, welches ich jetzt im Wohnzimmer dauerhaft betreibe.





Nochmals, vielen Dank Herr Renz, für Ihre Hilfe und die fachlich hervorragenden Beiträge über Lackierarbeiten an diesen wunderschönen Geräten!

Jochen Amend

 

Ernst Erb
Ernst Erb
Officer
CH  Articles: 5593
Schem.: 13736
Pict.: 30895
28.May.06 23:55

Count of Thanks: 32
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Grüezi Herr Amend
Auf Ihren Beitrag wurde ich "gestossen", denn er entspricht dem, was Michael Münch im Redakteursboard anregte und fördern möchte. Ich komme sonst kaum zum Lesen im Forum, leider.

Nun kann ich Ihnen aber gratulieren - stellvertretend sicher zu zahlreichen weiteren guten Beiträgen von anderen. Das ist eine sehr gute Arbeit und entspricht genau meinem Vorschlag und dem Kommentar zum Wie von Kurt Zehetner: Viele integrierte Bilder zeigen, abgestimmt auf erklärenden Text, der von Beginn bis Ende eine erfolgreiche Arbeit zeigt.

Dieser Post soll stehen bleiben, doch rege ich an, dass Mitglieder durch ein Dankes-Post solche Beiträge mit Vorbildcharakter wieder an die "Oberfläche" holen, damit mehr Leser etwas davon haben. Solche Dankes-Posts werden wir aber später wieder löschen - also keine Punkte :-(
Wir wollen ja möglichst konzentriert und sachlich so schreiben, dass man nach Jahren direkt von solchen Beiträgen lernen kann.

Sehr gut, dass Sie sich auf EIN Thema beschränkten, also nicht Reparatur und Restauration vermischt haben. Man könnte nur noch etwas besser machen: Verlinkung (nicht mit URL, weil lang, sondern über die "Weltkugel" im WYSIWYG) von Grundsatzartikeln dazu, z.B. einen betreffenden von Martin Renz (Schreinermeister). Diese finden Sie durch Klick auf das Mitglied und dann auf "Forumsbeiträge". Da habe ich gesehen, was ich alles verpasste, denn er hat ja auch interessante, gut nachvollziehbare (weil bebildert) Reparaturbeiträge geschrieben.

Zumindest für vier Arten von guten Beiträgen, nämlich Reparaturberichte, Restaurationsberichte, Selbstbauvorschläge und IT-Anleitungen (Computer) wollen wir Beiträge anlegen, die nur den Zweck haben, gute Beiträge zu kommentieren (Highlights) und zu verlinken. Diese Zusammenfassungen kann ich dann an geeigneter Stelle als Link einsetzen - z.B. auf der HP (Suchseite), Publikumsseiten und evtl. bei Anleitung-HILFE.

Wie wir bei den Preisen sehen, ist das Gerät diese Arbeit eigentlich nicht wert, es kommt auch genügend in besserem Zustand vor. Aber hier geht es um das Hobby, um eigene Erfahrungen, um das gute Gefühl, etwas Ausserordentliches geleistet zu haben, schliesslich um ein Stück, das einem danach am Herzen liegt.

This article was edited 29.May.06 00:30 by Ernst Erb .

Marc Goeritz
Marc Goeritz
Editor
D  Articles: 192
Schem.: 20
Pict.: 74
29.May.06 00:33

Count of Thanks: 33
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 Ich kann mich Herrn Erb nur anschließen, ein ganz hervorragender Bericht. Zusammen mit den Anleitungen von Martin Renz ermutigt mich dies auch mal eine Gehäuserestaurierung zu "riskieren".
Einen wichtigen Hinweis möchte ich aber noch anbringen. Skalenscheiben sollte man an einer (vom Gehäuse) verdeckten Stelle auf Verträglichkeit prüfen. Nicht jeder Aufdruck ist wischfest. Beispielsweise reicht bei einigen 60-er Jahre SABA Geräten schon ein trockener Lappen um Schaden anzurichten! Ich habe mal den Aufdruck einer Lindau-18 Skala mit einem trockenen Tuch verwischt :-(. Im Zweifelsfall ist eine dreckige Skala besser als eine komplett durchsichtige. Die meisten Skalen vertragen allerdings einen feuchten Lappen, aber eben nicht alle!
Viel Erfog beim Restaurieren
Marc Goeritz
Jochen Amend
Jochen Amend
Editor
D  Articles: 529
Schem.: 40
Pict.: 2016
29.May.06 22:08

Count of Thanks: 32
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4 Grüezi Herr Erb, hallo Herr Goeritz,

herzlichen Dank für die positiven Zeilen von Ihnen. Sie bestärken mich weiter in meinen Bemühungen, auch "weniger wertvolle" Geräte bestens zu restaurieren. Demnächst werde ich ein weiteres Gerät posten, wobei ich aber eher auf die Entfernung von Aufklebern und der Reparatur von Furnierschäden eingehen möchte. Eine gleiche Restaurationsfolge, lediglich mit einem anderen Gerät, wird dann zu viel, denke ich.

Beste Grüße,

Jochen Amend

This article was edited 13.Jun.06 10:16 by Jochen Amend .

Jochen Amend
Jochen Amend
Editor
D  Articles: 529
Schem.: 40
Pict.: 2016
02.Aug.13 10:23

Count of Thanks: 24
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5

Hallo verehrte Leser,

vor nun schon über sieben Jahren habe ich dieses Gerät restauriert. Als kleine Abrundung zu dem Beitrag sei gesagt, dass sich die Arbeiten als dauerhaft erwiesen haben.
Alle Metallteile, die ich neu lackierte, sind weiterhin rostfrei und die Messingleisten blitzen und blinken wie direkt nach der Reinigung und Politur. Hier ist das Chromputzmittel wohl ausschlaggebend, da es das Metall mit einer dünnen Schutzschicht überzieht, welche weiteres Anlaufen verhindert. Lediglich die Endröhre musste ich wechseln, da sie fürchterlich positiv wurde. Eine Tungsram...

Beste Grüße,

Jochen

  
rmXorg