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Die Abstimmautomatik der Industrieempfänger bis ca. 1941

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Papers » Basic principles of radio technique » Die Abstimmautomatik der Industrieempfänger bis ca. 1941
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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21.Dec.18 14:58
 
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Das Ende der '30er Jahre zeichnet die (deutschen) "Luxus"-Empfänger dadurch aus, daß sie immer komfortabler, also bedienfreundlicher wurden - abgesehen von den klanglichen Verbesserungen.

In einem Übersichtsartikel aus dem "Funktechnischen Ringbuch" findet sich eine Zusammenfassung des Standes der damaligen Technik.

  • Ergänzungen, die der Verständlichkeit dienen sollen, sind in [...] angemerkt. Mißverständliches wurde gelöscht.

 

Die Mechanisierung der Abstimmung am Rundfunkempfänger in Anlehnung an die Automaten der Fernsprechtechnik ist durchaus kein neues Problem. Die Möglichkeit einer Ausführung wurde jedoch erst spruchreif, nachdem die Entwicklung der Rundfunkempfänger zu einer ausreichenden Stabilität der Abstimmkreise und der damit verbundenen Frequenzeinstellung geführt hatte. Deshalb waren die anfänglich unternommenen Versuche zur Einführung einer Tastatur an Stelle des Abstimmdrehknopfes zum Scheitern verurteilt, kommen jetzt aber zu um so größerer Bedeutung.

Die Ziele der Abstimmautomatik waren im Laufe der Entwicklung bei weitem nicht einheitlich, vielfach sprachen rein propagandistische Argumente für die Einführung einer mechanischen oder ähnlich aussehenden Abstimmung. Bei der nüchternen Betrachtung der technischen Entwicklung kann man diese Systeme außer acht lassen, denn sie haben für die Zukunft ihre Bedeutung verloren. Die automatisierte Abstimmung ist im neuzeitlichen Rundfunkempfänger kein Propagandamoment, sondern ein vertretbarer Fortschritt bei der Ausgestaltung des Empfängers zu einem Gebrauchsgegenstand. Nachdem die Bestrebung vorherrscht, Modespielereien zu beseitigen, und eine Neuerung danach bewertet wird, ob sie auf lange Zeit bestehen bleibt, kann man die Ziele der Abstimmautomatik folgendermaßen fassen.

Die motorische Abstimmung ist ein Bedienungskornfort der Spitzengeräte, in denen der Antrieb des Stationswählers besonders hoch übersetzt ist, um eine genaue Einstellung von Hand zu ermöglichen, wobei die Zeit zur Verstellung weit auseinander liegender Sender durch den elektrischen Antrieb verkürzt wird. Ähnliches ließe sich natürlich auch durch einen zweifach übersetzten Antrieb, einen Grob- und einen Feinantrieb erreichen. Die Vorteile des elektrischen Antriebes treten erst bei der Tastenautomatik hervor, trotzdem dürfte die motorische Abstimmung wegen ihres unvermeidlichen hohen Aufwandes kaum Eingang in billigere Geräteklassen finden.

Die Tastenabstimmung, die sich nur auf eine Auswahl stärkerer Sender beschränken soll, besitzt für sämtliche Geräteklassen große Bedeutung. In ihrer idealsten Verwirklichung befähigt sie den Laien zur richtigen Einstellung der Trägerfrequenz eines Senders, was ihm trotz Abstimmhilfen in Form von Abstimmanzeigern immer Schwierigkeiten bereitet hat. Ein weiterer Vorteil der Abstimmtasten ist die schnelle Senderwahl bzw. der Wechsel verschiedener Darbietungen.

Die dritte Art der Abstimmautomatik, die wir als Skalenautomaten in Form von Länderskalen und Wählscheibenabstimmungen kennen lernten, darf als überholt gelten und verdient kaum noch Erwähnung.

Die Einteilung der automatischen Abstimmung sei in drei Abschnitten vorgenommen, wobei wir bei der motorischen Abstimmung auch ihre Drucktastensysteme, erwähnen. Diese Tastenabstimmung unterscheidet sich mit der mechanischen Drucktastenübertragung auf den Drehwinkel des Abstimmkondensators, von der elektrischen Abstimmung dadurch, daß die Hochfrequenzkreise der betreffenden Empfänger in der Schaltung unverändert bleiben und die Einstellung mit Drucktasten eine mechanische Arretierung der Abstimmung darstellt. Beide Prinzipien haben ihre Vorteile. Der einer motorischen und mechanischen Tastatur besteht darin, daß alle veränderlichen Kreise geändert werden, während die elektrische Tastenabstimmung billiger ist, sich dafür aber meist auf zwei Abstimmkreise beschränkt. Bei der motorischen Abstimmung wirkt die Präzision der Ausführung verteuernd.

Motorische Abstimmung.

Das Prinzip der motorischen Abstimmung beruht auf der durch einen Motor angetriebenen Einstellung des Stationswählers und des mit ihm verbundenen Skalenzeigers. Wichtig ist dabei die Umschaltung auf Rechts- und Linkslauf, damit die Sender auf der Skala in beliebiger Richtung vom Startpunkt aus gesehen abgestimmt werden können. In den Spitzengeräten befinden sich kleine Gleichstrommotore mit zwei Feldwicklungen, deren Anschlüsse so gewählt sind, daß sich ihr magnetisches Feld beim Übergang von einer Feldspule auf die andere umkehrt. Für die praktische Ausführung ist es nebensächlich, ob der Motor nach Abb. 1 als Reihenschluß- oder als Nebenschlußmotor ausgebildet ist.

Abb. 1: Umschaltprinzip am Abstimmotor auf Vor- und Rückwärtslauf.

Um eine sinnfällige Beziehung zwischen dem Betätigungsschalter und der Abstimmrichtung des Skalenzeigers herzustellen, erscheint der Schalter meist als Hebel auf der Bedienungsfront, der nach rechts weisend den Rechtslauf und umgekehrt den Linkslauf zur Folge hat.

Die motorische Druckknopfabstimmung führte als erste deutsche Firma in brauchbarer Form Körting durch. Das Prinzip zeigt Abb.2. Darin wird ein Gleichstrommotor durch den gesamten Anodenstrom des Empfängers betrieben, der im ruhenden Zustand über die Kurzschlußfedern eines Drucktastensystems um den Motor herumgeleitet wird. (Transmare 38, Transmare 39, Transmare 40)

Sobald eine Drucktaste (vgl. Abb. 3) mit ihrem Isolierstück beim Eindrücken ein Federpaar trennt, fließt über den Motor und eine der Feldspulen der Anodenstrom, so daß die Abstimmung in Tätigkeit tritt. Da man mit der Abstimmung einen Kontaktläufer bewegt, der die den Sendern zugeordneten Kurzschlußfedern nacheinander überbrückt, besteht vom Mittelpunkt der beiden Feldwicklungen aus ein Kurzschluß nur noch von derjenigen Spule, deren Verbindung durch die übrigen nicht gedrückten Tasten bestehen bleibt. Zwangsläufig wird dadurch die Drehrichtung des Motors bestimmt, Irrtümer sind unmöglich. Der Nachteil dieser motorischen Abstimmung liegt darin, daß die Sender der Drucktasten von der Fabrik aus bestimmt werden, ohne daß der Besitzer hieran Änderungen vornehmen kann.

Ähnliche Ausführungen motorischer Druckknopfabstimmung finden wir bei Blaupunkt und Philips, obwohl hier das Prinzip der beim Tastendruck erforderlichen Umschaltung von Rechts- auf Linkslauf anders ist. Die neueren Motorsysteme mit Drucktasten verfolgen das Ziel, die Einstellung der Sender und ihre Verlegung auf die Drucktasten von der Fabrik unabhängig zu machen, sie also dem Besitzer zu überlassen.

(Link: Frühe Druckknopfabstimmung bei Radios)

Dabei ist man bestrebt, die Genauigkeit der Rastung so weit zu steigern, daß man möglichst ohne selbsttätige Scharfabstimmung, wie sie weiter unten noch behandelt wird, auskommt. In erster Linie verdient hier die Nora Drucktastenabstimmung Erwähnung. Der Antriebsmotor treibt über eine Kupplung eine Spindel mit Zahnrädern ohne toten Gang an, die über ein Antriebsseil mit der Abstimmung des Drehkondensators und dem Skalenzeiger fest verbunden ist. (Nora Dux II)

Nach Abb.4 dreht sich die Spindel in einem Spannschloß, das ein Innengewinde besitzt, so daß die Spindel neben ihrer Drehbewegung eine achsiale Verschiebung erfährt. Den Druckknöpfen sind die gleiche Zahl von Kurvenscheiben zugeordnet, die mit der Spindel gekuppelt sind. Der schraubenlinienförmige Rand der Kurvenscheiben hat die gleiche Steigung wie auch das Gewinde der Spindel. Durch den Druckknopf wird eine der zwei für Vor- und Rückwärtslauf vorgesehenen Kontaktplatten gegen die Kurvenscheibe gedrückt, wodurch sich der Stromkreis des Motors über die Spindel schließt und der Motor anläuft. Er bewegt die Steuerscheibe mit der Achse seitlich und gleichzeitig dreht sich die Scheibe. In dem Augenblick, wo die Scheibe von der Kontaktfeder seitlich heruntergleitet, wird der Stromkreis vom Motor unterbrochen, die Scheibe selbst durch Isoliernasen in einer Aussparung festgehalten. Dieser Punkt entspricht der Abstimmung eines bestimmten Senders, mit dem die betreffende Taste bezeichnet ist. Welche Kontaktplatte der Kurvenscheibe bei einem beliebigen Druckknopf gerade gegenübersteht, hängt von der Lage des zuvor eingestellten Senders ab, denn die Spindel dreht ja bei jeder Einstellung sämtliche Kurvenscheiben, jedoch nur der betätigte Druckknopf stellt eine Verbindung über die zu ihm gehörige Scheibe her. Zur Umeichung ist lediglich einer der Knöpfe zu drücken, bis der Motor zum Stillstand gekommen ist, worauf mit der Handabstimmung ein beliebiger anderer Sender eingestellt werden kann. Die Handabstimmung verändert bei gedrückter Taste die Stellung der Einstellscheibe auf der Gewindespindel und verschiebt sie an die Stelle des neu ermittelten Senders.

Der Vorteil dieser an sich nicht einfachen Einstellmechanik beruht auf der großen Genauigkeit, die sich durch den langen Einstellweg, d.h. die Verbindung einer Drehbewegung und seitlicher Verschiebung, ergibt.

Abb.5 zeigt die von Ingelen angewandte motorische Abstimmung. (Ingelen Gigant 40W) Hier sind die Tasten mit einer entsprechenden Zahl von Reitern R verbunden, die sich am Umfang eines aus zwei Teilen zusammengesetzten Schleifringes KO befinden. Der Motor ist wieder über eine Kupplung und ein Zahnradgetriebe mit dem Abstimmdrehkondensator und dem Schleifring verbunden, so daß die Lage der in dem Ring vorgesehenen Unterbrechung U zu den Reitern bestimmten Stellungen des Abstimmkondensators entspricht. Beim Tastendruck schaltet sich der Motor über Reiter und Schleifring ein und wird erst außer Betrieb gesetzt, wenn die Unterbrechung U den betreffenden Reiter passiert. Der Kontakt wird unterbrochen und die erreichte Abstimmbewegung durch mechanische Bremsung sofort zum Stillstand gebracht. Auch hier lassen sich die Reiter nach der Handabstimmung in eine beliebige Stellung bringen. Ein Schutzrelais Sch.R. sorgt dafür, daß das System beim versehentlichen Drücken von zwei Tasten nicht anspricht.

Sämtlichen motorischen Abstimmungen ist gemeinsam, daß der Empfänger während der Einstellung akustisch still gelegt wird. Diese Aufgabe erfüllt die automatische Stummabstimmung.

Nach Abb.6 beruht sie darauf, daß entweder das Gitter der Endröhre oder die Sprechspule des Lautsprechers niederfrequent kurzgeschlossen wird. Dadurch vermeidet man Störgeräusche beim Hinübergleiten der Abstimmung über die unerwünschten Sender und das Störgeräusch bei der Einschaltung des Motors.

Wenn man auch bestrebt ist, durch einen längeren Einstellweg die Rastung der motorischen Abstimmung denkbar genau auszuführen, bringt erst eine selbsttätige Scharfabstimmung die absolute Gewähr, daß sich selbst bei geringfügigen Frequenzabweichungen von Sendern eine auf etwa 200 Hz genaue Abstimmung erzielen läßt. Aus diesem Grunde verzichten auch einige Spitzengeräte trotz der Präzision ihrer Automatik nicht auf die Scharfabstimmung. Die beiden grundsätzlichen Möglichkeiten zur selbsttätigen Abstimmung sind in Abb. 7 und 8 dargestellt.

Das technische Problem liegt darin, eine von der Abstimmabweichung eines Senders abhängige Spannung zu erhalten, die ihrerseits einen Abstimmkreis zu ändern vermag. Da die Verstimmung gegenüber der Sollfrequenz in zwei verschiedenen Richtungen auftreten kann, d.h., einmal kann die Frequenzabweichung positiv, das andere Mal negativ sein, besteht als nächste Forderung, die Spannung für die Nachstimmung von der Abweichung nach der Plus- oder Minusseite abhängig zu machen. Diese Nachstimmspannung kann nur in einem symmetrierten Gleichrichterkreis gewonnen werden, dessen Gleichgewicht durch die Verstimmung sich nach der positiven oder negativen Seite verschiebt. Abb. 7 benützt hierfür zwei Diodenstrecken mit je einem Zwischenfrequenzkreis, von denen einer gegenüber der normalen Zwischenfrequenz um +4kHz, der zweite um -4kHz verstimmt ist. Der Gleichrichter für die Nachstimmspannung folgt dem Zwischenfrequenzverstärker bei einem Sender, der eine positive Verstimmung besitzt, wird der Kreis mit der plus Abweichung eine größere Spannung erhalten und eine dementsprechende Spannung U1 erzeugen.

Im gleichen Maße nimmt die Spannung am Kreis mit negativer Verstimmung ab und U2 ist entsprechend kleiner. Da beide Spannungen gegeneinander gerichtet sind und die Spannung U1 jetzt überwiegt, erhalten wir gegen den Massepol eine erhöhte negative Vorspannung. Bei entgegengesetzter Verstimmung würde U2 überwiegen und wir erhielten eine positive Spannung gegen den Massepol. Bei richtiger Abstimmung des Senders erhalten beide verstimmten Zwischenfrequenzkreise die gleiche Spannung und U1 hebt sich gegen U2 auf.

Die Schaltung nach Abb. 8 verwendet einen Zwischenfrequenzsperrkreis [= Parallel-Schwingkreis auf der ZF], der teils induktiv, teils kapazitiv mit einem zweiten Abstimmkreis [= ZF-Gegentaktkreis] gekoppelt ist, von denen beide auf die im Empfänger gewählte Zwischenfrequenz abgestimmt sind. Die kapazitive Ankopplung des ersten Kreises an den zweiten erfolgt über die elektrische Mitte des zweiten. Dadurch entstehen im zweiten Kreis zwischen dem Abgriff und den beiden Spulenenden zwei Spannungen, die an sich gleich, in der Phase aber entgegengesetzt sind. [Die Schaltung entspricht dem "Riegger-Kreis".]

Bei einer Verstimmung überwiegt eine der beiden Phasen und wir erhalten eine Erhöhung oder Verringerung der Gesamtspannung, die sich aus der Spannung am Anodenkreis und der am Gegentaktkreis zusammensetzt. Entsprechend ändert sich auch die gleichgerichtete Spannung an den Diodenstrecken und ähnlich Abb.7 überwiegt einmal U1, das andere Mal U2. Abb. 8 hat den Vorteil, die gleiche Einstellung wie die Zwischenfrequenzkreise zu besitzen, was die Prüffeldarbeit erheblich erleichtert.

(Link: Das Blaupunkt Drucktastenaggregat im 7W79)

Die Nachstimmspannung wird in einer Nachstimmröhre, die als veränderliche Induktivität oder Kapazität geschaltet ist, zu einer Frequenzbeeinflussung des Überlagererkreises wirksam. Eine Röhre stellt eine veränderliche Kapazität dar, wenn man eine zwischen Kathode und Anode befindliche Wechselspannung dem Gitter um eine Phasenverschiebung von 90° voreilend zuführt, so daß sie sich wie ein Kondensator verhält. Als Induktivität wirkt die Röhre, wenn man dem Gitter die gleiche Frequenz um den Phasenwinkel von 90° nacheilend zuführt. Im Anodenkreis erreicht man durch die phasenverschobene Steuerung des Gitters eine dementsprechende Phasenverschiebung des Anodenstromes. Durch eine Kombination von frequenzabhängigen Spannungsteilern ist man in der Lage, diese Phasenverschiebung willkürlich herzustellen. Besteht der Spannungsteiler aus einem Widerstand und Kondensator in Reihenschaltung, dann ergibt sich eine um 90° voreilende Phasenverschiebung, wenn der Abgriff parallel zum Widerstand erfolgt; umgekehrt läßt sich parallel zum Kondensator eine um 90° nacheilende Spannung abgreifen. Die in Abb.7 gezeichnete Nachstimmröhre wirkt als Induktivität da die dem Gitter zugeführte Spannung parallel zum Kondensator entnommen wird. Der vor dem Spannungsteiler-Widerstand befindliche Kondensator an der Anode soll nur den Anodengleichstrom vom Gitter fernhalten und besitzt eine verhältnismäßig große Kapazität.

Die Größe der wirksamen Röhren-Kapazität oder -Induktivität ergibt sich aus der Steilheit der Röhre. Ändert man die Steilheit durch Gitterspannungsregelung, so verändert sich damit ihre scheinbare Kapazität bzw. Induktivität. Damit der Innenwiderstand der Nachstimmröhre nicht dämpfend wirkt, kommen nur Röhren mit hohem Innenwiderstand, also Schirmgitterröhren, in Betracht. Auch müssen positive Gitterspannungen vermieden werden, so daß praktisch die Nachstimmröhre eine feste Gittervorspannung erhält, zu der sich die Nachstimmspannung addiert bzw. von ihr subtrahiert. Für die Zwecke der selbsttätigen Nachstimmung ist die Röhre als Kapazität weniger geeignet gegenüber einer Schaltung als Induktivität, weshalb der in Abb. 7 gezeigten Anordnung der Nachstimmröhre der Vorzug gegeben wird. Auch Abb. 8 verwendet die prinzipiell gleiche Schaltung der Nachstimmröhre.

[Bei Abstimmung mit Drehko ist die Reaktanz-Röhre als Induktivität günstiger. Bei induktiver Abstimmung ist dagegen eine Reaktanz-Röhre als Kapazität günstiger.]

Allgemein beschränkt man sich bei der automatischen Scharfabstimmung auf die Berichtigung des Überlagererkreises, da dieser eichbestimmend ist und [....] den größten Einfluß auf die Trennschärfe hat. In Abb. 8, die die Scharfabstimmung des Blaupunkt-Supers 11 W78 skizziert, wird neben der Nachstimmröhre und der Gegentaktdiode eine zusätzliche Röhre EF11 angewendet, so daß diese Einrichtung verhältnismäßig kostspielig ist.

Die automatische Scharfabstimmung erstreckt sich nur auf den Mittel- und Langwellenbereich und auf Verstimmungen von höchstens ±4 kHz. Eine schärfere Nachstimmung müßte die Abstimmung erschweren, weil dann stärkere Sender von der Automatik so stark festgehalten werden würden, daß dazwischen liegende Sender kaum einstellbar wären. Selbstverständlich ist die automatische Scharfabstimmung auch von der Größe der Eingangsspannung abhängig, d.h. die restliche Verstimmung wird um so größer sein, je schwächer der Sender einfällt.

Mechanische Drucktastenabstimmung.

Eine der motorischen Druckknopfabstimmung ähnliche Ausführung, bei der die Abstimmkreise des Empfängers elektrisch unverändert bleiben und die nur mechanisch auf das Antriebssystem einwirkt, finden wir in den von Siemens & Halske entwickelten Tastensystemen. (Siemens 94W)

Die Drucktasten wirken hier unmittelbar auf eine Wanne, die mit dem Abstimmkondensator über ein Zahnradsektor und ein Ritzel in Verbindung steht. Um einen kurzen Einstellweg der Tasten zu erzielen, war man gezwungen, die Drehbewegung des Kondensators von 180° so zu übersetzen, daß sich mit dem Druck jeder Taste dieser Weg zurücklegen läßt.

Abb. 11: Evolventen-Verzahnung zwischen Zahnradsektor und Ritzel; hierdurch soll jedes Spiel, das Abstimmungenauigkeiten zur Folge hätte, vermieden werden. Neuerdings werden an Stelle dieser Verzahnung gegeneinander gefederte Zahnradscheiben bevorzugt.

Dieses mechanische Problem war durch die Anforderung an die Wiederkehrgenauigkeit sehr erschwert. Dabei mußte jedes Spiel zwischen der Übersetzung vermieden werden, was durch die in Abb. 11 dargestellte Verzahnung, bzw. neuerdings durch zwei gegeneinander federnde Zahnräder erreicht wird. Die Mechanik geht im übrigen aus den Abb. 9 und 10 hervor, eine weitere Erläuterung ist daher nicht nötig. Zu erwähnen ist nur die von außen zugängliche und mit dem gleichen Knopf ausführbare Nachstimmung des auf den Druckknopf gelegten Senders. Der Druckknopf überträgt nämlich seine Bewegung nicht unmittelbar auf die Wanne, sondern über ein Anschlagsegment. Nach Lösen der Drucktasten durch kurze Linksdrehung dreht sich das Anschlagssegment frei und, nachdem mit der Handabstimmung ein Sender eingestellt wurde, läßt sich durch Druck der betreffenden Taste das Segment mit der Wanne in Übereinstimmung bringen; durch Rechtsdrehung ist das Segment wieder arretiert und beim Druck der Taste erscheint immer wieder der gleiche Sender. Da sich mit dem Drucktastensystem auch der Skalenzeiger bewegt, wird die betreffende Station auf der Skala angezeigt.

Ähnliche Einrichtungen verwenden Philips und Staßfurt. Philips sieht zur Verkürzung des Einstellweges einen Schubkondensator vor, dessen gesamter Kapazitätsbereich auf einen Weg von etwa 10 mm zusammengedrängt wird. Die mechanische Ausführung der Einstellung erfordert natürlich große Genauigkeit, da die Änderung der Schubbewegung oft nur wenige Millimeter und Bruchteile hiervon beträgt. Die Handabstimmung erfolgt über eine Schraubspindel mit feiner Steigung, so daß einer Umdrehung des Antriebsknopfes etwa die gleiche Kapazitätsänderung entspricht, wie bei dem sonst üblichen Drehkondensator. Auf Einzelheiten wollen wir hier nicht eingehen, da sie in Messeberichten genügend behandelt sind.


Einschub (zu Philips & Staßfurt): Aus "Fortschritte der Funktechnik und ihrer Grenzgebiete, Bd. 5, Frankh, 1940, pp. 48 - 52" (Die "Messeberichte" sind heutzutage nicht mehr so einfach zu finden.)

 


Elektrische Drucktastenabstimmung.

Die eigentliche elektrische Druckknopfabstimmung besitzt veränderliche und auf die betreffenden Sender abgestimmte Elemente, die durch die Tasten wahlweise eingeschaltet werden. Hierzu gehört die in Abb. 12 gezeigte, durch Drucktasten umschaltbare, Kapazitätsabstimmung. Allen folgenden elektrischen Abstimmungen ist gemeinsam, daß sie sich nur auf zwei Kreise beschränken. Beide Kreise benötigen also je Sender und Taste zwei Abstimmelemente.

Abb. 12: Elektrische Drucktastenabstimmung mit kleinen veränderlichen Kapazitäten.

Mende verwendet neuerdings eine kombinierte Abstimmung, worin im 1. Kreis einstellbare Kondensatoren, im 2. Kreis einzustellende Induktivitäten vorhanden sind. (Mende 240WDK)

 

Abb.13: Mende 240WDK                                                               Abb. 14: Drucktasten des 240WDK

Entgegen Abb. 12 wird nur der Vorkreis durch einstellbare Trimmer, der Überlagererkreis durch einstellbare Induktivitäten abgestimmt (Werkbild Mende).


[Die Einstellung der Tasten ist bei Mende (für den Laien) komplizierter als bei Blaupunkt und AEG / TFK. De Facto gibt es praktisch keine Kontrolle darüber, ob tatsächlich der richtige Sender einprogrammiert wurde, oder aber eine andere Station, die das gleiche Programm ausstrahlt. Beim "Großdeutschen Rundfunk" gab es schließlich oft nur "Gemeinschafts-Sendungen" aller "gleichgeschalteten" Sender. Siehe hierzu auch den Link bei Sachsenwerk Olympia 405: Olympia 405W - Im 3.Reich ausländische Rundfunksender hören ]

 


Vorteilhafter erweist sich in dieser Hinsicht die rein induktive Abstimmung nach Abb. 15.

 

Dabei können beide Kreise mechanisch miteinander gekuppelt werden, wie Abb. 18 zeigt.

Verschiedene Ausführungen von elektrischen Tastaturen zeigen die Abbildungen 13, 14, 16 (Körting Dominus 40WK) und 17. In ihrer konstruktiven Gestalt unterscheiden sich die Anordnungen der Tasten dadurch, wie ihre Nachstimmung auf einfachste Weise von außen möglich ist.

Abb. 18: Versinnbildlichung der in der Drucktaste vereinigten induktiven Abstimmung von Vor- und Überlagererkreis (Werkbild Sachsenwerk)

Die Eisenkerne beider Kreise in Abb. 18 werden durch eine Schraubspindel gleichzeitig verschoben, so daß mit einer Änderung des Überlagerers gleichzeitig die Abstimmung des Vorkreises verbunden ist.

 

 

 

 

 

 

Abb. 19 gibt einen Einblick über die Zugänglichkeit der Tastennachstimmung am Sachsenwerk-Super, die von unten mit einem Schraubenzieher geschieht. (Sachsenwerk Olympia 405W)


(Link: Olympia 405W - Im 3.Reich ausländische Rundfunksender hören)

AEG und Telefunken besitzen diese Nachstimmung vorn unterhalb der betreffenden Taste, Abb. 20. (AEG 709WK)

Blaupunkt verbindet mit den Druckknöpfen über eine Mitnehmerscheibe gleichzeitig eine Einstellmöglichkeit der darunter angeordneten Druckknopfkreise.

Damit die Bezeichnung des Senders immer aufrecht steht und durch die Drehbewegung nicht verschoben wird, ist das Stationsschild mit einem Schwergewicht versehen und dreht sich von selbst stets in die Schwergewichtslage, Abb. 21. Diese Möglichkeit ist bei Blaupunkt dadurch gegeben, daß die Drucktasten horizontal übereinander angeordnet sind. (Blaupunkt 7W79D,  Blaupunkt 7W740D ?)

Nicht nur die Zugänglichkeit der Tastennachstimmung von außen war konstruktiv zu berücksichtigen, sondern auch das elektrische Prinzip einer von Laien ausführbaren Nachstimmung. Dabei sind zwei grundsätzliche Systeme zu erwähnen.

Der Blaupunkt 7W79D Druckknopfempfänger schaltet bei der Umeichung der Tasten nach vorhergehender Handabstimmung eines Senders am normalen Abstimmknopf [nur] den Vorkreis allein auf Druckknopfabstimmung um; dadurch arbeitet der Empfänger mit dem von Hand eingestellten Überlagererkreis, aber mit dem Vorkreis der betreffenden Drucktaste. Wird jetzt der Nachstimmknopf dieser Taste verändert, so läßt sich der eingestellte Sender wieder auf seine ursprüngliche Lautstärke einstellen, die er dann erreicht, wenn die Druckknopfabstimmung mit der Handabstimmung übereinstimmt. An einem magischen Auge kann die schärfste Einstellung geprüft werden.

[Beschreibung dazu in "Das Blaupunkt Drucktastenaggregat". Aus dem Teilschaltbild des 7W79D ist die Vorgehensweise ersichtlich. Die unterste Taste des Drucktastenaggregates ist zusätzlich als Umschalter für die Kontakte a, b, c, d ausgebildet.]

Eine andere Methode verwenden. z.B. AEG und Telefunken. Diese setzt ebenfalls zunächst die Handabstimmung des gewünschten Senders voraus. Dann wird bei der Umschaltung auf Drucktasteneichung die Antenne abgeschaltet, der Niederfrequenzteil kurzgeschlossen und eine dabei überflüssige Röhre mit dem Vorkreis zusammen als Hilfssender geschaltet. [Dieser Umschalter ist ein Schiebeschalter und ist auf der Rückseite  des Empfängers unterhalb der Buchsen von Antenne und Erde.] Da der Vorkreis genau auf die Frequenz des gewünschten Senders von Hand eingestellt wurde, kann jetzt der Einstellknopf der betreffenden Drucktaste so lange verändert werden, bis am magischen Auge ein Höchstausschlag festgestellt wird. Damit ist die einwandfreie Nacheichung gewährleistet.

Da sich mit dem Vorkreis [des Drucktasten-Systems] bei der induktiven Abstimmung des Drucktastensystems gleichzeitig der Überlagererkreis der betreffenden Drucktaste ändert, Abb. 18, erscheint nach der Umschaltung des Empfängers auf Drucktastenbetrieb der Sender richtig eingestellt beim Druck seiner Taste. Eine geringfügige Nachstimmung kann jetzt mühelos nach dem magischen Auge erfolgen.

(Link: Elektrische Druckknopfabstmmung AEG)

Abb. 22: Kurzschaltbild der Tastenabstimmung AEG 679WK)

Die elektrischen Drucktastensysteme bestreichen je Drucktaste nur einen kleinen Abstimmbereich, so daß bei der Eichung auf die Lage der Tasten zur Frequenz des Senders Rücksicht zu nehmen ist. In Abb.23 werden die Bereiche des AEG Druckknopfsupers gezeigt, die die einzelnen Tasten bestreichen.


[Das Elektrische AEG-Druckknopfsystem: "AEG Rundfunk-Geräte 1939/40" oder  bei Modell 709WK]


 

 

 

Abb. 23: Verteilung der Abstimmbereiche auf die einzelnen Drucktasten einer induktiven elektrischen Abstimmung bei den AEG und Telefunken Druckknopfgeräten

 

 

 

 

 

 

Für eine gegenseitige Überlappung ist selbstverständlich gesorgt, um auch mehrere dicht benachbarte Sender auf die Drucktasten zu legen. Für die Langwellen sind meist nur wenige Tasten vorgesehen, da die Bedeutung des Mittelwellenbereiches überwiegt.


Hans Knoll hat in bewährter Weise geholfen bei der Beseitigung von Unschärfen und Unklarheiten im Text aus dem "Funktechnischen Ringbuch".

MfG DR

This article was edited 22.Dec.18 11:37 by Dietmar Rudolph .

  
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