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AVC und AGC, Fadingausgleich = Automatic Volume Control

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Ernst Erb
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25.Jul.09 06:42

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Für die Radioentwicklung ab 1929 rücken zwei Probleme in den Vordergrund: Fading, sehr unterschiedliche Lautstärke der empfangenen Sender einerseits und Kreuzmodulation. Allerdings auch die Abschirmung (Panzerung) wegen höherer Verstärkungsleistungen der Tetroden im HF-Teil.

Unterschied USA zu Europa
In den USA kennt man zahlreiche private Kleinsender und intensive Ballungsgebiete wie New York. Damit gibt es viele Radiohörer in unmittelbarer Nähe von Sendern und zugleich wünschenswerte Stationen, die schwach einfallen. In Europa hingegen gibt es wenige staatliche Radios, die aber mit grosser Leistung weite Gebiete abdecken.

Im Zusammenhang mit Recherchen über die Radio-Entwicklung in den USA habe ich auch etwas in Deutschland recherchiert, um einen Vergleich anstellen zu können.

Man übernimmt dann auch hier zuerst das Wort Fading als "Fadingausgleich", später auch AVC bzw. Automatic Volume Control, was man "drüben" so ab den 40er Jahren AGC = Automatic Gain Control nennt. Das ist technisch korrekter und das Publikum schert sich nicht mehr darum, denn es weiss schon gar nicht mehr um die Probleme, die man vorher hatte: Es ist kein Marketingargument mehr.

Technische Entwicklung in Deutschland dazu:
Die früheste Nennung in Deutschland fand ich im Radiokatalog der Radio-Zentrale Alex. v. Prohaska Berlin (etc.) in der Ausgabe 1931-32, die im Herbst/Winter 1931 entstanden ist. Es gibt da nur EIN Fertigprodukt mit Fadingausgleich zu kaufen SABA 41W, doch einen Bausatz/Bauvorschlag auf Seite 180:

"Nr. 26. Automatische Fading-Regulierung. Das Gerät reguliert vollkommen automatisch die Lautstärke von Empfängern bei dem bei Fernempfang so störenden Schwunderscheinungen; die eingestellte Lautstärke bleibt auch beim Suchen von Grosssendern, die sonst plötzlich stark einfallen, gleichmässig, daher keine Misstöne und Übersteuerungen. Ferner werden auch die atmosphärischen Störungen etwas abgedämpft. Der Einbau der Vorrichtung setzt jedoch eine bestimmte Kraftreserve des Empfängers voraus. Geeignet ist die Regulierungsvorrichtung somit bei 2 HF und mehr Stufen und Superhets evtl. auch bei 1 HF-Stufe. Erwähnt sei, dass immer eine separate Anodenbatterie von ca. 60 Volt erforderlich ist" (nebst Gittervorspannbatterie).

Röhren RE034 und RE074d oder Valvo N409D und N4100D. Bauplan: "Automatische Fading-Regulierung" von Dr. F. A. Lenze.

Gezeigt wird ein "Rahmenempfänger mit 5 Röhren und 2 Kreisen", wobei in der Anodenspannungszuführung zur ersten Röhre (Tetrode) von 200 Volt ein Milliamperemeter in Serie mit einer Drossel sitzt. Man verwendet also auch eine Feldstärkeanzeige. Auf der gleichen Seite gibt es übrigens einen einfachen Bauvorschlag für das Trautonium von Dr. Trautwein.

Noch zurück zu SABA, der ersten Firma, die in Deutschland AVC (AGC) gebracht hat:
Im Katalog steht das, wie auf dem Modell beschrieben. Im Radiokatalog Band 1 hatte ich das so festgehalten: "1931 verfügt die Modellreihe S41 (31W, 44, T44) von Leuthold über den ersten automatisch geregelten Schwundausgleich (AGC, aut. gain control) auf dem deutschen Markt." Übrigens: Der Schweizer Eugen Leuthold wurde von SABA 1929 verpflichtet und entwickelte als erstes Modell für SABA den (S)35 mit Beinamen "Sieger" - weil es mit einem neuartigen Schaltungskonzept für SABA den grossen Durchbruch brachte. Trotzdem danke ich Boris Witke, der mich auf dieses eine Modell in Deutschlad wieder aufmerksam gemacht hatte.

Ein Jahr danach führen praktisch alle Spitzengeräte der deutschen Hersteller "autom. Lautstärke- und Fading-Regulierung". Auch die Tonblende bzw. der Klangregler ist dabei ein Thema. Die V- und Trommelskalen werden oft von Halbkreis-Skalen mit Stationsnamen abgelöst, vereinzelt auch mit Bandskalen im Querformat (horizontal = Siemens) oder Hochformat (vertikal, AEG/Telefunken).

Die folgenden Firmen stellen im Prohaska-Katalog 1932/33 Modelle mit automatischer Fadingregulierung bzw. "automatische Lautstärke- und Fadingregulierung" vor (ich verlinke meist nur EIN Modell; normalerweise gibt es auch nur eines - in den versch. Ausführungen mit/ohne LS und Netzart):

Konkrete Modelle:
AEG AEG Super-Geador; Lange (betont: "mittels separater Röhre") L70T Imperator; Loewe Super 32 bzw. Loewe Type 32 - siehe grössere Differenz im Gehäuse zwischen Katalogeintrag und Prospekten/Modellen; Lorenz Leipzig; Lumophon WD76, Mende Superselektiv (wir führen verschiedene Superselektiv und diese Modellreihe hat noch Klärungsbedarf!) Mende Type 198; Nora Type 500 und Type 430; Owin E55; Reico (Amerika, Kanada und Havanna); SABA 520W und 520WL; Sachsenwerk "Fünfröhren-Bandfilter-Superhet" und Eswe Type 335L, Schaleco: Schalecohet BS 9 W/TSchalecohet BS 9 W/M, Schaub Super A, Seibt Roland 5 (gibt es mit oder ohne AVC!), Siemens 55 (Beispiel ohne sep. Fadingröhre), Stassfurter Imperial 5 siehe dazu aber auch Übersicht. Telefunken 650: Da nennt der Katalog nur "vollautomatische Lautstärkeregelung" ohne "Fadingregulierung" zu erwähnen, doch zeigen die Modelle mit der RENS1214 Regelröhren und diese erhalten auch eine (positive) Regelspannung.

Siehe eine Beschreibung der positiven AVC bzw. AGC am Beispiel von SABA 520WL durch Hans M. Knoll.

Bei Sachsenwerk ist der Katalogeintrag "absoluter Einknopfabstimmung u. optischer Stationsmelder, der mit einer Lupe versehen ist" nicht eine Abstimmanzeige gemeint.

Die Grundlagen zur AVC:
Die Exponentialröhren machen es möglich bzw. leichter, angefangen mit:
USA Mai 1931 durch Entwicklung von Stuart Ballantyne und Harold A. Snow bei Boonton Research Corp. mit der Type 551  (51) von Arcturus, Majestic und Raytheon, dicht gefolgt durch die UY235 (235, 35) von RCA. Später legt man die Bezeichnung zusammen zu 35/31. Im gleichen Jahr folgen Philips E445 und Cossor 220VSG. Valvo und Telefunken folgen 1932 mit der H4125D bzw. RENS1214, Loewe mit der LAS317.

Das Grundpatent von Harold A. Wheeler, eingereicht am 8. Dezember 1927 zeigt:

Das ist nicht Wheeler's erstes Patent (siehe z.B. 7. Juli 1927) und er ist auch nicht der einzige (Espenschied, Bowen für Bell 1921), doch hat er die praktische Entwicklung möglich gemacht. Natürlich folgen einige weitere Patente dazu und vor allem auch Umgehungspatente, doch gilt Wheeler als Erfinder von "Radio Volume Control".

Durch andere Schaltungen und später durch Verbesserungen der Röhren (bessere Steuerwirkung) entfällt die separate Fadingröhre zur Steuerung der Regelröhren. Diese zeigt Wheeler hier als Relais.

This article was edited 31.Aug.09 18:23 by Ernst Erb .

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25.Jul.09 15:08

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Für diese ersten Empfänger mit automatischer Fading-Regulierung bzw. "vollautomatischen Lautstärkeregelung" hat man unterschiedliche Schaltungsprinzipien verwendet, die sich vor allem bei der Gewinnung der Regelspannung zeigen.

Ich arbeite eigentlich an einem Beitrag über die ersten Abstimmanzeigen - und da spielt die AVC ebenfalls eine Hauptrolle. Darum lade ich gerne jemand ein, hier als Folgepost die verschiedenen Anwendungen bei den obigen Empfängern zu erklären, d.h. diese danach zu gruppieren - mit und ohne zusätzliche Röhre zur Gewinnung und dann die unterschiedliche Art und Weise der Gewinnung. Damit nicht mehrere Autoren am Gleichen arbeiten, bitte ich um ein eMail, wenn sich jemand darum kümmern möchte. Hier danke ich auch Konrad Birkner, der mir per Skype einige Unklarheiten erklärte - es gibt z.B. den Lange Imperator L70T in alter Version mit RENS1204 und in neuer mit RENS1214. Da gibt es für mich noch einen Widerspruch, denn der "neue L70T" wurde für die Zeit ab 1935 angelegt, der Prohaska-Katalog zeigt ihn aber 1932 (nur) mit 3 Mal REN1214, was natürlich RENS1214 heissen sollte. Ich lasse die "falsche Verlinkung" oben bis wir das geklärt haben.

Da habe ich aber noch eine zweite Bitte: Wer hat den Prohaska-Katalog (gibt es als Nachdruck) und würde zumindest für die oben aufgeführten Geräte den Katalogtext eintragen? Ein Beispiel habe ich mit dem Mende 230W angefangen, dem Roland 5L von Seibt (da bin ich noch etwas weiter gegangen und werde das auf weitere Modelle legen 5) und mit dem Eswe 335 von Sachsenwerk.

Nach meiner Ansicht zeigen die Texte so richtig, wie man damals Radios "vermarktete". Sie sind also auch historisch gesehen interessant. Ich hätte noch einen anderen Ausdruck: "köstlich amüsant". Wer meldet sich dazu bitte?

Leider habe ich noch eine dritte Bitte: Ich bin an einer Arbeit, in der ich die auf US-Modellen aufgeführten Patentnummern auf die Ansprüche hin überprüfe und das in einer Excel-Liste veröffentlichen will. Dazu habe ich leider erst 1932 und 1934 je ein Mal abgedeckt. Ich suche also weitere Bilder oder Scans dazu - und vor allem das Gleiche für Europa, speziell Deutschland.

Schön wären auch Detailbilder von frühen Abstimmanzeigen auf den Modellen, obwohl ich die in Deutschland 1933 angewendeten Prinzipien herausgesucht habe. In einem solchen Fall wäre ich froh um eine Mitteilung per eMail. 

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