Standard-Super Z Loctalröhren

Schaub und Schaub-Lorenz

  • Year
  • 1946–1948
  • Category
  • Broadcast Receiver - or past WW2 Tuner
  • Radiomuseum.org ID
  • 166482

Click on the schematic thumbnail to request the schematic as a free document.

 Technical Specifications

  • Number of Tubes
  • 4
  • Main principle
  • Superheterodyne (common)
  • Tuned circuits
  • 6 AM circuit(s)
  • Wave bands
  • Broadcast, Long Wave and Short Wave.
  • Power type and voltage
  • AC/DC-set / 110; 130; 220 Volt
  • Loudspeaker
  • Permanent Magnet Dynamic (PDyn) Loudspeaker (moving coil)
  • Material
  • Bakelite case
  • from Radiomuseum.org
  • Model: Standard-Super Z [Loctalröhren] - Schaub und Schaub-Lorenz
  • Shape
  • Tablemodel without push buttons, Mantel/Midget/Compact up to 14
  • Dimensions (WHD)
  • 285 x 177 x 152 mm / 11.2 x 7 x 6 inch
  • Notes
  • Schaub Standard-Super Z existiert auch in der Version mit Stahlröhren-Bestückung, siehe hier. Gerät wurde anstatt der UY21 mit einem Selengleichrichter bestückt. Dies ist original so, obwohl auf der Rückwand anders dargestellt.

  • Net weight (2.2 lb = 1 kg)
  • 3.5 kg / 7 lb 11.3 oz (7.709 lb)
  • Author
  • Model page created by Bernhard Nagel. See "Data change" for further contributors.

 Collections | Museums | Literature

Collections

The model Standard-Super Z is part of the collections of the following members.

 Forum

Forum contributions about this model: Schaub und Schaub-: Standard-Super Z

Threads: 2 | Posts: 4

Fundexemplar

Vor einigen Wochen bekam ich einen guterhaltenen, kaum veränderten Schaub Standardsuper Z mit Loktalröhren (Röhren-Fabrikat/Stempelung Lorenz, s.u.), dessen Abbildungen (Modellseite ganz unten) ich unter diesem Modell ablegte, da er äußerlich vollständig identisch ist.

     Bilder in Originalgröße beim Modell

Bei der Untersuchung des Objekts stellte ich jedoch als Baujahr Oktober 1948 fest (Nachweis siehe unten), obwohl die Fertigung nach Modellseite und Radiokatalog mit 1946/47 angegeben ist.

Es ist aber ein zeitlich daran anschließendes Modell unter 'Zwergsuper Z49 II' angelegt, das nahezu identisch ist, es gibt jedoch lediglich Werbeabbildungen dazu, kein Sammlungsobjekt. Angegeben ist die Fertigungsperiode 1948-50. Man darf davon ausgehen, dass das '49er' Modell auf der Rückseite keinesfalls die Beschriftung 'Zwergsuper' trägt. Diese Geräte wurden vom Werk Schaub nach Kriegsende als 'Standardsuper Z' vermarktet. Auf den dazu abgelegten Schaltplänen heißt das Folgemodell 'Z49 II'. Sie sind identisch mit dem hier vorliegenden Gerät 'Z(werg)' mit Loktalröhren und zeigen beide 3 Röhren und einen Selengleichrichter. Die Produktion des hier vorliegenden Modells setzt sich demnach ohne zeitliche Unterbrechung im Modell 'Z49 II' fort. Fertigungsstätte war das Schaub Rundfunkgerätewerk Pforzheim. Der Nachweis, ob es wirklich so auf der Rückwand beschriftet war, oder ob nicht die für verschiedene Varianten benutzte Rückwand mit Modellbezeichnung 'Standardsuper Z' und 4 eingezeichneten, aber nur 3 vorhandenen U21er-Röhren weiter verwendet wurde, steht aus. Jedenfalls ist hier im RM keine Modellvariante mit 21er-Röhren, die erst nach dem Krieg eingesetzt wurden, mit eingebautem Röhrengleichrichter abgebildet. Alle Exemplare weisen den roten SAF-Turm als Gleichrichter auf. 
Vergleicht man das parallel gebaute Gerät mit 4 U11er Röhren in der Ausführung 1949, ist dessen Rückwand samt Beschriftung 'Standardsuper Z' von den Vorjahren 1:1 übernommen worden mit den obsoleten Gebrauchsbestimmungen.

Sammler, die einen Standardsuper Z mit 21er Röhren bearbeiten, können daher die unter Modell Z49 II aufgeführten, elektrisch identischen Pläne sowohl Lange als auch Werks-Kd. Schaub nutzen, sie sind wesentlich detaillierter und auch grafisch besser als der hier abgelegte Allgemeine Rundfunktechnik. Eine Diskrepanz gibt es: Der bei ART mit 5n angegebene C am Schwundausgleich gegen Masse ist bei den anderen Plänen richtig mit 50n angegeben, dieser Wert war bei meinem Exemplar auch original eingebaut. Ein Flüchtigkeitsfehler.

      Bilder in Originalgröße beim Modell

Lassen Sie sich nicht vom als Sonderausstattung eingebauten TA-Anschluss meines Exemplars verwirren. TA-Buchse und -Schalter, der die Anodenspannung des Oszillators unterbricht, wurden genau zum Chassis passend integriert. Es war sicher keine Werksausstattung, aber möglicherweise ein fertig erhältlicher Einbausatz der Teile-Industrie, der evtl. gleich beim Neukauf durch den Händler eingebaut wurde. Zur Chassis-Entkopplung der TA-Masse wurde originellerweise ein knallroter Ducati-Kondensator (Bologna, Motorräder) aus den Kriegsjahren verwendet. Diese waren für einige Jahre als Verlagerungsproduktion im Reich erhältlich.

 

Thesen Standardsuper Z mit 3 Loktalröhren

Da die Zwergsuper-Serie Lorenz/Schaub/Tefag ohnehin noch nachträglicher Bearbeitung bedarf, stelle ich für den Zweig Schaub Standardsuper Z mit Loktalröhren einige Thesen auf:

  • Das Modell Standardsuper Z mit Loktalröhren wurde in 2 Typenangaben durchgehend von 1946 bis 1950 parallel zu den Typen mit U11-Röhrenbestückung gebaut. In Bestückung 4x U11 mit Gehäuse des Standardsuper Z zuletzt u.a. als Lorenz Tempelhof I bis 1950 in Berlin. Ebenso Bestückung 3x U21 zuletzt als Lorenz Tempelhof II mit neuem Gehäuse bis 1951. Letzterer mit Abweichungen von der 46er Schaltung sowie elektrodynamischem LS. Nach Berger (s.u.) ebenfalls Fertigung in Berlin.
  •  
  • Die Loktalröhrenmodelle der Marke Schaub sind weitgehend identisch. Der Unterschied ist lediglich die ab Ende 1948 geänderte Skala.
  •  
  • Der Grund der gleichzeitigen Fertigung des Standardsuper Z in 2 verschiedenen Schaltungen mit 21er und 11er Röhren mag in unzureichender Materialzuteilung zu finden sein (Röhren, die 21er fertigte Lorenz selbst in Esslingen). Die Philips-Röhrenvariante hatte etwas weniger Sprechleistung wegen geringerer Anodenspannung. Man hätte sie eigentlich überwinden wollen. Gleichzeitig wurde eine stark ausgebaute Kleinempfängerfertigung als wichtiges wirtschaftliches Standbein des Lorenz-Konzern gebraucht [Quelle: 75 Jahre Lorenz, 1955].
  •  
  • Die U21-Ausführung des Standardsuper Z hatte immer und nicht nur manchmal einen Selengleichrichter und 3 Empfängerröhren, obwohl es auf der Rückwand anders angeben ist, nicht aber in diversen Schaltplänen, die den Selengleichrichter enthalten. Ein Exemplar mit UY21 ist nicht nachweisbar und Lorenz fertigte diese Röhre auch nie (siehe unten). Die U11er-Ausführung dagegen in der Regel 4 Röhren und stimmt damit mindestens mit den Rückwandangaben überein.
  •  
  • Auf den Schaltplänen sind einige obsolete Elemente mitgeschleppt worden, so beispielsweise ein fremderregter Lautsprecher mit Spannungsumschaltung von den Vorkriegsversionen (bei Versionen ab 1949 teilweise wieder eingesetzt). Während gegenüber den Plänen verschiedender Quellen die Skalenlampenkonstruktion ohne Dokumentation geändert wurde, bei der je nach Polung eine 6-Volt-Glühlampe bei geringem Spannungsabfall direkt in der Netzphase liegt, über die zu unbekanntem Zeitpunkt noch ein Shunt mit Hoges-PTC und Vorwiderstand gelegt wurde (erkennbar an der Asbest-Ausfütterung direkt oberhalb der Skala zum Hitzeschutz).

 

Serie Lorenz Zwergsuper ab 1941


Generell bedarf, wie schon angeführt, die Modellfamilie Lorenz Kleinst-/Zwergsuper einer ordnenden Übersicht. Zahlreiche Fotos sind auf den ebenso zahlreichen Modellseiten falsch einsortiert, was es für flüchtige Benutzer nochmal schwieriger macht, das 'Passende' für ihr Exemplar zu finden. So ist seit 15 Jahren etwa ein Lorenz-Vorkriegsmodell unter den Schaub Nachkriegsgeräten einsortiert. Man kann es nicht nur am Markenlogo erkennen, sondern auch an der 42er Skala, die sich aufgrund der geänderten Verhältnisse doch stark von den 46er-Nachkriegsskalen unterscheidet. Ein weiteres falsch einsortiertes Modell dort.

Über diese Serie ließe sich mit Sicherheit eine Broschüre oder Diplomarbeit schreiben. Vorläufig habe ich dazu nicht ausreichend frei.

Die vielen, nicht unmittelbar verbundenen Fertigungstätten in den ersten Nachkriegsjahren, u.a. Berlin, Hannover, Stuttgart, Pforzheim, Landshut u.a. brachten auch aufgrund von Materialschwierigkeiten zahlreiche voneinander abweichende Varianten heraus. (Quelle: Knut Berger, Funkgeschichte 103, 1995, tabulierte Fertigungsübersicht Modelle Marke Lorenz)

Ist es überhaupt sinnvoll, sich mit solchen scheinbar geringwertigen und dabei verwirrend durchkombinierten Kleinradios zu beschäftigen?
Ja. Die Serie hatte zu ihrer Zeit eine hohe Marktrelevanz und ist noch heute in Liebhaberkreisen stark vertreten. Sie zeigt das Leistungsvermögen der Empfängerindustrie unter den Verhältnissen des Krieges auf.

Die Nachempfindung eines amerikanischen AA5-Kleinsupers ('Midget') der US-verbundenen Firma Lorenz bewerte ich als gelungenen Beitrag zur deutschen Empfängertechnik, der beweist, dass Kleinstradios weder schlecht empfangen, noch bescheiden klingen müssen, noch wie damals immer von den amerikanischen Konstruktionen behauptet (die es bereits aus Frankreich und anderen Ländern in europäischer Ausführung gab), grundsätzlich auf höchsten Verschleiß fahren. 2 Erstbestückungsröhren meines Exemplars sind noch sehr gut, die Endröhre verschied durch zeitgenerierten Vakuumfehler.

Der erste Vertreter der Lorenz / Schaub / Tefag Zwergsuper-Serie war der Lorenz K10A / 10A von 1941 mit 4 Stahlröhren, Kurzwellenempfang, elektrodynamischem LS, 2 Gehäuse- und 2 Skalenvarianten, wobei für die Zweitmarken Schaub und Tefag weitere Gehäuse- und Skalenformen herausgebracht wurden, jedoch alle in Pressstoff mit fein herausgearbeiteten Details, wie auch für andere internationale Midget-Super üblich.
Alle Varianten vor Kriegsende wurden im Lorenz-Werk in Berlin gefertigt. Schaub, 1940 von Lorenz übernommen, bearbeitete zu dieser Zeit nur Rüstungsaufträge.

Die in der Nachkriegsfertigung als Standsuper Z eingesetzte Gehäuseform erscheint inkl. der Bedienungsknöpfeanordnung 1942 zuerst als Tefag KML 50A mit 4 Stahlröhren entsprechend den Lorenz-Modellen. Wellenbereiche wie Typenbezeichnung.
Die als 'Schaub' verkaufte Vorkriegsvariante Z42KM hatte als Modell ein anderes, weit weniger 'amerikanisches' Gehäuse mit starken Anleihen am Partei-Zierrat (keine Swastika, bitte nicht kratzen). Nach dem Krieg wurde es mit zeitgemäßem neuen Logo für den 2-Röhren-Super Junior verwendet, der jedoch auch in einer 4-Röhren-Topfsockel-Variante im Gehäuse des Standardsuper Z als Junior II erschien. Die zahlreichen Überkreuzungen der Ausstattungs- und technischen Merkmale sind charakteristisch für die Lorenz-Zwergsuper-Serie, und auch der Grund, weswegen sie nach deren Auslaufen nach fast 10 Jahren Bauzeit (1941 - 1951) werkseits nicht mehr sonderlich gemocht wurde. In der Firmenchronik '75 Jahre Lorenz' von 1955 wird sie nicht erwähnt, obwohl die Kleinempfängerfertigung für die Nachkriegsjahre bis 1948 (dann 70% Umsatzanteil) als wichtigster Geschäftszweig referiert wird (S. 34). 

Der 1941 in Eindhoven parallel von Philips konstruierte Zwergsuper Philetta 203 (mit Kurzwelle Philetta 204) wurde vom Lorenz K10A in der Leistungsfähigkeit sowohl im Empfang auf Kurzwelle als auch in der Wiedergabe durch die großzügig bemessene UCL11, betrieben mit höherer Spannung als die Philips-Konstruktionen, noch einmal übertroffen. Das Lorenz-Radio kenne ich als überaus empfangsfreudig, ich hatte schonmal eines mit Tfk-Bestückung U11 (Schaub 1948).

Amerikanische 'Midgets' hatten im Gegensatz zu den Lorenz-Hauptvarianten mit 3 Wellen meist nur Standard Broadcast und bedingt durch deren Betriebsspannung bei 110V eine bescheidenere Ausgangsleistung zu bieten. Es gab allerdings für gehobene Bedürfnisse durchaus bessere AA5-Super mit Kurzwelle, wie den RCA Foreign Correspondent.

 

Zu Empfängerklassen (Handelsklassen):

Gegen Ende der 30er Jahre hatte sich im Rundfunkhandel eine Reihe von Empfängerklassen abgestuft nach Preis, Schaltungsaufwand und Ausstattung inkl. Gehäuseart etabliert: Spitzensuper (mit Hf-Vorstufe), Großsuper, Mittelsuper und  Kleinsuper. Dazu die Gemeinschaftsempfänger als 1-Kreiser, während bis auf wenige 2-Kreiser und noch weniger Marken-1-Kreiser die sonstigen Geradeausempfänger in Deutschland nicht mehr am Konsumentenmarkt vertreten waren.
 
Die graduellen Bezeichnungen waren wie im Marketing üblich, nicht immer wirklich vergleichbar angewendet. Während des Kriegs gesellte sich 'den Forderungen der Zeit entsprechend' der Zwergsuper als deutsch-holländische Variante des amerikanischen AC/DC-Midget-Supers hinzu. Die Leistungsfähigkeit der neuen Schaltungen entsprach als 6-Kreiser aber durchaus einem Mittelsuper ohne Abstimmanzeige. Lediglich der Wiedergabeteil war einfacher gestaltet.
In den ersten Nachkriegsjahren, als echte Mittelsuper oder gar Großgeräte in Deutschland nur sehr eingeschränkt für den Export gefertigt werden konnten, stattdessen Geradeausempfänger eine Wiedergeburt für den heimischen Markt erlebten, wurde der Zwergsuper von seiner Marktstellung zum Kleinsuper befördert, deshalb verwendete zwar Schaub noch das Kürzel 'Z', doch die Umschreibung 'Standardsuper' konnotiert das Kleingerät sogar auf den Rang der unzweifelhaft besser ausgestatteten Vorkriegs-Mittelklassegeräte.

Der Standardsuper Z darf übrigens nicht verwechselt werden mit dem Standardsuper-Gemeinschaftstyp der Britischen Besatzungszone, gefertigt von mehreren Herstellern auch in der Amerikanischen Zone mit einheitlichen Gestaltungsmerkmalen wie rechteckiges Pressgehäuse und Linearskala. Es gab auch Versionen von Lorenz u.a.

 

Altersnachweis Schaub Standardsuper Z

 

Beim Reinigen fand ich auf der Chassisunterseite der Netzdrossel das rot gestempelte Datum 18.02.48. Der Netz-Doppelelko ist mit 8.6.48 gestempelt. Weder Elko noch Drossel wurden nachträglich ausgetauscht. Die Vernietung der Netzdrossel ist von beiden Seiten des Chassis völlig unangetastet. Auf der Chassisoberseite trägt die Drossel einen Prüfstempel, der identisch am Drehko oben und am Netz-Elko angebracht ist. Im unteren Feld steht jeweils das Wort 'geprüft', in den oberen beiden Feldern jeweils eine 1-2-stellige Zahl, die keinem Datum zugeordnet werden kann.

     Die Netzdrossel ist werkseitig original vernietet eingebaut.

Auch die Elko-Befestigung sieht nicht gegenüber dem Ersteinbau verändert aus. Auffälligerweise ist das Fabrikat jedoch ein NSF gegenüber den bei diesen Jahrgängen meistens zu findenden Hydra, die sich auch in eine andere Einbauöffnung setzen. Der Elko wurde in späteren Jahren durch parallelen Zubau weiterer Elkos ertüchtigt.

Die auffälligste Datierung im Gerät ist jedoch die datierte Doppel-Paraphe auf dem 1. ZF-Filter vom 18.10.48. Diese hielt ich zunächst für einen Nachabgleich. Bei genauerer Betrachtung passt dieses Datum mit 'durchgeführt' und 'geprüft' (2. Paraphe) jedoch zu den Daten der Bauteile mit Prüfstempel. Ich gehe daher davon aus, dass das Gerät im Oktober 1948 an den Händler geliefert wurde. Auch andere hier gezeigte Exponate haben Abgleich-Signaturen auf dem 1. ZF-Filter, allerdings nicht so vollständig und genau wie auf meinem Exemplar. Vielleicht gab es Qualitätsprobleme in der Montage, die man so abstellen wollte.

Die Rollkondensatoren in der Verdrahtung tragen Produktionsdaten aus den Jahren 1946 und 47. Der Elko an der UBL ist dagegen mit Mai 1943 beschriftet. Also ein buntes Bouquet Lagerware.

 

Fertigungsort: Pforzheim

Während die Zwergsuper aller 3 Lorenz-Marken bis 1944 im Werk Tempelhof gebaut wurden (Tefag 1945 eingestellt), wurden die neu eingekleideten Geräte der Marke Schaub ab dem Wiederaufbau des Werks Schaub 1946 in Pforzheim gefertigt. 
Hierzu weist in Ermangelung an Spuren am Chassis die Pressmarke des Gehäuses. An der Stelle der Pressmarke ist der Pressstempel grob angeschliffen, was darauf schließen lässt, dass eine vorhandene Pressform, vermutlich eine für die vormaligen Tefag-Varianten mit einer neuen Herkunftsbezeichnung / Pressmarke versehen wurde, die alte Marke ausgeschliffen. Der Herstellercode M9 für den Pressling weist zur Firma Mellert in Bretten wenige Kilometer von Pforzheim. Als Materialcode dürfte die 1 stehen, Phenolharz mit organischem Füllmatarial. Die 3 liegt unter der 1, ist evt. versehentlich stehen geblieben oder die 31 bedeutet eine ähnliche Phenolharzmasse (außer Liste). Bei der Fertigungsnummer 45/868 könnte es sich um einen Verweis auf das Verbringungs- oder Einbringungsjahr der vorhandenen Form 1945 zur Presserei handeln. 

 

Röhrenwerk Esslingen - UCH21 / UBL21

Die 3 U21-Röhren der Marke Lorenz (keine U71!) meines Exemplars waren bei Erhalt unzweifelhaft noch die Erstbestückung. Sie haben charakteristische Merkmale u.a. einheitliche Prüfstempel und Garantie-Codes. Die Endröhre erwies sich leider als unbrauchbar, die beiden UCH sind noch sehr gut. Handschriftlich sind Fertigungsnummern auf die Systeme notiert: UCH21 #460131 und #463112, was ich als Fertigungsjahr 1946 interpretiere. UBL21 #50609 47, was auf Fertigungsjahr 1947 verweist.

 

 

Ich verglich den Systemaufbau und Sockelausführung pedantisch mit den Philips-Originalen und konnte deutliche Unterschiede im Aufbau und bei der Sockelstempelung feststellen. Die Lorenz-Röhren haben zudem als unteres Sockelverdeck einen Pertinaxring, ein eigentümliches Produktionsmerkmal, das ich bei keinem anderen Hersteller finde. Auch der restliche Aufbau ist nicht mit anderen Fabrikaten dieser Typen vergleichbar.
Da das Lorenz-Röhrenwerk Esslingen mit einigen Rest-Maschinen Anfang 1946 zunächst die Fertigung von Rundfunkröhren aufnahm (Quelle: 75 Jahre Lorenz, 1955), deute ich die eingesetzen Röhren als Lorenz-Eigenprodukte, die mit Lizenz oder zunächst ohne eng den Philips 21er-Röhren nachempfunden waren. Es handelt sich nicht um gestempelte Zukaufware. Siehe auch Funkschau 07/1948, Seite 63, dort ist die Fertigung der U21er in Esslingen bestätigt. 
So konnte damals auch mangelnde Zuteilung von Zulieferröhren, d.h. der 11er Serie Tfk und Valvo ausgeglichen werden. Die waren 1946-48 Mangelware, obwohl eine Eigenfertigung ab 1948 in Berlin wenigstens geplant war. Belegt ist aber nur die Serienherstellung der UCL11*Lorenz. (FT 1/1948).


Skala Standardsuper Z:

Mein Exemplar besitzt die seit 1946 benutzte Nachkriegsskala B5/1 der Zwergsuper-Reihe in der Grafikversion für den 'Schaub'. Es handelt sich um eine restituierte Variante der Skala von 1942, in die bereits einige ehemalige Feindsender wieder aufgenommen wurden, wie auch die Sender des späteren Südwestfunks 'Koblenz' und 'Freiburg'. Ebenso der Kurzwellenfüllsender Baden-Baden bei 46,5 Meter, ein Konstrukt, das von der französischen Militärregierung zum Füllen des Sendebereichs von Offenburg bis Karlsruhe propagiert wurde, der von den Mittelwellensendern Koblenz 50 KW und Freiburg 10 KW nicht ausreichend ausgeleuchtet würde, was praktisch nicht der Fall war (es gibt eine entsprechende Grafik von 1946 in Bausch, Rundfunkpolitik nach 1945, S. 141). Der fahrbare Kleinsender mit 1 KW Leistung konnte allerdings, wie ich schätze, in ganz Deutschland empfangen werden (außer in Baden-Baden selbst?). Er wurde vermutlich 1951 zugunsten des ersten UKW-Senders des SWF auf dem Merkur in Baden-Baden (4.1950) aufgegeben.
Um den noch von echten internationalen KW-Großsendern gereinigten Skalenbereich zu füllen, wurden die 5 Einträge für Tokio aus den Kriegsjahren beibehalten, wobei diese Station in Deutschland wohl nicht allzu viele Hören gefunden haben mag. Da lag doch Baden-Baden näher. Auffällig ist der Farbwechsel zu Rot für Kurzwelle und Grün für Langwelle gegenüber der Skala von 1942. Die inoffzielle Wellenbereichsnorm war eigentlich andersherum. Es gab solche 'Farbsprünge' in der Nachkriegszeit, doch in anderen Jahren auch für weitere Lorenz-Modelle.

Ebenso ist der Sender 'Alpen(-land)' noch traditionell auf der Skala vertreten, der allerdings seit dem Einmarsch als Relaissender der BBC für den Balkan funktionierte, also für deutsche Höre bedeutungslos war (es gab bessere Frequenzen). 

Die ersten Standardsuper-Z-Modelle nach dem Endsieg hatten zunächst gar keine Stationseinträge, nur leere Wellenlängenskalen. Man wisse noch nicht, wie sich die Bereichsbelegung weiter entwickle (Funktechnik 2/1946).

 

Skala Z49 II 

Da sich 1948 doch zahlreiche Senderbezeichnungen änderten und die im wesentlichen noch auf einem Kriegs-Senderbouquet beruhende Grafik der 46er Skala einer Auffrischung bedurfte, darf man davon ausgehen, dass das Modell 'Z49 II' ab ca. Ende 1948 eine Skala mit angepassten Sendernamen bzw. angepassten Stationen erhielt.
Im wesentlichen neu auf Sendung waren schon früher die Sender der Besatzungsmächte AFN und BFN für das eigene Personal, die deutschen Besatzungssender gingen offiziell auf die Bezeichnungen der Deutschen Rundfunkanstalten über (z.B. Südwestfunk mit Staatsvertrag Oktober 1948).

Da die Modellseite sehr wenig zur '49er'-Skala des Standardsuper Z hergibt, habe ich hier Skalenversionen von Varianten und ähnlichen Geräten (Schaub) zusammengestellt. Ich gehe davon aus, dass die Skalengrafik der bei Schaub produzierten Standardsuper ebenfalls regional betreut wurde, weshalb kleine Änderungen einfach zu bewerkstelligen waren. Es kommen eine hauseigene Grafik in Pforzheim in Frage oder ein Studio in der Region Stuttgart. Lorenz-Zwergsuper der Fertigung Berlin besitzen trotz gleichen Formats doch eine stark abweichende Grafik.

Als sehr gutes Modell der Skala '1948/49' kann das Standardsuper-Z-Exportmodell Röhren U21 von 1949 (Schweiz) dienen.

       Bild aus RM, ebay


Auffälligstes Merkmal ist der nun gold lackierte Zeiger. Aber auch Änderungen in den Stationsnamen und Zuordnungen sind erkennbar.
So ist aus der Norddeutschen Gleichwelle der NWDR geworden, aus den Sendern Koblenz und Freiburg der S.W.F. Der Sender Alpen (Relais für BBC auf Balkan) ist mangels Relevanz verschwunden. AFN und BFN sowie der Bayerische Rundfunk als Sendeanstalt sind hinzugekommen. Es sind noch weitere Änderung schwach erkennbar, doch die Abbildung aus Ebay ist sehr sehr schlecht.
Das in die Schweiz gelieferte Exportgerät besitzt aber keinerlei spezielles Schweizer Senderbouquet - die Skala ist eindeutig diejenige für Deutschland.

     Bild: Martin Steyer, RM


Qualitativ viel besser ist diese Skala aufgenommen des 49er Standardsuper Z mit U11-Röhren. Sie ist bis auf den schwarz lackierten Zeiger identisch mit der schlecht dokumentierten 49er-Skala oben.
Absolutes Kuriosum ist bei beiden die Stations-Sortierung des 49m-Bands auf Kurzwelle. Die Stationskolonne ist nämlich verkehrtherum gedruckt. Der SWF (Kurzwelle Baden-Baden) müsste unten erscheinen bei 46,5 m und alle anderen Station gegenläufig sortiert sein. Man sieht daran, wie chaotisch es mitunter damals zuging und wegen des Materialmangels wurden die fehlerhaften Skalen auch nicht vernichtet, sondern einfach verbaut.
Der Rest der Kurzwelle wurde ebenfalls neu sortiert mit zahlreichen neu ausgewählten Stationen, unter Auslassung irrelevanter Reste aus der Kriegszeit.

Diese Skala würde ich jedenfalls beim Standardsuper Z mit Röhren U21 ab ca. Ende 1948 erwarten. Den Zeiger würde ich eher in Gold erwarten wie auch in der Abbildung aus dem Radiokatalog für Modell Standardsuper Z49 II (s.o.) ersichtlich. Leider steht der Nachweis bisher noch aus.
Bild Courtesy Ernst Erb, Radiokatalog Teil 1

Die Skala B5/1 Jahrgang 1946 dürfte 1949 sicher nicht mehr eingesetzt worden sein.

Eine grafisch ähnliche Skala, die zwischen beiden genannten Versionen steht, findet sich beim Schaub Junior II KML (1949/50, vom Standardsuper Z abweichende Schaltung und Bestückung, aber gleiches Äußeres mit zusätzlicher Zierblende).


       Bild: Tim Küpper, RM

Hier sind zahlreiche Änderungen in der Mittelwelle vorgenommen worden u.a aktuelle Ergänzungen wie RIAS und AFN (jedoch nicht alle neuen Stationen oder Namensänderungen), aber die Kurzwellenkolonnen sind noch auf altem Stand.
Zeiger in Gold.


Fazit Standardsuper Z mit 3 Loktalröhren:

Das Modell Schaub Standardsuper Z mit Loktalröhren (U21) dürfte fast unverändert von 1946 bis 1949 oder 1950 gebaut worden sein. Ein Exemplar von Ende 1948 ist nachgewiesen. 
Er wurde ausschließlich mit 3 U21er Röhren und Selen-Gleichrichter SAF geliefert, obwohl auf der Rückseite fälschlicherweise 4 U21er Röhren dargestellt sind. Die Röhren könnten überwiegend von Lorenz selbst gefertigt worden sein (Esslingen, nicht Berlin). Vielfach wird aber nur eine Ersatzbestückung anderer Herkunft erhalten sein.
Lediglich die Skala wurde Ende 1948 den Notwendigkeiten angepasst. Das Grafikschema blieb jedoch gleich.

Mit Sicherheit wäre eine Versionsnummer dieser Skala eruierbar, wenn jemand so ein Gerät besitzt. Ob die Lackierung des Zeigers auch modernisiert wurde (Gold - Geschmack/Mode um 1948), bleibt offen.

 

 

Editionsnotiz:
Obwohl ich es wirklich, wirklich nicht vorhatte, enthält dieser Abriss doch eine Fülle von Daten und Informationen. Falls Sie hierbei Fehler monieren möchten: Ihre Korrekturen per E-Mail oder direkt hier sind willkommen. Es kann nur besser werden.

Quellen:

75 Jahre Lorenz, Festschrift C. Lorenz AG, 1955, abrufbar über archive org
Berger, Die C. Lorenz AG in den ersten Jahren nach dem Krieg Teil 2, in Funkgeschichte 103, 1995
Herrnkind, Lorenz Zwergsuper, in Funktechnik 2/1946 (Dezember)
Opperskalski, Die deutschen Exportradios 1940-44 Teil 8 und 13, in Funkgeschichte 128, 1999 und FG 133, 2000
Börner, Radiokatalog 1940-44 (Tefag u.a.), abrufbar unter der Adresse des Autors
Modellseiten aller Zwergsuperausführungen Lorenz und Schaub ab 1941 bis 1951 im Radiomuseum sowie Philips Philetta 203 / 204
Funktechnik, u.a. 1948/01, weitere Ausgaben 1947, abrufbar über worldradiohistory
Funkschau, Jahrgänge 1946-48, abrufbar über archive org

Rainer Jehl, 01.Feb.26

Weitere Posts (1) zu diesem Thema.

Liebe Experten,

ich habe ein Problem mit der Zuordnung dieses Modells. Vielleicht kann jemand etwas zur Aufklärung beitragen.

Es gibt hier zwei Geräte gleichen Namens - dieses hier und ID = 229089. Ich sehe nicht, worin sie sich unterscheiden.

Dieses Gerät hier (ID = 166482) wird dem Baujahr 1942 (mit Fragezeichen) zugeordnet. Es würde sich damit um den einzigen "Standard-Super" vor 1947 handeln. Der Begriff ist ja eng mit der britischen Zone verbunden. Außerdem zeigt die Skala des Gerätes u.a. die Stationsnamen BBC und Moskau, was nicht auf ein Gerät für den inländischen Markt in der Kriegszeit deutet. Es könnte allenfalls ein Exportgerät sein.

Der Begriff "Export" findet sich allerdings bei dem zweiten Gerät, welches dem Jahr 1949 (wiederum mit Fragezeichen) zugeordnet wird. Es wäre damit seinerseits eines der ganz wenigen Exportgeräte dieser Zeit.

Könnte es nicht so gewesen sein, dass das Model ursprünglich (wie andere dieser Zeit auch) für den Export konstruiert wurde und die Produktion nach dem Krieg für den Inlandsmarkt wieder aufgenommen wurde? Diesmal mit der für die englische Zone typischen Bezeichnung "Standard-Super"? Manchmal taucht auch die Typennummer Z49 auf. Man sollte auch die "Zwergsuper" (ID = 3092 und ID = 6077) mit in die Betrachtung einbeziehen.

Wer weiß mehr?

J.G.

Joachim Glüder, 17.Aug.15

Weitere Posts (3) zu diesem Thema.