Am 15.5.1891 gründen Frederik Philips und sein Sohn Dr. Gerard L.F. mit 75'000 Gulden in Eindhoven eine Glühlampenfabrik. 1894 beschäftigt Philips bereits 35 Mitarbeiter und der jüngere Sohn, Dr. Anton F. Philips, tritt als kaufmännischer Leiter ein. 1903 ist Philips die viertgrösste Glühlampenfabrik Europas. 1912 ändert man den Namen leicht.
Auf Wunsch von Dr. Idzerda beginnt Philips ab 1917 für ihn Röhren zu produzieren. Im Mai 1918 stellt sie die eigene IDZ (IDEEZET) vor. Weitere Röhrenentwicklungen sind im Kapitel über Röhren aufgeführt. 1922 tritt Gerard Philips aus dem aktiven Geschäftsleben aus. Die Firma beschäftigt 6000 Mitarbeiter.
Anton übernimmt die Firma alleine und dehnt das Fabrikationsgebiet auf Röntgenartikel und 1927 auch auf Radios aus. Diese Produktion lässt er ab 1924 planen, wobei die Mitarbeiter des neu errichteten Laboratoriums nach Prüfung aller Aspekte der Radioindustrie zum Ergebnis kommen, alle Einzelteile für die Empfänger selbst herzustellen [282]. Wie IBM beim Personal Computer, befasst sich Philips erst mit neuen Märkten, wenn diese reif für einen dauerhaften Durchbruch erscheinen bzw. leitet diesen mit der entsprechend neuen Technologie ein. Beim Radio entspricht dies dem Netzapparat mit Einknopfbedienung. Bei Philips entwickeln Gilles Holst und B.D.H Tellegen die wichtige Pentode, NL-Patent 14.12.26, US-Anmeldung 25.11.27 als Patent 1945040 vom 30.1.34.
1930 entwickelt Philips einen Volksempfänger und verkauft ihn 1931 auf dem Testmarkt Prag als Bausatz und als fertigen Apparat. Dem Bausatz liegt ein Anleitungsbuch von 96 Seiten bei! Der Apparat, ein batteriebetriebener 3-Röhren-2-Kreiser mit Honigwaben-Steckspulen, ist mit beiliegender Zange und Schraubenzieher zu bauen. Der Test fällt negativ aus; die Firma bleibt bei qualitativ hochwertigen Geräten [638434]. Bis August 1932 hat das Unternehmen eine Million Rundfunkempfänger produziert [282].
Bis 1931 bezeichnet Philips ihre Radio-Produkte - ausser den Empfängerröhren - mit vierstelligen Nummern:
1000 - 1700 Gleichrichter
1701 - 1800 Gasgefüllte Gleichrichterröhren
1801 - 1900 Hochvakuum-Gleichrichterröhren
1901 - 2000 Eisenwasserstoff-Widerstände
2001 - 2400 Lautsprecher
2401 - 2700 Empfänger
2701 - 2800 Verstärker
2901 - 3000 Plattenspieler
3001 - 3100 Netzanoden
3101 - 3200 Tropenausführung von Plattenspielern
3201 - 3300 Tropenausführung von Verstärkern
3301 - 3400 Verstärker
3401 - 3500 Tropenausführung von Verstärkern (3301..) etc.
Von 1931/32 - 1945, beginnend mit der Reihe Super-Inductance (erste Geräte 730A, 720A, 770A als 3-Kreiser), bezeichnet Philips Radios mit
dreistelligen Zahlen, denen (meistens) ein Buchstabe folgt:
A = Wechselstrom
B = Batteriebetrieb
C = Gleichstromnetz
U = Allstrom)
Der Buchstabe ist kein Muss.
Stammt der Apparat aus der Fabrikation eines anderen Landes, stellt das Werk dessen Abkürzung voran.
Die erste Ziffer bedeutet die Anzahl Kreise, als Differenz zur Zahl 10; die ersten Super (522A Oktoden-Super, 1934/35) erhalten die «Kreiszahl» 5. Die Super-Inductance-Geräte und die ersten Super von Philips finden in der Funkgeschichte [63] Nr. 50 ausführlich Beschreibung.
1946 erneuert man das System;
Herstelljahr und Herstell-Land sind nun eindeutig erkennbar:
Erster Buchstabe: Geräteart
B = Tischmodell, netzbetrieben
C = Tischmodell, batteriebetrieben
D = Reserve
F = Radio-Plattenspieler-Kombination (Standmodell)
H = Hi-Fi-Geräte (Tischmodell mit Grammophon)
L = tragbares Gerät
N = Autoradio
P = tragbares Autoradio
R = tragbares Gerät mit Recorder
S = Spezialartikel, z.B. Uhrenradio
T = TV-Empfänger
Zweiter Buchstabe: Herstellerland
A = Österreich / Austria
B = Belgien/Belgium - or X (Philips Leuven)
CH =Schweiz / Switzerland
D = Deutschland / Germany
DK =Dänemark / Denmark
E = Spanien / Spain
F = Frankreich / France
G = Great Britain (UK)
I = Italien / Italy
IF =Irland / Ireland
IN =Indonesien / Indonesia
N = Norwegen / Norway
R = Brasilien / Brazil
S = Schweden / Sweden
SF =Finnland / Finland
W = USA (Norelco)
ZA =Südafrika / South Africa
X = Holland / Netherlands (E-Number, PL-number Philips Leuven, Belgium)
Erste Ziffer: Preisklasse = 0-9 mit steigendem Preis
Zweite Ziffer: Letzte Ziffer des Herstelljahres
Zwischen 1956-65 rückt die erste Ziffer zwischen
die ersten zwei Buchstaben!
Dritte Ziffer: Unterscheidungsziffer (damit nicht gleiche alte Nr.)
Zusatzbuchstaben:
A = Wechselstrom
B = Batterie
U = Allstrom
T = Transistorbestückt
Selten:
V = Akkumulator mit Zerhacker (Vibrator)
X AC oder DC = mit Vibrator
Z = Akku/Netz
AB = Wechselstrom/Batterie
AU = "Vorbereitet für Wechselrichter" oder "Mit Wechselrichter".
1966 erfährt das System eine Erweiterung
und korrespondiert mit dem 12stelligen Code für alle Konzernprodukte. Die Typennummer besteht aus:
2 Ziffern, 2 Buchstaben, 3 Ziffern/2 Ziffern, 1 Buchstabe; (ZZBBZZZ/ZZB).
Der 1. Buchstabe ergibt das Fertigungsjahrzehnt:
R = 1966 - 1975
A = 1976 - 1985
D = 1986 - 1995 (... gefolgt von I und O = RADIO)
Der 2. Buchstabe bezeichnet die Geräteart wie oben beschrieben.
Die 3. Ziffer ergibt wieder die Preisklasse.
Die 4. Ziffer bedeutet die letzte Stelle des Herstelljahres.
Das sind die für einen Sammler relevanten Aussagen.
Durch gute technische Entwicklungen, gutes Marketing und dezentralisierte Fabrikation entwickelt sich das Haus Philips zum grössten Radiohersteller der Welt. Das Unternehmen verkauft bis 1934 100 Mio Radioröhren [156-122] und beschäftigt 1935 weltweit etwa 30'000 Mitarbeiter [513506]. 1942 gründet Philips die North American Philips Inc. (Norelco) auf dem amerikanischen Markt und kann kurz nach Ende des Krieges dort die Canadian Radio Corp. Ltd., die Herstellerin der Rogers-Majestic-Röhren, übernehmen. Etwa im Jahre 1955 kauft Philips zudem die Amperex Electronic Products Inc. bei New York, die vor allem kommerzielle Röhren herstellt.
1987 fabriziert das Unternehmen 32 % der in Europa verkauften Fernsehgeräte, gefolgt vom französischen Thomson-Konzern (22 %) und der finnischen Nokia AG (14 % Marktanteil inkl. Salora und Luxor, Schweden). Bei Nokia sind nach dem Verkauf der Konsumgütersparte der Standard Electric Lorenz AG (SEL) durch Alcatel die Marken ITT, Graetz etc. gelandet. Philips ist wohl der einzige Konzern, den die Japaner bei Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Unterhaltungselektronik ernstzunehmen haben. Allerdings stellt Philips in den USA erst auf der CES 1988 Geräte der Unterhaltungselektronik unter der eigenen Marke vor und benutzte vorher die Marken der übernommenen Magnavox, Sylvania oder Philco [608815].
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